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Die erstaunliche Wirkung von Glück

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Manchmal braucht es nur einen Schubs in die richtige Richtung …

Dies ist die Geschichte von Dorle. Sie lebt im Souterrain eines herrschaftlichen Hauses, in dem sonst nur wohlhabende, knarzige alte Leute wohnen. In Heimarbeit steckt sie für eine Kronleuchtermanufaktur Kristalle zusammen. Und sie lässt sich von ihren Nachbarn als Concierge ausnutzen, obwohl sie gar nicht die Concierge ist – aber was soll man machen, wenn plötzlich acht Topfpflanzen vor der Tür stehen mit dem Hinweis »Bitte gießen, verreise. MfG Bock«?
Doch Dorle ist genügsam und zufrieden mit ihrem Leben. Ganz im Gegensatz zu Annegret Sonne, 84 und voller Lebenslust. Als Frau Sonne sich zu einer dreimonatigen Reise aufmacht, bittet sie Dorle, ihre Wohnung zu hüten. Nicht ohne Hintergedanken trägt sie ihr auf, genau die Dinge zu tun, mit denen sich die alte Dame sonst das Leben schön macht: im Bett Filme gucken und Pralinen essen, Wellnesstermine wahrnehmen, köstliche Gerichte kochen. Für jemanden wie Dorle ist das ganz schön herausfordernd. Sogar Dates hat sie plötzlich. Gut, die Männer sind alle über achtzig, aber sie behandeln sie wie eine Dame. So hat Joe, Dorles einziger Freund, alle Hände voll zu tun, um im Rennen zu bleiben. Doch dies wäre keine gute Geschichte, wenn es nicht ein paar Umwege und Sackgassen gäbe auf dem Weg zum Happy End, oder?

318 pages, Hardcover

First published October 15, 2015

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Susann Rehlein

20 books2 followers

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1 (1%)
Displaying 1 - 13 of 13 reviews
Profile Image for Sina & Ilona Glimmerfee.
1,056 reviews118 followers
October 20, 2015
Dorle konnte mein Herz gleich auf den ersten Seiten erobern. Sie lebt und arbeitet in einer winzigen Wohnung, die früher von der Concierge bewohnt wurde. Den alten Leutchen im Haus ist es allerdings ziemlich egal, ob sie die Concierge ist, oder nicht, sie nehmen ihre Dienste ganz selbstverständlich in Anspruch. Die täglichen Demütigungen durch die Alten ist sie so gewohnt, dass sie ihr gar nicht mehr auffallen. Und so kümmert sie sich um das Haus und dessen Bewohner und ganz nebenbei steckt sie in Heimarbeit Kristalle für Kronleuchter zusammen.

Dieser entzückende Roman, macht Mut sich nicht mehr herum schubsen zu lassen, Respekt und ein Danke einzufordern. Diese Geschichte spielt in Deutschland, liest sich aber wie ein französischer Roman. Es ist skurril, nicht ohne Komik, die Charaktere einprägsam. Joe, der Erfinder mit dem großen Herzen, Henriette Schräubchen, mit den rosa Zuckerwatte ähnlichen Haaren, der Kater, der immer die richtige Musik findet, Herr von Stottow, der ehemalige Chirurg mit dem Hang zum Nähen, ein Wolpertinger und viele weitere liebenswerte Charaktere warten nur darauf Dorles Geschichte mit zu erzählen.

Dorle ist verliebt in Joe und diese Liebesgeschichte ist so zart und fraglich, dass ich immer gehofft habe, dass sie nicht in einem Scherbenhaufen oder zerbrochenen Herzen endet. Es macht Freude, die Entwicklung von Dorle zu beobachten, wie sie langsam aus ihrem Schneckenhaus hervorkommt, sich immer wieder tapfer dem Leben stellend.

Ein Buch, dass die Seele wärmt und ich kann nur hoffen, dass jede Dorle eine Frau Sonne findet, die ihr hilft den Weg in ein glücklicheres Leben zu finden. Ich kann das Buch allen Lesern ans Herz legen, die französische Romane mögen und die sich durch ‚Die fabelfafte Welt der Amelie‘ verzaubern ließen.
Profile Image for Ankas.
Author 1 book57 followers
November 14, 2015
"Eine skurrile Hausgemeinschaft, eine bezaubernde Außenseiterin und die große Liebe" (Zitat Klappentext)

Unsere bezaubernde Außenseiterin heißt Dorle. Dorle lebt sehr zurückgezogen im Souterrain eines Mehrfamilienhauses. Den einzigen Kontakt, den sie außerhalb ihrer vier Wände pflegt, ist der zu ihrem Mettbrötchenverkäufer. Ansonsten bekommt sie regelmäßig Besuch von Joe, der sie mit Heimarbeit versorgt und zu dem sie ein ganz besonderes Verhältnis hat.

