Johanna kümmert sich gern um andere – um die Tochter ihrer alleinerziehenden Nachbarin Julia, um den betagten Herrn Glantz und sein Malteserhündchen Gloria und auch um ihren besten Freund Ernst. Doch eines Tages beschließt Ernst, nach China zu reisen, um dort seine leibliche Mutter zu suchen, und Johanna bleibt mit ihrem langsam dement werdenden Vater allein zurück. Als sie beim Ausräumen des elterlichen Hauses eine alte Postkarte ihres Vaters entdeckt, die jahrelange Gewissheiten auf den Kopf stellt, beginnt auch für sie plötzlich eine Suche. Am anderen Ende der Welt muss Ernst erkennen, dass das reale China nichts mit dem märchenhaften Land seiner Kindheitsfantasie zu tun hat und er in seiner vermeintlichen Heimat ein Fremder ist.
Ich habe ja ein Faible für Identitätskrisen und Coming-of-Age-Romane, deswegen hat mir "Junge Hunde" sehr gut gefallen.
Die beiden Protagonisten waren mir auf Anhieb sympathisch. Sie sind eigentlich ganz typische junge Erwachsene, machen gerade das durch womit sich die meisten jungen Erwachsenen herumschlagen müssen (okay, die Suche nach der leiblichen Mutter in China ist außergewöhnlich, aber Studienabschluss und Sinnsuche, Krankheit der Eltern, Abschied vom Zuhause der Kindheit, das kennt wohl jeder irgendwie), eigentlich ziemlich alltäglich und dabei sehr realistisch mit all ihren Hoffnungen und Unsicherheiten. Schön finde ich auch, wie stark die lebenslange Freundschaft zwischen Ernst und Johanna ist, obwohl sie eigentlich gar nicht miteinander interagieren, weil er in China und sie in Österreich ist. Ich juble immer, wenn mir eine intensive, rein platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau begegnet, die völlig ohne irgendwelche ach so subtilen romantischen Untertöne und sexuelle Spannungen auskommt und einfach nur als ehrliche Freundschaft zwischen zwei Personen beschrieben wird.
Begeistert hat mich Cornelia Travniceks Stil, ihre oft poetische und sehr plastische Ausdrucksweise und die detailverliebten Beschreibungen der Umgebung. China kann ich nicht beurteilen, aber die Gegend zwischen Wien und Krems (Johanna und Ernsts Heimatdorf "am Land" wird nie konkret benannt, aber irgendwo dort muss es sein, glaube ich) kenne ich recht gut und es fühlt sich richtig und heimelig an die Gegend anhand der Beschreibungen vor dem inneren Auge zu rekonstruieren. Man findet sich am Weg an der Donau entlang gut zurecht und verliert sich zwischendrin in den Worten.
Einzig das Ende hat mich ernüchtert ... es kam für mich viel zu abrupt, es fühlt sich eher wie ein Abbruch an als wie ein Abschluss. Ich hätte gerne ein bisschen mehr erfahren.
Bin schon sehr gespannt, mehr von Cornelia Travnicek zu lesen.
A novel on late adolescence and self-finding, set on a mixture of stages ranging from Vienna, its Hinterland, to China. The recent book of the Viennese young writer Cornelia Travnicek (official page, WikiPedia) tells a complicated story about finding and loosing your parents. The main actors, Johanna, always helpful and supportive of those around here, and Ernst, a Chinese adoptive son in Austria, are good friends since early childhood. He sets out to find his parents in China, while she has to deal with profound change in her own world while worrying about his travel and distance. Although in principle a nice and interesting story, I felt that the book is at times weighting too much on sentiments, second hand sentiments, and trying to extend the story. By itself this wouldn’t be a problem if the language would be of a great story teller, but in this case it just extends and gave me hard time continue reading. The surprising ending isn’t that surprising, a single line 2/3 through the book just let it slip so that it is clear who is the father. All in all not a bad book, but I wouldn’t recommend it from the depth of my heart. Still, as Viennese I felt a bit nostalgic with parts of dialect appearing in the book.
Das Buch hat zwei Hauptcharaktere, wobei die Perspektive abwechselnd in der Ich-Form, wenn Ernst erzählt, und in der dritten Person, wenn Johanna erzählt, verwendet wird.Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig und habe einige Zeit gebraucht, um mich einzulesen. Was mir am Buch aber sehr gut gefiel ist das Thema (Erwachsenwerden, Suche nach der eigenen Identität, Freundschaft und Familie) und, dass es endlich einmal ein Roman ist, in dem es nicht um die rührende Liebesgeschichte der Protagonisten geht. Sowohl Ernst als auch Johanna wirkten auf mich sehr sympathisch und ich konnte mich mit beiden sofort identifizieren. Fazit: Definitiv keine Geschichte, bei der man vor lauter Spannung nicht mehr zu lesen aufhören kann, aber ein unterhaltsamer Roman für zwischendurch.