Wow, an Peinlichkeit schwer zu überbieten. Die Ossis kurz nach der Wende werden hier in so einer Art Panoptikum vorgeführt, immer wieder wird Mundart eingesetzt, um - ja, warum eigentlich? - diese Distanz zu illustrieren, in der sich die gnädigerweise ihrem Mann hinterher gezogene Frau Luise Hitzig zu den neuen Nachbarn und Mitmenschen befindet. Sie sind in Polyester und grelle Farben oder Jogginghosen und Gesundheitslatschen gekleidet - jedenfalls immer unpassend, liest man zwischen den Zeilen. Der Tisch ist nicht gastfreundlich gedeckt, sondern mit einer lila Lacktischdecke ... Diese Despektierlichkeit ist so albern, während sie sich im Gegensatz dazu als die anpackende, mit allen Unbill des Umzugs in die unbekannte Gegend humorvoll fertig werdende Göttergattin porträtiert... Nach Wochen kommt ihr zum ersten Mal die Formulierung "waren bei der Firma" unter, und muss da nachfragen, was gemeint ist ... So als würde man nach 3 Wochen in England fragen, warum alle auf der falschen Seite Auto fahren. Es ist OK geschrieben, und die Beobachtungen mögen zutreffend sein - ich es mir jedenfalls vieles davon sehr gut vorstellen. Aber die Art und Weise des Textes stellt imo v.a. die Autorin bloß, als einen Ignoranten, hart um sich selbst kreisenden Menschen, der nicht im Stande ist, sich in fremde Realitäten reinzudenken.