Als der bayerische Märchenkönig Ludwig II. durch den Arzt Franz Carl Müller zufällig von dem delikaten Fall des Anastasius Rosenstengel erfährt, lässt ihn dessen eigentümliches Schicksal nicht mehr los. Er drängt den Mediziner, ihn in seine Recherchen einzuwei- hen, die Unglaubliches zutage fördern: Rosenstengel zog als Prophet umher, kämpfte als Musketier im Spanischen Erbfolgekrieg und heiratete mit kirchlichem Segen, um schließlich der Maskerade über- führt zu werden einer Maskerade, die alle Grenzen überschreitet. Denn Rosenstengel war in Wahrheit ein Weibsbild mit Namen Catharina Linck. Nachdem man auch noch eine »lederne Wurst« in ihrer Hose entdeckte, mit der sie die Ehe vollzogen und »unterschied- liche Wittwen caressiret« hatte, führte man sie 1721 dem Henker vor. Jedes Detail, das sich der faszinierte Monarch während nächtlicher Schlittenfahrten, in der Venusgrotte von Schloss Linderhof oder im tropischen Wintergarten der Münchner Residenz berichten lässt, bringt den jungen Arzt und den einsamen König einander näher, bald geraten beide in einen Strudel tiefer Verwirrung: Wo verläuft die Grenze zwischen wissenschaftlicher Leidenschaft und verbotenem Begehren, Täuschung und Wahrheit, Perversion und Normalität, Mann und Weib, König und Untertan? Die emotionale Verunsicherung steigert sich im Angesicht höfi scher Intrigen zur ernsthaften Gefahr, und Müller steht vor der Entscheidung, den König entmündigen zu lassen oder ihn vor den Verschwö- rern zu retten. Mal zärtlich, mal deftig entwirft Angela Steidele einen atemberaubenden historischen Briefroman über Trug, Wahn, Leidenschaft und Irrsinn. Und über die Frage, wie viel Liebe das Leben und wie viele Leben die Liebe fassen kann.
It did end as sad as it had to, in both timelines, but the author did an amazing job at mixing historical reality and fiction - and made it all the tiniest bit less sad. [Rtc]
Vor ein paar Wochen habe ich "In Männerkleidern" gelesen, die erstaunliche Biographie über Catharina Linck alias Anastasius Rosenstengel. Über besagten Rosenstengel hat Angela Steidele vor einigen Jahren bereits einen Roman geschrieben, den ich nun natürlich auch lesen wollte.
Es ist ein Briefroman, in dem der junge Irrenarzt F. C. Müller auf den Fall Rosenstengel stößt und fasziniert der ganzen Geschichte nachgeht. Über seine Recherchen beginnt er sich mit König Ludwig II. auszutauschen, worüber eine enge Freundschaft zwischen den beiden Männern entsteht.
Zu lesen sind zum einen die Briefe aus der Zeit Rosenstengels, von Personen, die ihn gekannt haben, und durch deren Augen man sein ereignisvolles Leben mitverfolgt; wie entdeckt wird, dass Rosenstengel in Wirklichkeit eine Frau ist, wie sie vor Gericht gebracht und schließlich hingerichtet wird.
Zum anderen sind es Briefe aus der Zeit Ludwigs II. Man erfährt von der wachsenden Freundschaft zwischen Arzt und König, welcher schon bald leidenschaftliche Gefühle für den neuen Freund entwickelt. Gleichzeitig wird man Zeuge eines Plans, den Bayernkönig zu entmachten, der schließlich zu dem mysteriösen Tod des Königs führen wird.
Geschickt verwebt Angela Steidele Zitate und Zeilen aus echten Briefen mit den fiktiven Korrespondenzen - worüber sie in der Quellenangabe natürlich aufklärt. So entwirft sie ein spannendes, aufschlussreiches und unterhaltsames Zeugnis zweier Menschen, die ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen und Träumen ausgerichtet haben, über die Normen und Konventionen ihrer Zeit hinweg. Anastasius Rosenstengel und König Ludwig II.
Ein wunderschönes, wunderbares Buch, das auf die Leseliste jedes mehr oder weniger Geschichtsbegeisterten gehört. Steidele hat die LGBTQ-Literatur um ein sehr aussergewöhnliches Werk bereichert. Wer sich also nicht abschrecken lässt von alten Sprachformen - die dem Lesefluss zugegebenermassen manchmal etwas hinderlich sind - der sollte es unbedingt mit "Rosenstengel" versuchen.
„Rosenstengel“ von Angela Steidele stellt eine Mischung aus historischem Roman und Sachbuch dar. Die Geschichte wird fast komplett in Form von Briefen erzählt, wobei sich zwei verschiedene Zeitstränge abwechseln. In den Briefwechseln zwischen 1711 und 1715 geht es um den historischen Fall der Catharina Linck alias Anastasius Rosenstengel. Rosenstengel kämpfte unter anderem im Spanischen Erbfolgekrieg, ließ sich mehrmals für unterschiedliche Religionszugehörigkeiten taufen und heiratete die Steiger-Tochter Susanna Mühlhahn. Für alle, die den historischen Fall nicht kennen, will ich an dieser Stelle gar nicht verraten, wie die Geschichte der beiden ausgeht. Der zweite Handlungsstrang spielt sich zwischen 1884 und 1886 ab. Im Mittelpunkt steht hier der Arzt Franz Carl Müller, der 150 Jahre später auf den Fall Rosenstengel stößt und sich darüber mit König Ludwig II austauscht. Unter anderem wegen ihrer gemeinsamen Faszination für den Fall kommen sich Müller und Ludwig II schnell näher, allerdings meint es das Schicksal bekanntlich nicht gut mit dem Märchenkönig.
Ich bin sehr froh, dass ich auf das Buch gestoßen bin. Die Erzählweise mit den Briefen und Tagebucheinträgen hat mir sehr gut gefallen, weil man dadurch als Leserin das Gefühl hat, ganz nah am Geschehen dran zu sein. Hilfreich fand ich auch, dass der Text unterschiedlich eingefärbt ist, je nachdem zu welcher Zeitschiene der jeweilige Brief gehört.
Eine kleine Warnung zum Schluss: In dem Buch werden teilweise detailliert psychiatrische „Behandlungsmethoden“ des 19. Jahrhunderts beschrieben, die nichts für schwache Nerven und Mägen sind.