Warum zieht es Jugendliche in den Dschihad? Ist der Islam verantwortlich für den Terror? Und wie können wir uns dem religiösen Extremismus stellen? Bislang stehen Politik, Gesellschaft und besonders die Schulen diesen Fragen hilflos gegenüber. Kein Wunder, denn die Debatten werden falsch geführt, wie der renommierte Psychologe und Islamexperte Ahmad Mansour nachdrücklich zeigt. Mansour beantwortet diese Fragen mit beeindruckender Klarheit und Reflexion. Denn keiner kennt wie er beide Seiten. Bevor er den mühsamen Ausstieg schaffte, war er selbst radikaler Islamist. Jetzt arbeitet Ahmad Mansour in Berlin als Psychologe und betreut Familien von radikalisierten Jugendlichen. Vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen und seiner konkreten Präventionsarbeit zeigt er beeindruckend, dass eine Deradikalisierung möglich ist und plädiert für eine Reform des praktizierten Islam.
Ahmad Mansour is an Israeli-German psychologist and author of Arab-Palestinian origin. He has lived in Germany since 2004 and has had German citizenship since 2017. He works on projects and initiatives against radicalization, oppression in the name of honour and anti-Semitism in the Islamic community.
Ich finde nun, dass ich meine Rezension umschreiben muss. Als junge Studentin war ich begeistert von Mansours Büchern und Ansätzen.
Mittlerweile, durch Erfahrungen, die ich gesammelt habe und durch die Auseinandersetzung der Themen, die Mansour immer wieder nutzt, habe ich ein differenzierteres Bild.
Ich finde Mansour stellt ein extrem verzerrtes Bild da und verbreitet Angst und Hetze in der Gesellschaft. Er sollte seine Aussagen hinterfragen und reflektieren.
Oh, das Buch hat viel zu lang ein meinem Schrank gestanden. Genau genommen seit dem 11.01.2016 - so sagt es zumindest die Widmung. Ich war an dem Abend bei einer Lesung mit anschließender Diskussion mit dem Autor anwesend.
Sehr lebhaft ist mir von dem Abend noch im Kopf geblieben, wie er aus seiner täglichen Arbeit berichtet hat. In dem Buch werden auch drei Fälle detaillierter besprochen, in denen sich Jugendliche religiös radikalisiert haben. Genau darum geht es in dem Buch - Herr Mansour schildert einerseits seinen eigenen Werdegang zum Islamisten und die spätere Umkehr. Er geht außerdem auf das muslimische Familienleben in Deutschland, das er mit vielen Beispielen gespickt hat. Hier muss ich zugeben, dass ich vor dem Buch eher wenig darüber wusste. Das ist mir auch bei vielen anderen Themen im Buch klar geworden - was weiß ich über Jugendarbeit? Welche Meinung habe ich über Schulen in Problembezirken? Kurzum, in vielen Aspekten hat das Buch mir die Augen geöffnet. Ich hätte gerne noch mehr über die Rolle von Mädchen und Frauen im Islam erfahren. Das Buch hat sich, meiner Meinung nach, doch sehr an männlichen Jugendlichen orientiert.
Besonders interessant fand ich die konkreten Vorschläge des Autors, wie man das Problem der Generation Allah angehen kann. Ich vermute, dass es noch die eine oder andere Veröffentlichung des Autors zwischen 2016 und heute gab. Ich kann mich also weiter einlesen.
Insgesamt ist es natürlich einfacher sich einem Buch mit einem schwierigen Thema zu nähern, wenn man einen Zugang dazu hat. Mir hat es sehr geholfen den Autor mal in "echt" zu erleben. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich die Lesung damals mit Absicht besucht habe. Das Thema radikaler Islamismus stand aufgrund aktueller Geschehnisse sehr hoch in der öffentlichen Diskussion. Ich habe Herrn Mansour dann als sehr nahbaren Menschen wahrgenommen und konnte gut verstehen, warum er Jugendliche mit seiner Art erreichen kann. Das Buch ist ein gut geschriebener Einstieg in die Thematik, die mit sehr konkreten Vorschlägen zur Prävention daherkommt. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mich zum Thema mal auf weitere Literatursuche begebe.
