Andreas Englisch über den mutigen Kampf des Papstes
»Spiritueller Alzheimer« – diese Diagnose hat zweifellos das Zeug dazu, in die Kirchengeschichte einzugehen. Dass es ein Papst ist, der seiner Kurie diese Form der Demenz attestierte, hat selbst den Kenner des Kirchenstaats Andreas Englisch überrascht. Mit der Weihnachtsansprache 2014 eröffnete Papst Franziskus den Kampf gegen den Teil der Kurie, der ihn seit seiner Wahl mit Spott, Verachtung und arroganter Ablehnung überzieht. Er seinerseits zeiht seine Widersacher des Hochmuts, der Verschwendung und der Niedertracht, nennt sie einen Haufen gottloser Bürokraten, die nur auf Machterhalt aus sind, und wirft ihnen vor, Christus vergessen zu haben und in spiritueller Leere zu leben.
Nicht nur die Kardinäle halten den Atem an, die Welt horcht auf. Was hat diese Attacke zu bedeuten? Was gab den Anstoß, und wie wird die Kurie reagieren? Wie ist der Einfluss von Gegnern und Unterstützern des Franziskus-Kurses einzuschätzen? Andreas Englisch analysiert die Lage im Machtzentrum der katholischen Kirche. Eines wird klar: Es geht nicht um vatikaninterne Geplänkel. Franziskus hat den Kampf eröffnet. Und der Ausgang ist völlig offen. Dieses Buch ist explosiv wie die Lage im Vatikan, spannend wie ein Thriller und basiert auf Informationen, über die nur ein intimer Kenner wie Andreas Englisch verfügt.
Andreas Englisch lebt seit drei Jahrzehnten in Rom und gilt als einer der bestinformierten Journalisten im Vatikan. Er ist ein gefragter Talkshowgast und Interviewpartner, seine Bücher werden in zahlreiche Sprachen übersetzt und sind Bestseller, darunter »Franziskus – Zeichen der Hoffnung« (2013), »Der Kämpfer im Vatikan – Papst Franziskus und sein mutiger Weg« (2015) sowie die Bildbiografie »Franziskus« (2016). Zuletzt begeisterte Andreas Englisch seine Leser mit dem Bestseller »Mein Rom. Die Geheimnisse der Ewigen Stadt« (2018).
Der Autor versucht sich in einer Würdigung des Handels von Papst Franziskus seit seinem Amtsantritt 2013 bis zum Jahr 2015. Er stellt diesen im Wesentlichen als Kampf eines einzelnen Außenseiters gegen das Bestehende im Vatikan, insbesondere die Kurie, und die Institutionen der kath. Kirche dar.
Dabei bedient er sich zweier Darstellungstechniken. Einerseits interpretiert und ordnet er allgemein Bekanntes ein. Andererseits berichtet er von persönlichen Anekdoten und eigener journalistischer Tätigkeit.
Der erste Ansatz misslingt. Der Autor stellt Franziskus maßgeblich in Abgrenzung zu Johannes Paul II. und Benedikt XVI. dar. Hierbei interpretiert er alles stets mit Zuneigung zu Johannes Paul II. und mit Abneigung zu Benedikt XVI. Insgesamt entsteht so ein sehr subjektives Bild, das in seiner nahezu immer bestehenden Eindeutigkeit unglaubwürdig wirkt. Zu schnell und zu pauschal werden Schlüsse gezogen, zu klar ist die Bewertung des Wirkens der Päpste. Bei der Bewertung theologischer Überlegungen bleibt der Autor an der Oberfläche, er schließt sich allzu schnell der erwartbaren, einfachen aber ihm dienlichen Interpretation an. Teilweise sind seine Darstellungen theologisch nicht korrekt, ihm unterlaufen mitunter sogar logische Fehlschlüsse. Am Schluss wirkt es so, dass Franziskus mit seinem Werk 2015, also mit nur 2 Jahren Arbeit, bereits den Job erledigt hat, der Vatikan nun ordentlich umgekrempelt ein besser Ort ist. Die letzte Frage sei, könne das erreichte Gute noch rückgängig gemacht werden durch böse Kräfte? Offen bleibt, was der Papst nunmehr seit 7 Jahren weiter tut?
Der zweite Ansatz hingegen überzeugt größtenteils. Es ist interessant, weniger oder gar nicht bekannte Einblicke hinter die Kulissen des Vatikans zu erhalten. Der Autor erzählt und verbindet sein Privatleben, seine journalistische Tätigkeit, interessante Kontakte, investigative Arbeit mit dem Wirken von Papst Franziskus. Lediglich auch hier irritiert erneut die zu eindeutige Bewertung des unterschiedlichen Handels der unterschiedlichen Päpste. Dieser Teil hätte für ein Buch gereicht und eine bessere Bewertung gerechtfertigt.
Abschließend: Mitunter sind selbst in der 5. Auflage noch Rechtschreibfehler oder Namen von Akteuren falsch. Das Buch besteht aus vielen, sehr kurzen Kapiteln. Die Aufteilung ergibt keinen Sinn. Vielmehr ist alles eine große, lange Erzählung mit gutem roten Faden und angenehmer Lesbarkeit.
Wie auch sein anderes "Franziskus Buch" gibt Andreas Englisch auch hier wieder, nicht nur interessante sondern auch tiefgreifende Einblicke in das Wesen des Vatikans. Er zeigt deutlich auf wie verzahnt verwoben verstrickt verdorben der Vatikan ist und wie Franziskus ist schafft diese Krusten aufzubrechen und das Wesen der Kirche, der katholischen Kirche wieder zum Ursprung zurück zu führen. Ich kann nur hoffen dass Papst Franziskus noch viel Zeit bleibt!
Hoffentlich gibt es in zwei Jahren wieder ein Franziskus-Buch von Andreas Englisch (1. Franziskus lebt noch, 2. Insider-Bericht über seine engagierte Arbeit, die Kirche christlicher zu machen) - ich werde alle lesen, die noch kommen!
Wer den Autor, Andreas Englisch, kennt, weiß dass er ganz toll, lebendig und spannend erzählen kann, aber man sagt ihm nach, dass er gerne zu Übertreibungen neigt. Insofern bin ich neugierig und kritisch an die Lektüre gegangen. Wenn man vielleicht mal von den Passagen über den Tod von Albino Luciani, Papst Johannes Paul I. absieht, war dieses Buch nicht nur sehr interessant und nicht reisserisch, sondern sehr informativ und spannend. Hoffentlich setzt sich Papst Franziskus auch weiterhin durch. Ich kann das Buch wirklich empfehlen.