Auf einen Außenstehenden mögen Dorles Lebensumstände merkwürdig und armselig wirken, doch Dorle hat dieses Leben akzeptiert, hält an ihren Gewohnheiten fest und weiß diese zu schätzen. Auch wenn sie von der Hausgemeinschaft als unbezahlter Concierge missbraucht wird, und ihre täglichen Liegestützen unter ihrem Wohnzimmertisch macht, fügt sie sich ihrem Schicksal, bis zu dem Tag, an dem überraschend die 84-jährige Annegret Sonne in ihr Leben tritt. Die rüstige, sehr lebensbejahende alte Dame wohnt im 5. Stock des herrschaftlichen Hauses und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Dorle aus ihrem kleinen Kellerloch herauszuholen, was sie schlussendlich buchstäblich tut. Sie lädt die junge Frau in ihre Wohnung ein und bittet sie, diese zu hüten, während sie eine 3-monatige Reise antritt. Erste Bedingung: Dorle darf sich nicht länger von der Hausgemeinschaft ausnutzen und als Fußabtreter missbrauchen lassen.

Da Dorle nicht "nein" sagen kann und doch ein wenig Neugierde verspürt, findet sie sich kurze Zeit später zwischen leckeren Pralinen, Klangschalentherapien, einem cleveren schwarzen Kater und einem ständig ratternden Fax wieder, das immer neue Aufträge und Anweisungen von Frau Sonne ausspuckt. Jene lockt Dorle nicht nur aus ihrer Wohnung heraus, sondern zeigt ihr zudem ganz nebenbei, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn man auch mal an sich selbst denkt.

Die Zeit an Dorles Seite hat mir unheimlich gut gefallen. Auch wenn es am Anfang nicht leicht war, die zurückgezogene, weltfremde und sich ständig aufopfernde junge Frau zu verstehen, schloss ich sie schnell ins Herz. Die Wandlung, die sie auf ihrem aufregend-steinigen Weg durchmacht, hat mich sehr berührt. Besonders beeindruckt hat mich dabei, dass sie sich zwar weiterentwickelt, jedoch nie ihre Wurzeln und ihr bisheriges Ich vergisst. Sie wird kein komplett neuer Mensch, sondern beginnt, sich selbst und ihre Mitmenschen besser und vielleicht auch von einer ganz anderen Seite kennenzulernen.

Mein Highlight in diesem Roman waren die vielfältigen, teils schrulligen, teils schillernden Charaktere. Sehr scharf skizziert mögen sie auf den ein oder anderen Leser vielleicht zu übertrieben wirken, mich haben sie alle restlos begeistert. Nicht nur Joe hat bereits mit seinem ersten Auftreten mein Herz im Sturm erobert, sondern auch der kleine Kasimir mit seinem Dackel oder der alte, frisch verliebte Herr von Stottow. Brillante Figuren, Dorle inkludiert, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Lasst mich zum Schluss noch den jugendlich-spritzigen und doch sehr klugen und wortgewandten Schreibstil der Autorin Susann Rehlein loben. Er hat mich direkt abgeholt und mir trotz seiner Leichtigkeit das Gefühl gegeben, einen doch etwas anspruchsvolleren Roman zu lesen. Zwischendurch wendet sie sich sogar direkt an ihre Leser und übernimmt die Rolle des Erzählers. So hatte ich sie beim Lesen stets als Vorleserin, in einem großen, roten Ohrensessel sitzend, vor Augen, wie sie hin und wieder ihr Buch zuschlägt und ihre Leser auf einzelne Figuren hinweist oder das Gelesene kommentiert.

