„Es war einmal eine hübsche Prinzessin mit viel Rosa drumrum. Und wie die meisten Prinzessinnen war sie sehr dumm.“
Und nicht nur dumm ist Prinzessin Popelkopf, sondern auch gemein. Als sie aber eine kleine Hexe beleidigt, wird sie von dieser verflucht, so zu sein, wie sie heißt. Fortan hat die Prinzessin tatsächlich einen riesigen Popelkopf auf ihrem Hals und überlegt, wie sie ihn schnell wieder loswerden kann. Ein neuer Name muss her. Aber soll sie deshalb wirklich Fürst Furzgesicht heiraten?
Ein witziges Märchen von Marc-Uwe Kling über Oberflächlichkeiten und die Macht, sich selbst zu verändern, mit ebenso lustigen Illustrationen von Astrid Henn.
Marc-Uwe Kling wurde geboren. Er studierte an der Großen Akademie von Lagado, wie man ein Haus vom Dach her nach unten baut. Er hat über seinen Mitbewohner, ein kommunistisches Känguru, drei kapitalismuskritische Bücher geschrieben, welche sich total gut verkaufen. Außerdem macht er mit seiner Band „Die Gesellschaft“ Reformhauspunk und am Ende muss wieder der Steuerzahler für alles aufkommen. Hey. Ho. Let’s go.
Als ich von Marc-Uwe Kling dieses Kinderbuch in der Bibliothek liegen sah, musste ich es einfach mitnehmen. Ich hatte Klamauk erwartet aber weit gefehlt. Das Buch ist lustig - ja, aber nicht derb oder unflätig, wie der Titel vielleicht vermuten lassen könnte. Und es ist sehr tiefsinnig und lehrreich! Zum Inhalt sage ich nichts weiter, da die Angaben genug aussagen.
Mit 36 Seiten und ca. 8 Hörminuten ist "Prinzessin Popelkopf" ähnlich kurz und kurzweilig wie "Der Ostermann" und ebenso in Reimform geschrieben. Mit vielen einfallsreichen Schimpfnamen und Fäkalwitzen kann man hier wohl kaum von einem klassischen Kinderbuch sprechen, das Herziehen über die Oberflächlichkeiten und die Kritik an der Unantastbarkeit herrschender Eliten macht aber riesigen Spaß und besonders über die ironische Spitze am Ende hätte ich mich fast schiefgelacht.
Rezension zu „Prinzessin Popelkopf“ von Marc-Uwe Kling / Astrid Henn, Dresden und Leipzig, 6. Auflage, 2020, unpaginiert.
Schon gleich der erste, dick gedruckte Satz des Buches, in denen den Kindern weisgemacht wird, dass „die meisten Prinzessinnen […] sehr dumm“ (S. 3) seien, gefiel mir wegen seiner Pauschalität nicht. Im Unterschied zu den durchweg lobenden Rezensionen des o.g. Buches „Prinzessin Popelkopf“ möchte ich (Opa, 71 Jahre) eine krass abweichende Meinung äußern. Meine sieben Enkel sind mir für dieses Buch zu schade, denn ich halte dieses Buch aus zwei Gründen für schlecht und pädagogisch für wertlos und abträglich. Ich frage mich auch, wie Pädagogen / Lehrer dazu kommen, dieses Buch zu empfehlen.
