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Der europäische Bildungskanon

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Manfred Fuhrmann, ein Gelehrter, der sich mit der Antike und deren Bedeutung für Europa beschäftigt hat, untersucht den Kanon, an dem sich die Kulturträger in den jüngsten Epochen der europäischen Geschichte - von der Aufklärung bis zu den beiden Weltkriegen - orientiert haben. Dabei gilt: Die Bürger Europas verbindet mehr, als sie trennt. Seit Europa als ein einheitlicher Kulturraum zu existieren begann, seit der Zeit der Völkerwanderung, war die Kommunikation zwischen den Regionen stets rege: Jede wichtige Neuerung auf geistigem, künstlerischem, wissenschaftlichem oder technischem Gebiet setzte sich mit geringer Verzögerung in ganz Europa durch. Innerhalb der führenden Schichten blieben die Unterschiede gering. Dies gilt selbst für jene Zeiten, in denen nationalistische Ideologien das politische und kulturelle Handeln bestimmten.
Die Begriffe "Europa", "Bildung" und "Kanon", die Manfred Fuhrmann anschaulich beschreibt und definiert, sind eng miteinander verbunden. Das Fundament derAntike hat Europa seit der Renaissance entscheidende Anstöße gegeben und sein Selbstverständnis bestimmt, über alle Grenzen hinweg. Daraus erwuchs als wichtigste Institution der bürgerlichen Bildung das humanistische Gymnasium. Daneben aber hatte als zweite Institution der absolutistische Hof gestanden, an dem sich eine bürgerliche Ästhetik herausbildete.
Theater, Konzertwesen und Museum sind die grundlegenden bürgerlichen Einrichtungen, neben der Enzyklopädie und der Bildungsreise. Sie alle vermitteln die Kenntnisse, die zur geistigen Entwicklung eines Kontinents erforderlich waren: Philosophie, Geschichte und Literatur, bildende Kunst und Musik, Mathematik und Naturwissenschaften.
Der gemeinsame "europäische Bildungskanon" prägt auch heute noch, trotz aller Wissensverluste und Widerstände und mehr als die europäische Wirtschafts- und Währungsunion, unsere Kultur.

265 pages, Hardcover

First published January 1, 1999

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About the author

Manfred Fuhrmann

74 books1 follower
Manfred Fuhrmann war ein deutscher Altphilologe.

Manfred Fuhrmann was a professor classical Latin philology. He translated a huge number of classical Latin and ancient Greek works in German.

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Profile Image for Silvia.
68 reviews2 followers
July 13, 2018
"Die nivellierte Massengesellschaft der Gegenwart hat das Bürgertum in sich aufgesogen und zum Verschwinden gebracht, und mit ihm dessen vornehmstes Charakteristikum, die Bildung, den Bildungskanon im Sinne einer enzyklopädischen Überschau über das Ganze der Kultur. Nach diesem Kanon als Zugehörigkeitsbeweis zu einer Gruppe wurde immer weniger und schließlich fast überhaupt nicht mehr verlangt, da das soziale Bezugssystem dahinschmolz, und demzufolge schwand auch die Nachfrage nach dem Schultyp, der den Kanon vermittelt hatte: dem humanistischen Gymnasium." (S. 206)

"Das öffentliche Gespräch über Bildung pflegt der Inhalte zu ermangeln, weil diese der europäischen Tradition entstammen und diese Tradition ihre normative Kraft eingebüßt hat. Da sowohl die Lehren der christlichen Religion als auch die von der humanistischen Schulbildung übermittelten paradigmatischen Figuren und Situationen keine Geltung mehr haben, sieht sich ein großer Teil der heutigen Öffentlichkeit einem Vakuum gegenüber, der er nicht anders als mit abstrakten Formeln zu füllen vermag. Es ist auf einmal, als ob Europa keine Geschichte hätte, als ob es mittellos und ohne Erbe dastünde und den heranwachsenden Generationen keine Erfahrungen, keine Modelle, keine Maximen auf den Lebensweg mitzugeben vermöchte. Die alte Bildung, die Bildung zum Menschen, zur Person als dem Maß aller Dinge scheint nicht mehr zu existieren, und so bleibt nichts als die Zuflucht zu vagen Allgemeinheiten, in beliebige Räume und in eine unbestimmte Zukunft. [...] Das Bildungssurrogat der Kompetenzen ist der adäquate Ausdruck verbreiteter Hilflosigkeit gegenüber jedweder Tradition." (S. 227)
Profile Image for Florian Lorenzen.
170 reviews192 followers
November 14, 2022
Manfred Fuhrmanns nostalgischer Rückblick auf das humanistische Zeitalter zeigt eine verloren gegangene Welt, in der noch Latein und Altgriechisch, die antiken Klassikern wie Platon und Senca und die Werke von Ariosto und Cervantes den Schulunterricht dominierten und nicht Informatik, Wirtschaft und andere berufsrelevante Inhalte. Sein Plädoyer für ein humanistisches Bildungsideal, welches sich nicht ausschließlich nach Nützlichkeitskriterien orientiert, bleibt wichtig

Vollständige Review hier: https://www.instagram.com/p/CU7vQCEjKK2
Profile Image for Christian.
631 reviews42 followers
March 18, 2016
Unterhaltsamer Überblick über die Teilgebiete dessen, was die Bildung des Bürgers im 19. Jahrhundert ausmacht. Anstatt sich an divergierenden Bildungsbegriffen aufzuhängen, gelingt es dem Autor einen nachvollziehbaren Einblick zu geben, der vom Leser im Übrigen selber in alle Richtungen vertieft werden muss, was hier natürlich nicht geleistet werden konnte.
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