»Im Osten regiert das Verbrechen, im Zentrum die Gaunerei, im Norden das Elend, im Westen die Unzucht und in allen Himmelsrichtungen wohnt der Untergang«, schrieb Kästner 1931 über die Metropole Berlin. Tatsächlich war Kästners Großstadterfahrung deutlich positiver und bunter. Als rasender Reporter, Nachtschwärmer und Frauenliebling war er zuverlässig immer dort anzutreffen, wo etwas los war, ob im Theater, in Tanzlokalen oder bei Ringkampf-Veranstaltungen. Seine von der Kästner-Expertin Sylvia List in diesem Band versammelten Geschichten und Gedichte sind ein rasantes Leseerlebnis und zugleich eine augenzwinkernde Liebeserklärung an die große Stadt und ihre sonderbaren Bewohner.
Erich Kästner (1899–1974) was a German author, poet, screenwriter and satirist, known for his humorous, socially astute poetry and children's literature. A stout pacifist and democrat, he was expelled from the national writers' guild during the Nazi era, with many of his books being burned in public. Today, he is widely regarded as one of Germany's most prolific and beloved children's book authors.
Ich habe dieses Buch verschlungen. Auch wenn ich bisher nur die Kinderbücher gelesen habe, bin ich von dem Buch mehr als begeistert. So klar wie er schon damals die Zukunft Deutschlands sah. wirklich bemerkenswert.
Nachdem "Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke" bei mir einen eher gemischten Eindruck hinterlassen hat, ich aber ein großer Fan seiner Kinderbücher bin, habe ich beschlossen, mir im Rahmen meiner Klassiker Challenge noch "Sonderbares vom Kurfürstendamm" von Erich Kästner vorzunehmen. Auf 209 Seiten sind hier Gedichte, Essay, sowie Romanauszüge des Autors gesammelt, die alle um die Stadt Berlin kreisen...
Erich Kästner zeichnet hier ein lebendiges, manchmal skurriles und oft augenzwinkerndes Bild von Berlin zwischen den 1920er- und 30er-Jahren. Als Reporter, Beobachter und Nachtschwärmer war er mitten im Berliner Großstadtgetümmel der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unterwegs und berichtet in unzusammenhängenden Texten von seinen Erfahrungen und Gedanken zu Orten und Bewohnern. Manche Passagen lesen sich dabei wie entspannte Streifzüge durch die Stadt, andere beobachten ihre Bewohner mit viel Witz und einer guten Portion Ironie. Zum Ende hin verändert sich der Ton und die Texte werden ernster, beschäftigen sich mit dem aufkommenden Nationalsozialismus, der Bücherverbrennung und den Trümmern der Nachkriegszeit. So werden eine Stadt und eine Zeit auf interessante Art zum Leben erweckt und die Texte lesen sich beinahe wie aus einer Zeitkapsel. "Im Osten regiert das Verbrechen, im Zentrum die Gaunerei, im Norden das Elend, im Westen die Unzucht und in allen Himmelsrichtungen wohnt der Untergang."
Allerdings muss ich auch hier wieder anmerken, dass beim Lesen die 100 Jahre, die zwischen mir und Erich Kästner liegen, immer wieder evident werden. Während mir Bodyshaming und sexistische Darstellungen zwar unangenehm, aber angesichts des Alters des Textes wenig überraschend, aufgefallen sind, habe ich kein Verständnis dafür, dass auch in der 2023 erschienenen Ausgabe mehrfach das N-Wort unkommentiert abgedruckt wird. Historische Texte einzuordnen und in ihrem zeitlichen Kontext zu lesen, ist für mich etwas anderes, als eine solche Sprache in einer modernen Ausgabe einfach stehen zu lassen. "Morgen vielleicht reisst man alles wieder ein und baute Neues. Hier führen alle Türen ins Nichts, ins Gerümpel, zwischen Balken und Kulissen."
Fazit
Insgesamt hat mir „Sonderbares vom Kurfürstendamm“ besser gefallen als Kästners „Lyrische Hausapotheke“. Vor allem als literarisches Zeitdokument bietet die Sammlung interessante Einblicke in das Berlin der Weimarer Republik und zeigt zugleich eine ernstere, politische Seite des Autors, die mir bislang weniger bekannt war.
Das armseligste Viertel Berlins heißt der Wedding.
lol lmao even
Der Berliner Frühling findet in Werder statt. [...] Aber die Berliner stehen im Verdacht, sie benutzen die Baumblüte nur als Vorwand, als einen Grund zum Trinken.
Wie beruhigend, zu erfahren, dass das Rauschsaufen beim Werder Blütenfest Tradition hat, let's fucking gooo.
Stell dir vor, Dienstagabend ist meine Wohnung hopsgegangen.
Kannte vorher nur hopsnehmen als Slang, jetzt gibt's auch hopsgehen ✨️
More like 3.5 stars. This is a collection of Erich Kästner's poems and essays about different aspects of living in Berlin. Definitely an interesting read and it was good but not spectacularly great.
3.5 rounded up. Very entertaining window in a different world and time, Berlin was filled with innovations! Sad to see it deteriorate towards the end in the 30s
"Es gibt immer noch ein paar trotzige Leute in Deutschland, die sich sträuben, die Überlegenheit der Berliner Weltanschauung - vorausgesetzt, dass es so etwas gibt - anzuerkennen. Na, die werden wir gleich haben!"
Die Sammlung 'Sonderbares vom Kurfürstendamm' beinhaltet Texte von Erich Kästner mit Berlin-Bezug, die ansonsten keinen Zusammenhang haben. So ist es eine Mischung geworden aus Gedichten, Essays, Auszügen aus dem Roman 'Fabian' oder 'Emil und die Detektive'.
Insbesondere Kästners Gedichte liebe ich sehr, und auch manche Essays fand ich sehr lesenswert - z.B. seine Erfahrungsberichte von weirden Friseurbesuchen, dem Baumblütenfest in Werder (RIP), oder seine Kritik an der kapitalistischen Ausdehnung des Immobiliengeschäfts. Grade Erich Kästners scharfsinnige Beobachtungsgabe macht seine Texte so besonders.
Auf die Auszüge aus 'Fabian' und 'Emil und die Detektive' hätte ich verzichten können - zum einen kenne ich die Bücher bereits, zum anderen war der Kontext der Ausschnitte manchmal schwer erkennbar.
Und dann sind da noch die Jahrzehnte, die zwischen Erich und mir liegen: dass Bodyshaming und Sexismus zu seiner Zeit kaum hinterfragt wurden - ok, akzeptiert. Aber dass in der Auflage von 2023 immer noch das N-Wort abgedruckt wird, mehrfach - da habe ich kein Verständnis für.
Zum Ende hin werden die Texte ernster, beschäftigen sich mit dem Nationalsozialismus und der Bücherverbrennung in Berlin. Diese Texte haben bei mir wieder mehr Eindruck hinterlassen.
Spannend für alle die sich für die Geschichte Berlins und die Anfänge des Nationalsozialismus interessieren. Besonderes Ausschlussreich fand die Geschichte "Goebbels weisse Mäuse" und Kästners Anti Kriegsgedichte.
hab peinlich lange dafür gebraucht, aber ist eine sehr gewitzte, spaßmacherlektüre für alle die das kulturelle leben in berlin in den 20er und 30er jahren interessant finden
A collection of poems, stories, excerpts and essays about Berlin - from various times in his life, Kästner watches and analyses the town in glory (the 1920s), darkness (1930s) and destruction (after 1945). Ironically, morbidly, but always with love. The collection contains famous things, old things and few never before published stories.