1) Mein erster Kritikpunkt betrifft das Vokabular. Ich finde es weder amüsant noch harmlos. Selbst weit davon entfernt, herrschende Eliten kniefällig zu verehren, missbillige ich, dass eine ganze Bevölkerungsschicht unter dem Deckmantel einer „Geschichte“ (S. 1) mit Unterleibstermini und Fäkalsprache verunglimpft wird. Die Oberschicht trägt Namen wie „Furzgesicht, Stinkepo, undichte Blase“ (S. 14 f.21); ihre Vertreter werden von Astrid Henn abgrundtief hässlich gezeichnet (als stark übergewichtig, imbezil, schielend, halbblind, pickelig, verdauungsgestört und inkontinent, S. 14.20 f.22 f). Andere, ebenso unsachliche Termini sind gleichfalls geeignet, bloß Ekel gegen Adel und Establishment hervorzurufen: „Popelkopf, Käsefuß, Hackfleischhaut, schmierig, Ohrenschmalz, Mitesser, Rotzfresser“. Der außerordentlich dickleibige Papst trägt statt einer Mitra einen „Pisspott“ auf dem Kopf, verschüttet den schon gewandelten Mess-Wein und versteckt in seinem Pontificale Romanum ein Comic-Heft (S. 23). Der Messdiener hinter ihm besäuft sich derweil an dem restlichen Messwein aus einer Flasche (S. 23). Herr Kling und Frau Henn ziehen damit auch über den Katholizismus her. „Papst Pisspott“ hat auch mit Unterleibs- und Fäkaltermini, mit Pissen und Furzen zu tun. Graf und Gräfin Grützhirn können kein Deutsch („ich bist“, „ich sind“, S. 25). Dafür hapert es bei Herrn Kling mit der deutschen Orthographie (notorisch „Kuckt“ statt „Guckt“, S. 4 f.9.25.). Man mag zu Adel, Papsttum, Militär und verantwortungslosen Eliten stehen wie man will: Es geht – zumal in einem Kinderbuch – nicht an, Kinder zu dieser niveaulosen, z.T. blasphemischen Unsachlichkeit in der Beurteilung anderer Menschen zu verführen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ steht in der Präambel unserer Verfassung ganz oben an. Religion und Glaube sind in unserem Staat zu achten und zur Verhöhnung nicht freigegeben. Auch ein Herr Kling und eine Frau Henn sollten sich in einem Kinderbuch daran halten. Sprachliche Nüchternheit, faire Subversivität und aufbauende Gesellschaftskritik sehen anders aus. Herr Kling und Frau Henn jedoch brechen das Gespräch ab und führen in eine Sackgasse. Auch wenn mittlerweile Polizisten als „Müll“ bezeichnet, die man zu „entsorgen“ hätte, ausländische Staatschefs „Ziegenficker“ genannt werden, heißt das noch lange nicht, dass man diesen Stil, der schon von Luther gegen den Papst zu Rom und den jüdischen Kultus gepflegt wurde, in Kinderbüchern nachahmen müsste. Was werden übrigens diejenigen empfinden, die von chronischen Verdauungsstörungen und Inkontinenz betroffen sind („Undichteblase, Stinkepo“, S. 21), wenn Kinder hiermit zum Lachen gebracht werden? Wenn das in Mode kommt, fehlt nicht mehr viel, dass irgendwann in anderen Kinderbüchern körperliche wie geistige Benachteiligungen, Gebrechen, Entstellungen, Demenz, psychische Erkrankungen, Impotenz und Pflegebedürftigkeit zum Gegenstand von Demütigung, Spott und Kindergelächter gemacht werden. Man kennt aus unserer deutschen Vergangenheit genügend die vergiftenden Imagerien der Gräuelpropaganda in Wort und Bild, mit denen missliebige Bevölkerungsschichten verhässlicht und entwürdigt wurden. Ich kann hier absolut keine Notwendigkeit dafür erkennen, wie Herr Kling und Frau Henn damit gerade in Kinderbüchern anzufangen. „Principiis obsta!“ („Wehret den Anfängen!“).
