Ich habe meine Portion an Pädagogikvorlesungen hinter mir und auch einige Seminare und Praxissemester. Ich habe an der Uni unterrichtet. Und ich muss sagen, diese 100 Tipps sind nützlicher als so manche Vorlesung und die meisten Pädagogikbücher. Penny Ur spricht aus Erfahrung und ihre Erfahrungen decken sich tatsächlich mit meinen und widersprechen leider häufig der deutschen Lehrmeinung besonders Tip 65: „So teaching international pronunciation con result in a mixed American and British accent, plus mother tongue influence. Which is fine.“ - Sehe ich genauso. Ist aber leider nicht deutsche Lehrmeinung. Die wollen immer noch, dass man einen native speaker accent kultiviert. Da habe ich mich sogar in der Prüfung mit dem Prüfer angelegt. Ich schließe mich der internationalen Meinung an, dass es sinnvoll ist eine lingua franca zu unterrichten. Die Deutschen hängen aber der internationalen Meinung immer ein paar Jahre/Jahrzehnte hinterher und haben ein Minderwertigkeitskomplex mit ihrem Akzent
Generell rennt die Autorin bei mir offene Türen ein. Sie schließt von ihrer eigenen Lernerfahrung in Fremdsprachen auf ihre Schüler. Mache ich auch. Wurde mir in der Prüfung als unwissenschaftlich angekreidet. Mir egal. Biologen glauben an Selbstexperimente und nicht an geisteswissenschaftliche Statistiken.
Viele der Tips haben noch eine wissenschaftliche Publikation angegeben, falls man sich mal verteidigen muss, weil man es anders macht, als man es angeblich machen sollte. Im Gegensatz zu den in Deutschland üblichen Veröffentlichungen in Pädagogischen Käsblättern handelt es sich in diesem Buch um internationale peer reviewed artciles und nicht diese seltsamen deutschen Pädagogikansichten in deutschen Wald und Wiesenblättern, die außer Lehrern ohne genügend Englischkenntnissen keiner sonst auf der Welt liest.
Einige neue, praktische Tipps waren auch dabei, wie What’s up für Schreibübungen in Sachen Kurztext zu verwenden.
Leider werden nicht alle Themenbereiche abgedeckt: Erstellen von Arbeitsblättern fehlt zum Beispiel komplett.
Insgesamt aber ein sehr praxisnahes, gut zu lesenden Buch mit kurzen, knackigen Tips aus dem Leben für das Leben.