Ich muss echt sagen, dass dies das schlechteste Sachbuch ist, was ich jemals gelesen habe. Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass ich nicht so viele Sachbücher in meinem Leben gelesen habe. Mir ist klar, dass das ein Buch ist, was sich zum Ziel nimmt, einen schweren Inhalt für die breite Masse aufzubereiten und daher fokussiert sich meine Kritik auch nicht auf fachliche Akkuratesse. Aber das selbstgesetzte Ziel scheint dieses Buch meiner Meinung nach nicht wirklich zu erreichen. Ja, es arbeitet die Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie für Laien auf, vereinfacht Sachverhalte, zeigt sogar wider Erwarten wichtige, wenn auch nicht besonders schwierige Mathematik, klärt potenzielle Missverständnisse auf (z.B. wird mehrfach erwähnt, dass bei den Gedankenexperimenten die Mechanik der Uhr nicht beeinflusst wird) und stellt sogar Dinge wie die Idee von James Terrel vor, die sonst eher zu kurz kommt. Die Umsetzung ist aber verbesserungswürdig, da dem Buch etwas an Struktur fehlt, was schon das sperrige Inhaltsverzeichnis zeigt. An Abbildungen mangelt es zwar nicht, aber die Platzierung dieser schadet den Lesefluss etwas. In Relation zum plumpen Sachfehler, den ich in meiner Version auf Seite 64 gefunden habe, scheinen die vorher genannten Sachen aber eher Kleinigkeiten zu sein, die dem Buch gutgetan hätten, wenn sie anders gemacht worden wären: Dem Autor hätte eine kleine Nachhilfe in Teilchenphysik gut getan, wie sich an folgendem, seit 8. Auflagen immer noch nicht behobenen Fehler erkennen lässt: Es wird, und das ist kein Scherz, beschrieben, wie aus zwei Protonen ein „Deuteriumteilchen“ wird und dann durch das stetige Hinzufügen von Protonen dann Helium entstünde, das demnach aus vier Protonen bestünde. Ein fataler Fehler! Was würde das arme Beryllium dazu sagen, dass es nun Helium genannt wird und was würden vor allem Neutronen sagen, wenn sie wüssten, dass ihre Existenz geleugnet wird? :’) Trotz dieser Fehler ist das Buch ein guter Versuch, der etwa andere Perspektiven beleuchtet und sich nicht ausschließlich den fast schon zum Treppenwitz gewordenen Gedankenexperimenten (Angenommen, man hat zwei Raumschiffe oder Uhren oder Astronauten oder Züge oder weiß Gott was) bedient. Zum Glück wird dieses doch etwas veraltete Buch zum Ende hin aber gut leserlich, gewinnt an Struktur und begeistert mich. Zudem gibt es kurze Überblicke zu Konzepten wie schwarzen Löchern, Quasaren, Neutronensternen und Pulsaren. Als ich die Version kaufte, wurden die Gravitationswellen noch nicht nachgewiesen und nach der Lektüre ist das Kapitel nochmals spannender geworden. Wie dem auch sei, macht dieses Buch echt Lust, sich weiter mit der Materie zu beschäftigen. Ich würde das Buch als Essay betrachten, in dem der Autor die Relativitätstheorie populärwissenschaftlich zu erklären versucht. Ich finde diesen Versuch halbwegs gut gelungen, aber der Ungenauigkeiten und inhaltlichen Fehler wegen gebe ich statt 3 nur 2 Sterne.
Das Buch hält, was es verspricht: Es stellt eine einfache Einführung in die Allgemeine und Spezielle Relativitätstheorie dar. Die komplizierten physikalischen Vorgänge werden gut veranschaulicht. Ich würde das Niveau auf Oberstufen-Physik (Grundkurs) einschätzen. Mir persönlich fehlte die Mathematik; es wurde sehr wenig theoretisch belegt.