“Und wir beide bilden dann ein Triumvirat.“
So flüstert’s der machthungrige Centurio Gaius Bonus seinem Untergebenen Marcus Ecus zu, und man merkt, daß er wohl kaum Gaius Mathematicus hätte heißen können, denn wenn es zwei Männer gibt, die zusammen ein Triumvirat bilden könnten, dann sind dies Asterix, der Gallier, und sein Freund Obelix – oder vielleicht doch besser der Szenarist René Goscinny und der Zeichner Albert Uderzo, denen wir Asterix und Obelix zu verdanken haben.
Mit Asterix, der Gallier beginnt die Serie der albenfüllenden Abenteuer der beiden Freunde, die in einem kleinen gallischen Dorf in der Bretagne leben, das sich im Jahre 50 v. Chr. unbeugsam gegen die Herrschaft der Römer zur Wehr setzt und die bis heute immer wieder ihre treue Fangemeinde mit neuen Heldentaten erfreuen. Selbstredend sind Asterix und Obelix auch ein Teil meiner Kindheit gewesen, wenn ich auch immer Lucky Luke den Vorzug gegeben habe, und da meine Tochter aufgrund einer Erkrankung ihres Geschichtslehrers in den letzten Wochen die Geschichtsstunden mit dem Schauen von Asterixfilmen verbracht hat, nahm ich dies zum Anlaß, die alten Hefte mit ihr (neu) zu entdecken. In diesem ersten Band ist einerseits vieles schon ausgereift, was später für die Reihe so bezeichnend werden sollte, doch andererseits gibt es auch noch Unterschiede, vor allem, was den Zeichenstil und die Figuren betrifft. Auffällig ist beispielsweise, daß das Dorf der Gallier nur über männliche Bewohner zu verfügen scheint und daß auch viele der anderen Nebenfiguren – wie etwa Verleihnix oder Methusalix – noch nicht auftauchen. Auch Idefix wird erst später zu den beiden Freunden dazustoßen, nämlich im fünften Band, Tour de France. Wo wir gerade von den Bänden sprechen, neu für mich war auch, daß die Numerierung der Bände 2 bis 7 in Deutschland von der des französischen Originals abweicht, was vielleicht interessant für diejenigen sein dürfte, die die Abenteuer des listigen Galliers in der originalen Reihenfolge lesen möchten.
In Asterix, der Gallier werden wir zunächst einmal in das Dorfleben der Gallier eingeführt und lernen dann ihr großes Geheimnis, den übermenschliche Kräfte verleihenden Zaubertrank, kennen. Letzteres verbindet uns mit den Römern, die einen unfreiwilligen Spion, den Legionär Caligula Minus, losschicken, um zu ergründen, was den Galliern ihre Unbesiegbarkeit verleiht. Schnell kommt Caligula hinter den Ursprung der Kraftquelle, und bald haben die Römer denn auch den Druiden Miraculix entführt, den sie zwingen wollen, ihnen einen Kessel Zaubertrank zu brauen. Doch sie haben nicht die Rechnung mit Asterix gemacht, der sich, allerdings ohne Obelix – auch der Status von Obelix als einer besseren Nebenfigur ist noch ein Charakteristikum des ersten Bandes –, aufmacht, den Druiden aus den Händen der Römer zu befreien, denen Miraculix inzwischen manches Haar in die Suppe geworfen hat.
Alles in allem erzählt Asterix, der Gallier bereits ein sehr unterhaltsames und witziges Abenteuer, auch wenn wir in der zweiten Hälfte der Geschichte ohne Obelix auskommen müssen und das Ende mit dem plötzlich als deus ex machina auftauchendem Cäsar ein wenig unbefriedigend wirkt. Mir hat es trotz allem jedenfalls wieder großen Spaß gemacht, in die Tage meiner Kindheit einzutauchen.