Wenn ich Mike Krügers Stimme höre, fühle ich mich sofort in meine Kindheit zurück versetzt: Ich habe seine Platten im Kindergartenalter in den Achtzigern rauf und runter gehört. Da Krügers Sprache nach mündlichem Vortrag mit nasaler Stimme und in lakonischem Tonfall verlangt, muss hier das Hörbuch her.
In „Mein Gott, Walther“ holt Krüger zum biographischen Rundumschlag aus: Der Tod seiner Mutter, als er vier Jahre alt war, das schwierige Verhältnis zu seinem Vater, seine Lehre als Betonbauer und das anschließende Architektur-Studium, seine Zeit als Schlagzeuger in einer Band, wie er seine Frau kennenlernte und – klar! – seine Karriere, vom ersten Hit „Mein Gott, Walther!“ über die legendären Super-Nasen mit Thomas Gottschalk bis hin zu „7 Tage, 7 Köpfe“ mit seinem Förderer Rudi Carrell. Und wer hätte gedacht, dass Mike Krüger Fans bei den Hell`s Angels hat?
Dabei ist Krügers Geschichte natürlich eng verbunden mit der Entwicklung der Comedy-Szene und des Fernsehens in Deutschland. Geschrieben ist das Ganze im typischen Krüger-Ton inklusiver typischer Krüger-Witze. Diesen Humor kann man lieben oder hassen, aber er ist definitiv prägend für alles, was danach kam, in seiner Wirkung vergleichbar mit Otto Waalkes und Jürgen von der Lippe.
Was Krüger so sympathisch macht: Er nimmt sich nicht so wichtig. Er zündet keine Nebelkerzen, mittels derer andere ihre Biographien hochjazzen – Krüger hat das nicht nötig, er scheint mit sich selbst im Reinen. Er wollte nie ein großer Intellektueller sein, sondern die Leute zum Lachen bringen. Mir ist das tausend Mal lieber als all die braven, von der (vermeintlichen) eigenen Bedeutung berauschten Dieter Nuhrs und Eckhardt von Hirschhausens.