"Die erstaunliche Wirkung von Glück" war für mich wie ein moderner Aschenputtel-Roman, der mir als Lesehighlight im Oktober die ersten düsteren und verregneten Herbsttage versüßt hat.
Profile Image for Carolin M. Hafen.
Author 9 books5 followers
September 8, 2021
Das Buch ist definitiv meine Lese-Perle 2021. Da passt einfach alles. Der lakonische Erzählstil holt mich komplett ab, die Hauptfigur entwickelt sich, es ist spannend und lustig und Wohlfühl-Literatur vom feinsten. Dafür lese ich. Aber der Reihe nach. Dorle wohnt in einem Mehrfamilienhaus, im Erdgeschoss. Sie ist die Concierge für die alten Leute im Haus, was aber nur ein netter Ausdruck für „Mädchen für alles“ ist. Und zwar nicht die Du-gute-Fee-was-sind-wir-froh-das-wir-dich-haben-Version, sondern mehr so: Müll-Mädchen. Die Bewohner sind also weder freundlich noch dankbar. Dorle verlangt das auch nicht. Ihr Leben war immer hart. Sie hat gelernt, für alle da zu sein; hilfsbereit und unersetzlich. Dankbarkeit oder gar Freundlichkeit, das passt nicht ins Weltbild. Frau Sonne wird auf die junge Frau aufmerksam und will alles für sie ändern. Der Zweck heiligt die Mittel – zumindest agiert Frau Sonne und ihre Komplizen so. Das nicht jede Hilfe gern angenommen oder gar hilfreich ist… das zeigt die Geschichte. Dorle wird gründlich aus ihrer Komfortzone geworfen, und muss aus ihrem Kellerloch raus und die Wohnung von Frau Sonne hüten. In der Geschichte steckt eine Anleitung, wie man jemandem aus einer Depression helfen kann. Ich sage bewußt: eine Anleitung. Nicht die! Es gibt kein Patentrezept. Und Dorle wehrt sich auch, sie will ja trotz allem Dorle bleiben. Das bedeutet, Frau Sonne hat immer wieder Aufgaben für Dorle, und sie entwickelt sich. Sie treckt einen Fühler aus ihrem Schneckenhaus, dann zwei. Dann scheitert sie, zieht sich wieder zurück, um es erneut zu versuchen und langsam verändert sich ihr Leben. Und ihre Beziehungen zu den anderen Bewohnern, zu ihrem Freund, zu sich selbst. Es ist eine ganz zauberhafte Geschichte, ich musste dabei lächeln und mit Dorle mitfiebern, und ich hab ihre Wut verstanden und die schüchternen Schmetterlinge, und ich hätte gern Frau Sonne angebrüllt: „Sowas kannst du doch nicht machen, mit der armen Dorle, ach und Danke, war wohl doch nötig.“

Ich mag an der Geschichte, dass die schwere Vergangenheit von Dorle keine große Rolle spielt, weil sie im Hier und Jetzt ist und von diesem Punkt los laufen muss. Ich mag, wie sehr sich Frau Sonne einsetzt, auch wenn sie manchmal übers Ziel hinaus schießt. Und ich mag, dass Dorle sich selber treu bleibt, während sie den Aufstand probt, und lernt wie man Wut ausdrückt und auf andere zugeht, und Freundlichkeit annimmt, wenn sie einem denn widerfährt. Ich sag´s ja: eine Perle. ❤
Profile Image for Nadine ♥.
288 reviews19 followers
November 17, 2015
Mein Fazit:

Ein toller Roman, magisch, süß und gut geschrieben. Wer sich auf Dorles Märchen einlässt wird ein paar tolle Lesestunden erleben.

***

Inhalt:

Dorle lebt im Souterrain eines herrschaftlichen Hauses, in dem sonst nur wohlhabende, knarzige alte Leute wohnen. In Heimarbeit steckt sie für eine Kronleuchtermanufaktur Kristalle zusammen. Und sie lässt sich von ihren Nachbarn als Concierge missbrauchen, obwohl sie gar nicht die Concierge ist.
Doch Dorle ist genügsam und zufrieden mit ihrem Leben. Ganz im Gegensatz zu Annegret Sonne, vierundachtzig und voller Lebenslust. Als Frau Sonne sich zu einer dreimonatigen Reise aufmacht, bittet sie Dorle, ihre Wohnung zu hüten. Schnell wird klar, dass es sich hier nicht um eine gewöhnliche Wohnung handelt. Sie hat angeblich eine Aura, es lebt ein Kater darin, der Dinge kann, die normale Kater nicht können und per Fax treffen Aufgaben für Dorle ein, die sie an den Rand des Wahnsinns bringen. Sie muss zum Sport, zu jemandem unfreundlich sein und kochen. Sogar Dates hat sie plötzlich. Gut, die Männer sind alle über achtzig, aber sie verstehen etwas von der Liebe. So hat Joe, Dorles einziger Freund, alle Hände voll zu tun, um im Rennen zu bleiben.

