Die deutsche Linke befindet sich in ihrer schwersten Krise seit 60 Jahren. Heillos zerstritten ist sie zu einer eigenen Regierung nicht in der Lage. Die SPD, festgefroren bei 25 Prozent, ist ohne jede Chance auf die Kanzlerschaft; die Linkspartei gefällt sich in Fundamentalopposition. Bleibt uns also nur noch die »schwarze Republik«? Eine CDU-Kanzlerschaft in Permanenz? Die Konsequenz wäre verheerend: Politik ohne Wechsel – gar eine Große Koalition auf Dauer – radikalisiert die Ränder und gefährdet die Demokratie. Das Land braucht daher dringend eine starke Linke, wie Ende der 60er Jahre.
Lucke ist ein exzellenter Analyst der politischen Landschaft aus einer (Mitte)-links Perspektive. Er kritisiert die SPD für ihre Agendapolitik und die Linkspartei für ihre Weltfremdheit in der Aussen- und Sicherheitspolitik. Am härtesten geht Lucke (durchaus nachvollziehbar) mit Oskar Lafontaine ins Gericht. Wenn es eine Person gibt die regierungsfähige linke Mehrheiten in den 2010er Jahren verhindert hat, dann Lafontaine meint Lucke.
Mit dem Wahlsieg von Scholz und den Ampel-Koalitionsverhandlugen haben sich ein paar Thesen des Buches ggf. überholt, durchaus lesenswert ist es trotzdem noch für einen Rückblick auf das Versagen der Linken eine Regierungsalternative zu Merkel zu ermöglichen.
Die beste Erklärung des Scheiterns der deutschen Linken. Und eine Erklärung der Rahmenbedingungen des Erfolges. Besonders die Irrwege der Linkspartei und die Notwendigkeit eines felsenfesten Bekenntnisses zur EU und UN als Gelingensbedingungen einer konsistenten Politik von Links werden scharf herausgearbeitet. Trotz eines umfangreicher Referenzenkorpus bleibt das Buch durchgehend spannend.