Sehr interessant und übt berechtigte Kritik an dem Umgang mit dem Islam und die Verdrängung von Problemen in der heutigen Gesellschaft. Ahmad Mansour schließt das Buch zu dem mit einer sehr berührenden Geschichte (mit offenem Ende) ab, welche nochmal zum nachdenken anregt.
Zunächst war ich skeptisch, ob ich mich mit dem Buch auseinandersetzen sollte, da mir der Titel "Generation Allah" missfiel. In Kombination mit dem Thema "Religiöser Extremismus" erschien er mir übertrieben reißerisch und deutete auf eine pauschalierende Ablehnung des Islams hin. Ich wollte mich nicht in einem populistischen Diskurs aussetzen. Nachdem mir aber versichert wurde, dass ich mit meiner Einschätzung falschliege, habe ich die Empfehlung angenommen.
Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Autor sich tatsächlich auf einen spezifischen Teil der Gesellschaft beschränkt, der sich einer radikalen Auslegung des Islams verschrieben hat, die im Gegensatz zu den Werten einer demokratischen und vielfältigen Gesellschaft steht und sogar potenziell gefährlich ist. Das Buch erschien erstmals 2015, als die Themen Flüchtlingsbewegungen und Terrorismus omnipräsent in den Medien waren.
Besonders aufschlussreich fand ich die Analyse der Ursachen für Radikalismus. Der Autor sucht keine Erklärungen in der Religion selbst, sondern betrachtet vielmehr gesellschaftliche Entwicklungen. Er verweist beispielsweise auf unsere heterogene und oft unübersichtliche Welt, die den Wunsch nach festen Werten und Orientierung verstärkt; auf die Ausgrenzung und Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen; sowie auf die geschickte Rhetorik von Radikalen, die auf die Bedürfnisse der Jugend eingeht. Die Ergebnisse seiner Analyse sind daher meiner Meinung nach nicht nur auf religiösen Extremismus anwendbar, sondern lassen sich auch auf die in den letzten Jahren erstarkten extremen rechten Bewegungen übertragen.
Darüber hinaus schildert der Autor sehr detailliert, was gegenwärtig schiefläuft und weshalb die bestehenden Maßnahmen nicht ausreichen, um das Problem zu bewältigen. Da der Autor selbst betroffen war und als Sozialarbeiter im Austausch mit Betroffenen stand, ist seine Kritik äußerst relevant und treffend. Die Tatsache, dass ähnliche Fehler zehn Jahre später im Kontext des Rechtsextremismus wiederholt werden, macht die Lektüre umso eindrücklicher.
Bis zum Schluss blieb ich jedoch bei der Meinung, dass der Titel unglücklich gewählt wurde. Die Generation, auf die der Autor sich bezieht, beschränkt sich nämlich nicht nur auf den radikalen Islam, sondern ist symptomatisch für die Anfälligkeit für Extremismus einer ganzen Generation, deren Bedürfnisse nicht ausreichend Beachtung fanden. Dies führt zu Radikalismus, der nicht zwangsläufig religiöse, sondern auch politische Züge annehmen kann. Letztendlich geben die Jugendlichen ihre Mündigkeit auf und verfangen sich in einer Ideologie, weil sie auf der Suche nach Struktur, Identität und einfachen Antworten sind.
Ich konnte es relativ fließend lesen, obwohl es noch ein paar Worte zum Thema Glaube hatte, die ich nicht kannte. Für mich war es sehr interessant, aus der Erfahrung eines Sozialarbeiters zu lernen, der den Islam aus der Nähe erlebt hat und der die wahren Konsequenzen der fundamentalistischen Strömungen und, wie man sie verhindern kann, kennt. Ich würde fast allen Menschen dieses Buch empfehlen, da es einige Vorurteile zerstört hat, die ich über Muslime hatte und es hat mich erkennen lassen, wie wichtig es ist, ein Bewusstsein für diese Extremisten zu wecken, die nur als beeinflussbare Kinder den Salafismus eingetreten sind.