“Ich blick’s nicht mehr. Irgendwo in dieser komischen Geschichte hab ich den Faden verloren.“
Es ist meines Wissens das erste Mal, daß ich ein Pferd zitiere, aber den Worten Jolly Jumpers mag ich mich fast anschließen, denn Dalton City, das 49. Abenteuer von Lucky Luke, das im Jahre 1969 erschien, bringt so herrlich absurde Situationen, daß man sich gern fragt, ob da nicht irgendwo ein Knoten im sprichwörtlichen Faden ist. Die Geschichte beginnt in der berüchtigten Stadt Fenton City, die zu einem El Dorado für Desperados geworden ist, so daß es schließlich eines Lucky Lukes bedarf, um dort aufzuräumen. Als Luke das korrupte Stadtoberhaupt Fenton dann dingfest macht, erzählt dieses im Gefängnis den Daltons davon, wie einträglich sein Geschäft in Fenton City war. Dies wiederum bewegt die Daltons dazu, auszubrechen und die Stadt unter dem Namen Dalton City zu neuem Leben zu erwecken.
Lucky Luke folgt den Daltons auf dem Fuße, doch bringen sie ihn in ihre Gewalt, als sie dabei sind, die inzwischen verlassene Geisterstadt wieder ein wenig auf Vordermann zu bringen. Luke, eigentlich ihr Gefangener, läßt die Daltons aber für sich springen, denn er muß nicht nur Averells Kochkünste, sondern auch den Service im Hotel testen, was die Daltons dazu bringt, seine Stiefel zu putzen, ihn mit frischer Bettwäsche zu versorgen oder Jolly Jumper zu striegeln. Dabei faßt er den Plan, den Daltons zu helfen, alle Gesetzlosen der Umgebung nach Dalton City zu locken, um die Möglichkeit zu haben, sie von dort hinter Schloß und Riegel zu bringen. Ein wenig schwächelt die Story daran, daß Luke am Ende nur durch einen Zufall die Oberhand behält, wenn er von der stereotyp in der letzten Minute eintreffenden Kavallerie aus einer mißlichen Lage befreit wird. Daran, sie zu benachrichtigen, hatte er jedoch keinen Anteil. Dafür aber werden wir mit einem Feuerwerk von Gags entschädigt, etwa wenn Joe Dalton sich in die Mae West nachempfundene Saloonsängerin Lulu Carabine verliebt und dies gegenüber Lucky Luke gesteht, um dessen Dienste als Hochzeitswerber in Anspruch zu nehmen. Nur dumm, daß sich auch William in die Dame verguckt – und daß sie längst mit dem Pianisten Wallace verheiratet ist. Immerhin ist Joe großzügig genug, um Luke zu versprechen, ihn erst nach der Hochzeit umzulegen.
Eine der köstlichsten Szenen ist sicherlich, wie Jack Luke überwacht, als dieser während der Feierlichkeiten in einem Saloon voller Desperados den Barkeeper spielen muß. Damit Luke nicht etwa die Gäste vergiftet, hat Jack sich vorgenommen, jeden einzelnen Drink vorher eigenmündig zu probieren, was die erwarteten Folgen für seinen Zustand zeitigt. Schließlich lallt er: „Gib mir ein Glas, Jokote, aber ich w … will es vorher probieren.“ Natürlich darf in einem Dalton-Abenteuer auch Rantanplan nicht fehlen, der hier ein paar besonders schöne Momente hat – unter anderem als einziger Feinschmecker, der Averells Kochkünste zu würdigen weiß und in seiner kulinarischen Experimentierfreude selbst vor einem Stück Seife nicht Halt macht.
Kurzgesagt, auch wenn das Ende ein wenig unbefriedigend ist und die Story ein wenig Zeit benötigt, um richtig in Gang zu kommen, wenn es erst einmal so weit ist, erreicht dieses Abenteuer eine sehr hohe Gag-Dichte und trifft genau ins Schwarze. Ein Dalton City gibt es übrigens wirklich, und zwar im Bundesstaat Illinois mit etwa 544 Einwohnern im Jahre 2010.