2) Mein zweiter Kritikpunkt bezieht sich auf die notorische Schwarz-Weiß-Malerei. Das Buch Klings / Henns forciert und vertieft die Klassengegensätze, anstatt auf Versöhnung, gegenseitiges Verstehen, einladendes Aufeinanderzugehen hinzuarbeiten. Im Buch existiert nur „Schwarz-Weiß / Böse-Gut / Krank-Gesund / Doof-Normal / Hässlich-Wohlgestaltet / Unästhetisch-Ästhetisch“, als wenn es in der Schicht der arbeitenden Bevölkerung nicht auch, um mit Herrn Kling zu reden, „Stinkepos, Rotzfresser, undichte Blasen, schmierige und blöde Typen, Mitesser, Hackfleischhäute (= Gammelfleisch)“ gäbe. Auch hier könnte, um in der „Geschichte“ zu bleiben, die Hexe ein gehöriges Negativpotential zu Tage fördern und nicht bloß positive Attribute wie „ehrlich, niedlich, glücklich, brav, schön und tapfer“ (S. 26 ff). Eine derartig schematisch zurechtgemachte Welt existiert nicht und man sollte sie zur Gesellschaftskritik Kindern auch nicht eintrichtern wollen. Eine ernsthafte, weiterführende Subversivität, die auch in Kinderbücher eingehen darf und soll, hat es nicht nötig, den durchaus entbehrlichen Weg über Abort-Terminologie, Schwarz-Weiß-Malerei und Verhetzungsstrategie zu nehmen, wobei eklige Äußerlichkeiten und körperliche Gebrechen in den Vordergrund gerückt und Kindern eine „Rasse“ von Furzern, Pissern und Stinkern vorgeführt werden. Herr Kling und Frau Henn werden sich vermutlich mit dem Begriff der Satire herausreden, obwohl sie ihr Buch als „Geschichte“ bezeichnen (S. 1). Ich verlange demgegenüber, dass auch das Genre der Satire sich Grenzen setzt, indem sie die Menschenwürde achtet. (NB.: Wenn Kurt Tucholsky behauptete, „Satire darf alles“, dann war das vor Auschwitz. Tucholsky würde seinen Satz zur Satire heute nicht unmodifiziert wiederholen). Ich bin nicht dafür, die Gegensätze und Trennlinien in unserer Gesellschaft mit Verekelungen zu zementieren und damit schon bei Kindern zu beginnen. Es braucht eine andere (und nicht nur kindgerechte) Terminologie zur gesellschaftskritischen Bewusstseinswerdung. Ich rate Herrn Kling und Frau Henn, bei den von Wolfgang Steinitz gesammelten Arbeiterliedern in die Schule zu gehen, in denen statt Fäkalmetaphern (wie krankhaftes Einnässen, „Pissen“ und Einkoten) zu benutzen, Verschwendung, Standesdünkel, Arroganz, Ausbeutung, Menschenschinderei bei ihrem sachlich richtigen Namen benannt werden. Was Herr Kling und Frau Henn hier Kindern vorexerzieren, halte ich für geistig erstaunlich unreif, weil es auf Verteufelung und Bewusstseinsverkleisterung hinausläuft und m. E. demonstriert, wie man es gerade nicht machen sollte.
Ich bin im Zwiespalt, auf der einen Seite ist es eine lustige, schöne Geschichte, auf der anderen Seite glaube ich, das ist sehr anstrengend sein kann diese Geschichte mit Kindern zu lesen und dann über Wochen die Namen der Leute im Buch hören zu müssen. Süß geschrieben ist es auf alle Fälle, es hat sogar einen tieferen Sinn, und wer ist vorgelesen gerne mag, wird auch da noch einmal gut unterhalten.
Ein kleines Wörterbuch Die Prinzessin ist ein richtiger Popelkopf, denn sie heißt nicht nur so, sie benimmt sich auch total abwertend und hochnäsig. Wen überrascht es da, dass sie es sich mit einer Hexe verscherzt, die sie obendrein auch noch verflucht. Ein großartiges Buch, das uns viel Spaß bereitet hat und irgendwie auch ein Wörterbuch für harmlose neue Schimpfwörter ist. Ich fands super und auch das Kind war begeistert und hat viel gelacht. Die Lesung des Autors und die Illustrationen sind wieder einmal fantastisch.
Nicht wirklich ein Kinderbuch im klassischen Sinne, aber sehr witzig und mit tollen Illustrationen. Die Schlußpointe wird leider nicht so gut altern, bzw. muss in kommenden Editionen angepasst werden...
Auf Bookbeat gehört, vom Autor vorgetragen. Keine Ahnung, ob es zu dieser drolligen Geschichte auch ein Bilderbuch gibt, aber falls ja, würde ich es definitiv gern nochmal lesen. Das war mit Abstand das Lustigste, das ich seit langem gehört habe, ich habe Tränen gelacht!!
Mhh, nicht mein Humor (abweichend von allen anderen Werken des Autors). Die Aufzählung der Nachnamen fand ich einfach nur eklig. Die Moral mag witzig sein, ist mir aber zu plump rübergebracht. Keine Empfehlung.
Didaktikus, "humoros" propaganda, a kiadó 8+osnak határozza meg, de kinézete alapján mintha ovisoknak szólna. Első elkeseredésemben csak ennyit. És nem, én sem olvasnék semmilyen korú gyereknek Vitéz Szarrágóról (sem).