Fantastisch wie immer war dieser zweite Teil des siebten Bandes der Sumpfloch-Reihe, und ich kann nun dieses 1000seitige Monsterwerk in seiner ganzen Pracht bewerten: mit 5 verdienten Sternen!
„Am Rand der Abendwelt“ und „Der Ruf der Morgenwelt“ funktionieren als Einheit, deshalb werde ich auch beide Teilbände hier gemeinsam bewerten. Vorweg: Morgenwelt, da sich in diesem zweiten und abschließendem Teil auch ein Großteil des Klimaxes ereignete, war actiongeladener und hat gleichzeitig auf mehrere Schwächen verzichtet, die ich an Abendwelt bemängeln musste.
Im siebten Teil der mittlerweile mehrere Tausend Seiten und viele Jahre überspannenden Sumpfloch-Saga (und ja, diesen Namen verdient sie nun spätestens mit dem siebten Teil) geht es um Leben und Tod, die Natur des Krieges und um verschiedenste machtpolitische Ziele, die die einzelnen Akteure verfolgen. Insofern ist die Handlung ernster geworden: die Feinde sind nicht einfach nur noch seelenlose Lieblose, die abzuschlachten wenig Gewissensbisse hervorruft (und welche kaum einen Einfluss auf die eigentliche Storyentwicklung hatten), sondern die Regierung Amuyletts, die nun endgültig ihre Fühler nach den Erdenkindern ausstreckt und diese mit aller Gewalt und über Leichen hinweg gewinnen will.
Mit den Feinden ist auch die Schwierigkeit gewachsen, mit der sich die Erdenkinder und co. gegen ihre Gegenspieler durchzusetzen versuchen. Die Situation ist gefährlich und scheinbar unausweichlich - die Spannung ist also an ihr bisher höchstes Niveau angewachsen.
Ohne spoilern zu wollen möchte ich jetzt auf die Stärken und Schwächen eingehen, die das Buch aufweist.
Eine große Stärke des siebten Bandes ist vor allem das weitere Wachstum der Sumpfloch-Reihe als Saga. Summer scheint sich immer mehr an ein ausladenderes Storytelling zu gewöhnen, und bietet somit beste Unterhaltung auf höchstem Spannungsniveau. Vor allem in der direkten Gegenüberstellung von Band 1 mit Band 7 wird deutlich, dass die Sumpfloch-Saga erwachsen geworden ist, und dass den „Ruf der Morgenwelt“ außer den Charakteren des gleichen Namens fast nichts mehr mit „Feenlicht und Krötenzauber“ verbindet. Das ist allerdings eine doppelseitige Medaille: Einerseits ist Band 7 zweifelsfrei sowohl schreibtechnisch als auch vom Gefühl und der Spannung her um Längen besser als der erste Band der Serie, der den Grundstein für die abenteuerliche Geschichte Amuyletts gebildet hat. Außerdem hat die Saga es geschafft, auch mit steigender Spannung ihren Charme nicht zu verlieren, und magische Momente und Wesen immer noch bei zu behalten. Allerdings ist das nicht gänzlich gelungen: In Band 7 ist der Leser nicht länger auf Entdeckungsreise durch eine traumhafte, ganz andere Welt, in der die wundersamsten Kreaturen und Erfindungen Platz finden. Während das Setting noch das gleiche ist, scheint die Welt in diesem Band kaum floriert zu sein. Die Magie musste Platz machen für den Plot, und das finde ich sehr schade, wenn auch verständlich.
