Der Roman "Gräfin Faustine" erzählt die Geschichte seiner gleichnamigen Protagonistin in der Sphäre des Dresdener Adels im frühen 19. Jahrhundert.
Faustine zeichnet sich durch eine, für eine Frau ihrer Zeit, ungewöhnliche Lebensführung aus: Sie ist früh Witwe geworden, lebt in einer unehelichen und freien Beziehung und hat eine nahezu pathologische Abneigung gegen Ehe. Zu ihrem ungewöhnlichen Lebensstil gehört auch ihr Selbstverständnis als Künstlerin.
Nicht minder außergewöhnlich sind ihre Standpunkte in Geschlechterfragen: Salonklatsch interessiert sie nicht, sie möchte tiefsinnig mit einem Mann reden können; zeitgenössische Ansichten über eine naturgegebene geistige Unterlegenheit der Frau weist sie entschieden zurück; an der machtlosen Position der Frau in der Konvenienzehe übt sie starke Kritik.
Gefährdet wird Faustines emanzipiertes Leben aber dann, als sie sich in den charismatischen Graf Mengen verliebt und der auf Heirat pocht...
Auch wenn der Roman durchaus einige schleppende Längen hat, ist er ein interessanter literarischer Beitrag zur Emanzipationsgeschichte und zu Unrecht in Vergessenheit geraten.