Familie Quendel findet an Heiligabend einen jungen Hund, der ihnen plötzlich zugelaufen ist. Zunächst sind alle begeistert, doch bald zeigt der Hund unerklärliche, besonders nächtliche Eigenschaften. Es stellt sich heraus, dass mit dem Tier etwas nicht stimmt — etwas Mysteriöses und Unheimliches.
Der Mitternachtshund wirkte auf mich zunächst wie ein vielversprechender Fund: In einem öffentlichen Bücherschrank entdeckt, sollte es eigentlich ein kleines Weihnachtsgeschenk für meine Nichte werden. Der Klappentext klang nach einer winterlichen, vielleicht leicht mystischen Familiengeschichte rund um einen geheimnisvollen Hund. Zum Glück habe ich das Buch vorher selbst gelesen — denn was mich erwartete, war leider das Gegenteil einer stimmigen Kinder- oder Jugendgeschichte.
Zunächst fällt auf, dass Sprache und Grammatik stark in die Jahre gekommen sind. Nicht nur der Stil wirkt altmodisch, sondern auch das zugrunde liegende Familien- und Rollenbild. Weibliche Figuren sind auf traditionelle Rollen reduziert, und das Verhalten der Erwachsenen wirkt oft befremdlich und in Teilen pädagogisch fragwürdig.
Erstaunlich ist außerdem, wie wenig die Geschichte mit dem Klappentext zu tun hat. Obwohl das Buch weihnachtlich beginnt, spielt der Großteil der Handlung im Sommer, wodurch jede Erwartung an eine Winter- oder Weihnachtsgeschichte verpufft. Auch der titelgebende Hund rückt erstaunlich selten in den Fokus. Sein „Geheimnis“ besteht vor allem darin, dass er nachts laut ist — was nur die Eltern hören können. Die einzigen relevanten Ereignisse beziehen sich darauf, dass der Hund die Kinder im Sommer dazu animiert, „Jagen zu spielen“.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Handlung insgesamt unstrukturiert wirkt. Es gibt kaum eine erkennbare Entwicklung — weder bei den Figuren noch beim Plot. Ereignisse scheinen eher zufällig aneinandergereiht, ohne dass daraus Spannung oder ein roter Faden entsteht. Besonders irritierend fand ich die Rolle des Vaters: Er versucht, den Hund mit einem Gewicht im See zu ertränken (!), bricht sich kurz darauf ein Bein und verschwindet anschließend fast vollständig aus der Geschichte, da er ins Krankenhaus verlegt wird und dann einfach an einem anderen Ort wohnt. Seine Bedeutung für den Plot bleibt völlig unklar.
Am Ende bleibt ein Gefühl von großer Ratlosigkeit darüber, wie das Buch als Kinder- oder Jugendlektüre gedacht sein soll. Weder Atmosphäre noch Handlung noch Figuren können überzeugen, und selbst mit nostalgischer Toleranz lässt sich kaum etwas Positives herausziehen. Hätte es die Möglichkeit zu Minussternen gegeben, ich hätte sie hier vergeben.