PS: Wurde Henriette Schräubchen schon erwähnt? Nur so viel: Sie hat rosa Haare, kann Gedanken lesen und spielt eine nicht unwesentliche Rolle in dieser Geschichte... (Klappentext)

Meine Meinung:

Ach Dorle, von Anfang an will man immer wieder sagen "Ach Dorle". Dorle lebt in ihrer kleinen Welt und will auf gar keinen Fall Bekanntschaft machen mit der großen weiten Welt. Sie lässt sich lieber herum schubsen, bevor sie irgendetwas sagt. Und immer wieder dachte ich "Ach Dorle, lass die doch nicht so mit dir umspringen"!

Und dann kommt Frau Sonne! Und die Geschichte nimmt ihren Lauf...

In mir ging eine Sonne auf, als Dorle anfängt zu leben, es war einfach toll zu lesen. Ich hatte selbst so Lust auf eine Massage, wollte plötzlich wieder zum Sport gehen, Pralinen essen.... Ich habe Dorle quasi angefeuert, aus ihrem Schneckenhaus heraus zu kriechen!

Ein toller Aspekt des Buches sind die vereinzelten Briefe der Autorin an den Leser.

Ebenfalls angetan war ich von der zarten und dezenten "Magie" der Geschichte. Dann nicht alle ist wie es scheint: Ein Kater ist nicht nur ein Kater und Glück ist nicht einfach nur Glück!

Die Geschichte erinnert ein wenig an ein modernes Märchen. Aschenputtel muss hinaus in die Welt. Zu Unterstützung gibt es den Prinzen, die alte Dame und selbstverständlich tierische Hilfe.

Es gibt so einige tolle Charaktere in dieser Geschichte. Um ein paar zu nennen: Bruno, Kasimir, Frau Schräubchen oder Dorle selbst. Doch mein heimlicher Favorit: Gangster - der Kater.

Sobald ich mich in die Geschichte eingefunden hatte, war das lesen super einfach. Dorles Gedankenwelt ist gespickt von Wortwitz und charmanter Unwissenheit. So muss ein Roman geschrieben sein, denn trotz der süßen Worte war das Buch literarisch in keinster Weise magelhaft.

Das letzte Kapitel hat mich noch einmal vollends von diesem Buch überzeugt. Eine wundervolle Erzählung zur Selbstfindung der kleinen Dorle.
Profile Image for Labyrinth.
336 reviews8 followers
August 8, 2018
Dorle lebt in einer Kellerwohnung, die Wohnungen über ihr sind von älteren Menschen bewohnt, die Dorle immer wieder und ganz selbstverständlich für ihre Dienste einspannen. Auch wenn sie Frust ablassen wollen oder aus purer Langeweile ein paar Gemeinheiten loswerden müssen, wenden sie sich an Dorle, die alles mit sich gefallen lässt und nicht daran denkt, ihre Situation zu verändern.

Als Dorle von Frau Sonne beauftragt wird, deren Wohnung zu hüten und ein paar Aufgaben zu erledigen, lehnt Dorle selbstverständlich nicht ab, auch wenn manches ihr etwas komisch erscheint. Erst nach und nach merkt Dorle, dass sie nicht für Frau Sonne arbeitet, sondern an sich selbst und an ihrem Glück, das sie in teuren Restaurants, Massagesalons, dicken Teppichen und bezahlter Begleitung findet.

Das ist auch schon meine erste Kritik, dieser Luxus, den Dorle sich mit ihrer Heimarbeit nie wird leisten können und der in diesem Buch als eine der Haupttherapien für Glück angepriesen wird. Darauf hätte ich verzichten können. Glück durch Konsum und Glück durch Geld gaukelt die Werbung uns täglich vor, das kennt die Menschheit. Billigere Glücksmomente hätten mir besser gefallen. Natürlich ist ihr plötzlicher Reichtum spektakulär, ihr Fall später, wenn sie wieder mit ihrem eigenen Gehalt klarkommen muss, wird umso tiefer sein.

Aber darauf geht das Buch nicht ein. Wie in Weihnachtsbüchern oder Märchenbüchern werden aus grantigen alten Einzelgänger Freunde, Dorles Probleme, die sie seit ihrer Kindheit mit sich schleppt, werden in Kürze gelöst ganz ohne Probleme, ganz ohne Therapie. Ich mag diese Art Bücher nicht. Sie sind unrealistisch und vorhersehbar.

