Запропоновані Вальденфельсом топографічні розвідки виходять з припущення, що Чуже має не лише свої часи, а також свої місця. Під впливом Гусерля та Гайдеґера, Мерло-Понті та Левінаса, Башляра та Фуко він наближається до етнології як науки про культурно Чужого. Для філософів, культурологів, соціологів, психологів, політологів та широкого кола інтелектуалів, які цікавляться долею європейської культури та можливостями міжкультурного порозуміння.
Gestoßen bin ich auf Waldenfels Denken das erste mal indirekt und am Rande vor drei Jahren in meiner Philosophicumsprüfung bei Prof. Philipp Stoellger. Damals fragte er mich, was denn als Lebenshaltung jenseits von vita contemplativa und vita activa noch denkbar wäre. Ich musste passen. Ein Blick in sein Werk "Passivität aus Passion" hätte es mir verraten: vita passiva. Damals ließ ich diese von Waldenfels inspirierte Denkfigur nach kurzer Irritation links liegen.
Seit ein paar Monaten der peripheren Beschäftigung und spätestens seit der Lektüre von Waldenfels Werken weiß ich: die vita passiva hat nichts mit einem schläfrigen Treibenlassen zu tun, die ich ihr erst verdächtigte. Im Gegenteil: sie wird von einem Pathos gestiftet, der unsere Gesellschaften permanent zu einer Antwort herausfordert. Doch woher rührt dieser Pathos?
Nicht nur in der "Topographie des Fremden", aber hier am prominentesten, verweist uns Waldenfels an das Fremde. Als das radikal Andere. Als das Außer-Ordentliche, das die scheinbare Ruhe aller Ordnungen und Normalitäten stört. Zielte man in der Antike meist darauf den Stachel des Fremden, das man als Feindliches betrachtete, durch offensichtlichere Gesten der Unterdrückung bis hin zur Auslöschung unschädlich zu machen, so nahm die gleiche Unternehmung in der Neuzeit häufig die sublimere Form der Aneignung an. Doch der Logozentrismus, der mit dem Bezug auf das Allgemeine die Grundlage für die eurozentristische Aneignung des Fremden in das Eigene bereitstellt, wurzelt bereits in Platons Philosophie. Waldenfels schlägt eine Alternative vor: nur wenn wir uns vom Fremden her verstehen lernen, statt auf es wie ein vor uns liegendes Objekt zuzugehen, werden wir seinem Anspruch gerecht. Dieser richtet sich an uns nicht nur außerhalb der eigenen Grenzen, sondern auch innerhalb. Was wir antworten, liegt bei uns, worauf allerdings nicht. Und so verstanden wird er immer bleiben, der Stachel des Fremden.
"Am Anfang steht nicht eine Einheit, sondern eine Differenz." Der Satz hat mich in seiner Pauschalität dann doch kurz stocken lassen. Doch sagt das nicht sogar vielleicht etwas ähnliches wie die im ersten Schöpfungsbericht verdichtete Einsicht "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde"? Ob ein ereignishaft gegebenes Überschreiten der Differenz in eine mystisch empfundene Einheit kategorisch ausgeschlossen werden muss, können wir den erst kürzlich verstorbenen Autor nun leider nicht mehr fragen. Einen Einheitswahn zu verfolgen, der ohne bleibende Fremdheit auskommt, davor hat er uns jedenfalls eindringlich gewarnt.
Die "Topographie des Fremden" ist eine Abhandlung über die räumliche Dimension der Fremdheit und wie sich diese in unserem Alltag manifestiert. Waldenfels betrachtet die verschiedenen "Orte" oder "Topoi", an denen Fremdheit erlebt werden kann, sei es physisch, sozial, kulturell oder mental. Durch die Analyse dieser topographischen Dimension können wir ein tieferes Verständnis für die Komplexität der Fremdheit gewinnen. Des Weiteren diskutiert Waldenfels die Rolle der Wahrnehmung bei der Konstruktion des Fremden. Er betrachtet, wie unsere Sinne und unser Bewusstsein Fremdheit filtern und interpretieren, und wie diese Prozesse unsere Beziehung zum „Anderen“ beeinflussen und betont damit die Rolle der Phänomenologie als Methode, um die Strukturen und Dynamiken der Wahrnehmung zu erforschen. Waldenfels reflektiert überdies über Verantwortung, die erwächst im Umgang mit Fremdheit. Er plädiert für eine von Gastfreundschaft und Offenheit gegenüber dem Anderen geprägte Haltung, die es ermöglicht, die Fremdheit nicht als Bedrohung, sondern als Chance zur Begegnung und Bereicherung zu sehen.