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Neringa oder die andere Art der Heimkehr

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Es ist eine einzige Einstellung in einem Film, die ihn aufrüttelt: eine kurze Szene am Mont-Saint-Michel, der berühmten Felseninsel im normannischen Wattenmeer. Der Mann, den dieses Bild an eine längst vergessen geglaubte Postkarte erinnert, ist ein Deutscher, der in London lebt, er ist soeben fünfzig geworden und voller Zweifel an seinem Lebensentwurf. Zwar mangelt es ihm nicht an Erfolg, doch vermisst er das Gefühl, der Nachwelt etwas Sichtbares zu hinter lassen – und Nachkommen, die seine Hinterlassenschaft schätzen und sich an ihn erinnern könnten. So scheint es kein Zufall, dass gerade jetzt die Erinnerungen an seinen Großvater Jakob Flieder – den damaligen Absender der Karte vom Mont-Saint-Michel – wach werden, der als einfacher Pflasterer ein die Jahrzehnte überdauerndes Werk geschaffen und eine Familie ernährt hatte ... Trotzdem entfaltet die Flut der Fragen, die sich dem Enkel plötzlich aufdrängen, eine ungeahnte Wucht.
Getrieben von der unbestimmten Sehnsucht nach einem Leben voller Bestimmung, begibt sich ein Mann auf die Spuren seiner Familie – und muss sich fragen, wie zuverlässig die Geschichten sind, die man sich über sich selbst erzählt, und wie zufällig die Quellen und Überlieferungen, derer man sich dafür bedient. Und mitten in der biografischen Sinnsuche, die der Autor virtuos mit deutschen Schicksalen vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart verknüpft, führt die Begegnung mit einer jungen Frau aus Litauen zu einer ganz neuen Möglichkeit des Glücks im Hier und Jetzt.

288 pages, Hardcover

Published February 9, 2016

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About the author

Stefan Moster

83 books2 followers

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Community Reviews

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3 (12%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 4 of 4 reviews
511 reviews16 followers
September 12, 2020
Vieles wird angedeutet...

"Neringa oder die andere Art der Heimkehr" ist ein melancholisch-ruhiger Roman mit wunderschönem Sprachgebrauch über Heimat, Identität, Erinnern und Zulassen.

Midlife-Crisis, Suche nach dem Sinn des Lebens, zarte Liebesgeschichte, Middle Ager auf Sinnsuche verliebt sich in jüngere ausländische Putzfrau, beruflicher Erfolg bei privater Einsamkeit, Reise in die Vergangenheit, Verklärung der Familiengeschichte und Realität - das alles und nicht weniger könnte der Leser als Grund-Handlung des Buches nennen. Noch nie habe ich jedoch derart viele Probleme mit der Rezension gehabt, einfach weil sich Autor Stefan Moster vielfach entzieht, vieles nur andeutet, besonders bei seinem Protagonisten: wenn man sich die sehr verstreuten Daten zusammensucht, teilt Moster mit diesem Geburtsjahr, -monat und -ort sowie den Vornamen.

Moster wechselt zwischen der Gegenwart seines Ich-Erzählers und dessen Heranwachsen und Adoleszens, streut Erinnertes über Dritte ein, speziell über den geliebten Großvater mütterlicherseits, dessen Schritten und Spuren als Pflasterer er nachzuspüren versucht.

Diese Suche im Kontrast mit dem Leben der Hauptfigur machte für mich den Reiz der Lektüre aus, da dabei allgemein gültige Fragen aufgeworfen werden: was sollte von einem bleiben? Was kann Erinnerung - was bringt sie mir? Worin liegt der Sinn für mich?

Durch die langsame zarte Liebe mit seiner ehemaligen Putzfrau, die er entlässt, um sich ihr auf gleicher Ebene nähern zu können, findet der bisherige Zweifler in kleinen Schritten zu sich selbst. Vor ihr lernt er zuletzt: „Das einzige, womit wir die Toten beschenken können,
sind liebevolle Legenden“ (S. 280).

ACHTUNG, aber hier ggf. Spoiler:

Über seine Hauptfigur legt der Autor etliche Fährten, lässt auch diese solchen nachspüren: „Konnte man sich auf das verlassen, was man sich im Namen der Erinnerungen zusammenreimt?“ (S. 233). So idealisieren die Erinnerungen den Großvater, ungeachtet des gleich zu Anfang beschriebenen "Beinahe-Totschlags im Affekt" an seiner Ehefrau oder der fast untergehenden Bemerkung „…und dann greift er zum Schürhaken.“ (S. 93). Die Erinnerungen an die Eltern evozieren eine unglückliche Kindheit durch deren Desinteresse - dabei gratulieren diese der erwachsenen Sohn als einzige zum fünfzigsten Geburtstag, erwarten ihn (wie immer?) zu Weihnachten. Die Hauptfigur neigt(e) zu Selbstverletzungen, hatte Suizidgedanken, war deshalb über Jahre in Psychotherapie - auf der anderen Seite wird ein möglicher Missbrauch in der späteren Jugend durch den heimischen Pfarrer angedeutet als Ursprung für einen Ekel vor sich selbst.
Profile Image for May.
11 reviews
December 31, 2021
Es ist einfach schön. Ruhig und stetig entwickelt sich die Handlung, werden Gegenwart und Vergangenheit, persönliche und gemeinsame Erinnerungen an historische Ereignisse miteinander verwoben, wächst das Mitgefühl mit den Charakteren. Am Ende war ich traurig und glücklich zugleich: dass die Geschichte vorbei ist; dass die Charaktere in mir weiterleben.

Besonderes Detail, das die Spannung bis zum Schluss hält (Spoiler!):
Das lyrische Ich ist ein sogenannter unzuverlässiger Erzähler, wie man es z.B. von Graham Swift kennt. Man kann nie sicher sein, ob es stimmt, was er gerade erzählt ...
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for ElkeH.
81 reviews1 follower
December 27, 2022
Ein durchaus lesenswertes Buch zum Thema Selbstfindung und dem Einfluss der Vergangenheit/Familie, mir aber zu egozentrisch, fremd, nicht meins.
Profile Image for Lese lust.
604 reviews36 followers
March 11, 2016
3,5 Sterne.
Ich mag Mosters Erzählweise, seine Gedanken und Bilder. Das wiegt für mich die Schwäche der Rahmenhandlung auf. Sogar den überflüssigen Untertitel.

Stefan, der Mann in der Lebenskrise, ist für mich sehr interessant angelegt. 50, beruflich sehr erfolgreich in einem Gebiet, das ich ebenfalls interessant finde, alleinstehend und zunehmend auf der Suche nach den Spuren, die er in dieser Welt hinterlassen wird. Dabei vergleicht er sich mit seinem Großvater, der Pflasterer war. Dass die Hinterlassenschaften seiner Vorfahren ,vor allem die Geschichten, dabei ein Eigenleben entwickelt haben, fand ich gut aufgedröselt.
Eigentlich wäre es ehrlich gesagt viel einfacher, die Schwächen des kurzen Romans aufzuzeigen, denn die sind auch für mich sichtbar.
Aber ich wünsche diesem stillen Buch noch viele Leser - ich finde, es lohnt sich.
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