Gut gefallen haben mir die Emotionen, die Dorle durchläuft. Sie werden intensiv und glaubhaft beschrieben. Dorles Gefühle, ihre Trauer, ihre Wut, ihr Zorn und ihre Liebe wird niemanden kalt lassen. Auch die verschiedenen Personen ihrer Umgebung, die einsamen und traurigen Alten, die fiesen Klatschbasen und nörgelnde Nachbarn werden wunderbar beschrieben. Allerdings fand ich den Schreibstil als etwas anstrengend zu lesen, weil ich immer konzentriert lesen musste, um nicht zu verpassen, wer was sagte. Manches musste ich ein zweites Mal lesen, was den Lesefluss störte.

"Die erstaunliche Wirkung von Glück" ist ein Buch von dem man sich verzaubern lassen sollte, ohne nach zu denken und ohne zu analysieren. Empfehlen kann ich es jedem, der diese Art von Büchern mag.
171 reviews1 follower
February 17, 2023
Schwieriger Schreibstil, man kommt gut in die Geschichte rein, aber die Beschreibung von Personen und Orten ist nicht unterhaltsam.
Profile Image for Diana.
7 reviews
November 17, 2015
Inhalt:
In einer kleinen Kellerwohnung eines alten, prunkvollen Berliner Hauses lebt die 24-Jährige Dorle, welche in Heimarbeit Kristalle für eine Kronleuchtermanufaktur zusammensteckt. Die stille, zurückgezogene Frau, die selten das Haus verlässt, hat bis auf ihren Freund Joe keine sozialen Kontakte und die betagten, wohlhabenden Hausbewohner sehen in ihr nur die unbezahlte Concierge.

Doch dann tritt die 84-Jährige Annegret Sonne in ihr Leben und beschließt es ordentlich auf den Kopf zu stellen. Die lebenslustige, stylische alte Dame bewohnt eine große Wohnung in der 5. Etage des Hauses, bekommt häufig Besuch von Henriette Schräubchen, welche nicht nur rosafarbene Haare hat, sondern auch noch Gedanken lesen kann.

Eines Tages bekommt die junge Dorle ein lukratives Angebot: 2.000€ dafür, dass sie mit einem schwarzen Kater drei Monate lang Annegret's Wohnung hütet, während diese verreist. Die einzige Bedingung: Dorle muss Aufgaben erledigen, die regelmäßig per Fax hereinflattern.
Beispielsweise soll sie für ein Seniorenheim einen Hefezopf backen, dem Metzger, der ihr immer in den Ausschnitt starrt eine Lektion erteilen, einen Fitnesskurs belegen und vieles mehr. Dabei trifft sie auf andere Menschen, sammelt tolle Erfahrungen, kommt mehr aus sich heraus.

Welche Menschen sie in dem Laufe der drei Monate kennenlernt, ob sich Dorle durch die Aufgaben positiv verändern kann und was es mit Frau Sonne und Frau Schräubchen auf sich hat, müsst ihr selbst herausfinden.

Eigene Meinung:
Zugegebenermaßen war ich nach den ersten Zeilen etwas enttäuscht, da ich innerlich etwas anderes erwartet hatte. Die vielen malerischen Beschreibungen sowie die vielen französischen Begriffe waren für mich sehr ungewohnt, so dass ich mich vorerst langsam an den Schreibstil der Autorin herantasten musste.

Nach einigen Seiten hat mich der Roman dann doch überzeugen können. Ich gewöhnte mich schnell an die stilistischen Mittel der Autorin und wurde neugierig. Mir schossen unzählige Fragen durch den Kopf. „Gibt es Frau Schräubchen wirklich oder leidet Dorle an Schizophrenie?“ und „Wohin verreist Frau Sonne? Ist sie sterbenskrank und fährt in ein Hospiz?“ „Oder handelt es sich alles nur um eine von Dorle ausgesponnene Traumwelt?"
Manches war für mich völlig absurd, was meine Gedanken diesbezüglich verstärkten.
Da ich ein Mensch bin, der sich sehr schnell alles schnell bildlich vorstellt, hatte ich die meisten Charaktere, wie Dorle, Joe, Frau Sonne und Frau Schräubchen, immer geistig vor meinen Augen und mich schnell an die Protagonisten gewöhnt. Nicht jedes Buch schafft es, mir Charaktere zu bieten, die ich symphatisch finde und mit denen ich schnell warm werde. „Die erstaunliche Wirkung von Glück“ hat es geschafft – und das ist ein dicker Pluspunkt.

