Die ersten fünf Episoden der Nebular-Serie, 2018 für diesen Sammelband überarbeitet, geschrieben so um die 2005.
Im Jahr 2114 hat sich die Menschheit im Sonnensystem ausgebreitet. Auf dem Neptun-Mond Triton befindet sich eine Bergbaukolonie und ein Flottenstützpunkt. Dort erhält ein Weltraumpilot den Auftrag, auf dem Kleinstplaneten Quaoar im Kuiper-Gürtel nach dem rechten zu sehen, nachdem dort eine Prospektionsraumer mit Sonden verschollen gegangen ist. Die Sache ist seltsam und wird dann auch gefährlich. Denn zeitgleich mit dem "Verschwinden" der Sonden, sendet der Kleinstplanet eine dichtgepackte Funkbotschaft aus. Das Erkundungsflotte stößt auf einen aggressiven Außerirdischen namens Globaster, der zu einer Station auf dem Zwergplaneten gehört. Zwei der drei können ihm entkommen und wertvolle Informationen liefern. Das löst weitere Aktivitäten nicht nur bei den Menschen aus. Andere Zwergplaneten im Kuiper-Gürtel rweisen sich als außerirdische Stationen, die einen dichten Ring um das Sonnensystem bilden, so als wenn sie das Sonnensystem überwachen wollten. Die Menschheit erlebt so den Erstkontakt. Aber es wird für sie immer bedrohlicher, denn es erweist sich, dass die Aliens sich schon sehr lange im Sonnensystem aufhalten, und die Geschichte der Menschheit sehr viel weiter in die Vergangenheit zurückreicht, als man es bisher vermutet hat.
Die ersten fünf Episoden bilden den Auftakt zu einer weitausgespanten Space Opera. Rabenstein lässt sich nicht nur von der Perry Rhodan-Serie inspirieren, er nimmt sie auch ganz klar als Vorbild. Da gibt es die untergegangene Frühzivilisation der Menschen. Bei den Globastern, die auch als Bestien bezeichnet werden, fühlt man sich an die Haluter bzw. Zweitkonditionierten in der Perry Rhodan-Serie erinnert. Es gibt einen jahrtausendüberspannenden Konflikt, das Universum ist voll von intelligenten Spezies und darüber aber noch ziemlich gefährlich. Es gibt jedoch keine Zentralfigur, stattdessen eher ein Ensemble, die Perspektiven wechseln, auch eine außerirdische Perspektive gibt es.
Das ist alles nicht neu, es gibt Klischees und Allgemeinplätze zu Hauf, aber Rabenstein ist bemüht, etwas eigenes zu den zahlreichen Serien-Universen hinzuzufügen und Technologien plausibel einzusetzen. Manches fand durchaus mein Anklang. So etwa die Begegnung mit einem schneckenartigen Alien, der als Schrotthändler ins Sonnensystem einfliegt. Der war gut geschildert. Die Episoden waren alle spannend zu lesen, alle Ingredienzen, die Space Opera-Leser schätzen, sind verhanden. Ich kann nachvollziehen, warum die Serie ein SelfPublisher-Erfolg wurde, und Thomas Rabenstein sogar davon leben konnte.
Auch die Gestaltung des Bandes ist ansprechend. Ein solider Druck mit einem spacigen Cover und Innenillustrationen. Indes gibt es in der Handlung viele Ungereimtheiten, die größte betrifft die Behauptung, dass die Alienstationen das Sonnensystem nach außen isolieren. Das können sie gar nicht, denn sie befinden sich ja nur auf der Ekliptik und nicht wie die Oortsche Wolke um das gesamte Sonnensystem herum. Die ersten fünf Episoden wirken nicht aus einem Guss, es gibt kaum Platz für differenzierte Charakterisierung der Figuren. Vermutlich verbesserte sich Rabenstein in den späteren Roman-Episoden schriftstellerisch. Aller Anfang ist schwer und Thomas hat wohl anfangs nur zu seinem Vergnügen an der Serie geschrieben.
Wenn Thomas Rabenstein nicht vor einigen Tagen gestorben wäre, wäre das Buch vermutlich noch eine Weile in meiner Bibliothek herumgestanden. Nun habe ich es angefangen, auch weil ich Thomas persönlich kannte, ich ihm auf dem Stuttgarter Stammtisch schon begegnet bin, noch bevor er sich schriftstellerisch betätigte. Einem verstorbenen Autor so zu gedenken, ist nicht das Schlechteste.