Sehr viel Platz wurde außerdem für die nunmehr zahlreichen Liebesgeschichten geschaffen, die in diesem Band ein massives, unübersehbares Übergewicht hatten. Nicht, dass sich die Charaktere das nicht erkämpft und verdient hätten, aber dann hätten auch noch 100 Seiten für Setting Ausbau und den politischen Plot hinzugefügt werden können. Finde ich jedenfalls, denn schließlich lesen wir hier nicht „Vom Winde Verweht“ (Eins meiner absoluten Lieblingsbücher, aber ein ganz anderes Genre!). Auffällig ist diese mitunter starke Genrewandlung, die sich schleichend und zweifellos Fan-unterstützt ereignet hat, wohl vor allem bei dem fast schon irritierenden Kontrast, den erster und jüngster Band abgeben. Das Phänomen ist kein Einzelfall, und Sumpfloch kommt im Gegensatz zu Harry Potter - wo von Zauberei am Ende nur noch Kampfmagie und eine hastig daherpoetisierte „Liebes“-geschichte übrig blieb, und die Leser mit einem actionfilmartigen Showdown von diesem Verlust abgelenkt wurden - mit der Veränderung sehr gut weg.
Auffällig ist der Wandel trotzdem, und kommt wohl vor allem daher, dass die Autorin, möglicherweise nach dem ersten wirklich guten Genre(!)-Band (Band 4 – Mondpapier und Silberschwert. Darin hat Summer wohl erstmals ihre „Stimme“ richtig gefunden und von da an wuchs und wuchs der Erfolg.) den Mut und auch die Ambition gefasst haben muss, etwas Genre-Transzendierendes zu schreiben. Band 5 hat überraschend viele unerwartete Entwicklungen mit sich gebracht, und ein paar Regeln gebrochen, was sehr schön mit an zu sehen war. In Band 6, wenn ich Rücklickend darüber nachdenke, wurde der Faden scheinbar nur halb weitergesponnen – der Rest war dafür da, einen Endkampf mit ein paar dahergeflogenen Zwischenetappenfeinden zu veranstalten. Viel Tamtam, der im Endeffekt kaum noch wichtig war in Band 7 Teil 2. Natürlich habe ich keinen Autorenüberblick und möglicherweise erklärt sich dieser Umweg im 8ten Band noch mit mehr als nur der Notwendigkeit, Charaktere wie Scarlett durch Kampferfahrung zu stärken. Aber bei der Lektüre von Band 7 hat es mich sehr gestört, dass die Haupthandlung und deren Set-Up, die nun wohl den Weg zu Band 8 ebnen wird, zugunsten eines reinen Kampfes und dessen 700-seitiger Vorbereitung geopfert worden sein soll.
Hier noch technische Kritik:
Ein großes Problem, was Band 7 hatte, war die zweiteilige Natur des Werks. Auch wenn eine Halbierung aufgrund des Umfangs des Werkes notwendig war, um das Seitenlimit der Paperbackausgabe einzuhalten, war ich mit dieser Lösung nie wirklich zufrieden. Nicht etwa wegen dem unausweichlichen Cliffhanger, sondern weil ein einzelner Band ja keine zusammenhanglose Aneinanderreihung von Ereignissen, sondern ein zusammenhängender Komplex ist. Ich lese Bücher meist sehr schnell und kann mich oft an winzig kleine Einzelheiten weniger gut erinnern. Gleichzeitig habe ich im Moment so wenig Zeit, dass eine wiederholte Lektüre von 7.1 einfach nicht in Frage kam. Es sei denn, ich wollte mit 7.2 bis Ostern warten. Trotz der dadurch längeren Wartezeit wäre es mit viel lieber gewesen, wären 7.1 und 7.2 näher aneinander erschienen.
Die ganze Review klingt jetzt bei Weitem kritischer als sie ist. 5 Sterne ist die höchstmögliche Bewertung, aber neben himmelhochjauchzenden undifferenzierten Lobeshymnen, die zweifellos verdient sind, wollte ich meine einsamen und vermutlich von mir allein wahrgenommenen Kritikpunkte nicht verschweigen.
Vor allem eines sollte ich aber noch klarstellen: mit Band 7 hat die Sumpflochsaga sich mal wieder selbst übertroffen und es geschafft, einen neuen Schwerpunkt zu setzen, aber dabei gleichzeitig nicht die alten Werte aus den Augen zu verlieren. Wahrhaft meisterhaft.