Als Leserin konnte ich schnell herauslesen, dass die Hauptprotagonistin Dorle eine Frau ist, welche sich gerne zurückzieht und ihre Routine im Alltag beibehalten möchte oder einfach Angst vor Veränderungen in ihrem Leben hat. Sie ist eine stille, zurückhaltende Person, welche die Gesellschaft fremder Menschen vorallem aus Angst und Unsicherheit meidet. So traut sie sich beispielsweise nach einem Fitnesskurs nicht in die Gemeinschaftsdusche und steht alleine in der Umkleide, während sich die anderen Kursteilnehmerinnen unter der Dusche fröhlich unterhalten. Da habe ich – als Leserin und Sozialphobikerin, direkt hineininterpretiert, dass sie sich schon gerne wünscht, dazuzugehören und nicht völlig an sozialen Kontakten abgeneigt ist, was auch ihre sonderbare Beziehung zu ihrem Freund „Joe“ beweist. Eine Beziehung, die ohne Küssen und körperliche Nähe auskommen muss, da Dorle mit menschlicher Nähe nicht so richtig umgehen kann. Und auch wenn Joe mit seiner hippeligen, aktiven Art das volle Gegenteil zur stillen Dorle ist, geht er ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf. Wenn es ein Wort gibt, welches die junge Frau nicht aussprechen kann, dann ist es das kurze Wörtchen "Nein". Ihre wohlhabenden, alten Nachbarn stört das jedenfalls nicht, diese behandeln sie glatt als Concierge.

Innerhalb der 320 Seiten habe ich mich einige Male gefühlt, als hätte man mir einen Spiegel vor Augen gehalten. Soziale Ängste sind für mich leider kein Fremdwort und es gab in den letzen Jahren viel zu oft Tage, an denen ich nicht einen Fuß vor die Tür setzte und bis auf meinen Freund keine sozialen Kontakte pflegte. Vielleicht konnte ich mich daher so gut in Dorle hineinversetzen?

Weshalb sich Dorle mit sozialen Kontakten, menschlicher Nähe und Widerworten so schwer tut, kann man im Laufe der Geschichte immer wieder kurz herauslesen. So erfährt man beispielsweise von einem Aufenthalt in einem Kinderheim und ihrem ohrfeigenden Vater. An dieser Stelle hätte ich allerdings gerne mehr aus Dorle's Vergangenheit erfahren.

Fazit:
Hat man sich erstmal an den Schreibstil der Autorin herangetastet, hat man eine wundervoll überraschende Geschichte vorliegen, in der auch der Humor keinesfalls zu kurz kommt.
Profile Image for Sabine.
771 reviews20 followers
November 15, 2015
Es war vor allem das schöne Cover, das mich angesprochen hat, aber auch der Klappentext klang interessant – nur leider hatte ich ganz andere Erwartungen und die wurden nicht ganz erfüllt.
Dabei beginnt die Geschichte interessant und man lernt direkt Dorle mit ihrer ganz eigenen Weltanschauung kennen, ihren Ecken und Kanten, die sie aber liebenswert und sehr sympathisch machen. Und man bekommt auch schon einen Einblick in die illustre Runde der Mitbewohner, die es nicht lassen können, Dorle als Concièrge zu betrachten und sie immer wieder mit kleinen – oder auch größeren – Arbeiten beauftragen.
Die Charaktere sind wirklich alles andere als stereotyp, außer Dorle und Joe, in den sie heimlich verliebt ist, scheinen alle jenseits der 70 zu sein, mit Ecken und Kanten, aber auch sehr einprägsamen, zum Teil auch komischen Merkmalen. Ich denke da zum Beispiel an Frau Sonne, die an die Effizienz einer Klangschalentherapie für ihre Pflanzen glaubt, an Frau Schräubchen mit ihren rosa Haaren, an Frau Bock, die sich heimlich als Concièrge ausgibt und giftige kleine Botschaften hinterlässt oder Herrn von Strottow, der sich auch in hohem Alter noch einmal verliebt. Und obwohl die Charaktere alle liebevoll gestaltet sind mit ihren wirklich liebenswerten Eigenschaften und ich oft auch schmunzeln musste, bei dem, was sie tun oder eben auch nicht tun, sind sie mir irgendwie nicht ans Herz gewachsen. Auch Dorle ist mir zwar sympathisch, verstehen oder mich gar in die hineinversetzen konnte ich mich aber nicht.
Erzählt wird die Geschichte von einem allwissenden Erzähler, der Schreibstil ist ein wenig verspielt, dabei aber gut und flüssig lesbar. Manchmal verliert sich die Autorin in längeren Beschreibungen – entweder von Dingen oder auch von nebensächlichen Handlungen -, dabei wirken diese aber immer sehr charmant und liebevoll eben durch den verträumten Schreibstil.
Die Geschichte selber ist ganz anders, als ich erwartet hatte und vielleicht ist auch das der Grund, warum der Funke bei mir nicht rüber springen wollte. Ich hatte mir vorgestellt, dass Frau Sonne, die sich ja zum Ziel gemacht hat, Dorle zu zeigen, wie lebendig und vielseitig das Leben ist, präsenter ist und damit pfiffige Dialoge zwischen ihr und Dorle entstehen, nicht aber, dass sie wegen einer Reise von der Bildfläche verschwindet und ihre Anweisung per Faxgerät versendet. Das wäre ja vielleicht nicht so schlimm gewesen, wenn mich die Dinge, die Dorle dann erledigen muss, mehr hätten begeistern können – die fand ich aber leider nicht sehr überzeugend und haben mich zum Teil auch gelangweilt.
Gefallen hat mir aber die zarte Liebesgeschichte, die zwar unterschwellig immer da ist, aber nie überhandnimmt und mich eben durch ihre Zerbrechlichkeit und Zartheit sehr berührt hat.
Insgesamt konnte mich das Buch leider nicht überzeugen, nicht, weil das Buch schlecht ist, sondern weil ich andere Erwartungen hatte und der Funke leider nicht auf mich übergesprungen ist. Ich gebe dem Buch daher knappe 3 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Interessante und liebevoll gestaltete Charaktere die wirklich alles andere als stereotyp sind, ein erfrischender, wenn auch verspielter Schreibstil und eine Geschichte, die überraschend und unerwartet ist – mich konnte das Buch leider trotzdem nicht überzeugen, weil einfach nicht der Funke überspringen wollte. Ich denke aber, dass es viele Leser geben wird, die das Buch überzeugen kann – von mir gibt es leider nur knappe 3 von 5 Sternen.
Profile Image for Eszter.
171 reviews6 followers
November 6, 2015
Als ich begann das Buch zu lesen, empfand ich es als langweilig. Der Hauptcharakter: Langweilig und fad. Nebencharaktere: Spannender, aber über sie wird wenig berichtet. Schreibstil? Fad.
Allerdings hat sich das Blatt bald gewendet. Das Buch wurde besser, es kam Abwechslung hinzu, der Charakter durchzog eine Wandlung. Die Wandlung, die man nicht unbedingt erwartet hätte.
Später war der weitere Handlungsverlauf aber entweder vorhersehbar oder zu surreal. Trotzdem hat es gefesselt, allerdings zu spät und nur, wenn man den Mut hat, weiterzulesen.
Autorenkommentare ergänzen das Buch schön und regen an, weiterzulesen.
Insgesamt hat mir das Buch gefallen, umgehauen hat es mich allerdings nicht, deshalb nur drei Sterne.
Profile Image for Nadja Maria 🌞🐶.
61 reviews
September 13, 2016
Bis auf die von der Autorin eingeworfenen Mitteilungen á la "Falls die doofen Leser den Inhalt bis hier nicht verstanden haben" ein ganz tolles Buch, auch wenn Dorle schon manchmal nervig ist
Profile Image for Gesine.
183 reviews221 followers
April 4, 2017
Ich habe drei Monate gebraucht um dieses Buch zu beenden. Das lag wahrscheinlich daran, dass ich nur sehr schwer in die Geschichte von Dorle hineingekommen bin. Der Schreibstil hat es mir zusätzlich schwerer gemacht.
2.5/3 Sterne, da es am Ende besser wurde und ich mich langsam in Dorle hineinversetzen konnte (was zum Großteil nicht der Fall war).
Trotzdem hat die Geschichte manchmal mein Herz erwärmt und das Ende hätte nicht besser seien können.
Displaying 1 - 13 of 13 reviews

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