Eine sehr schöne und kurze Erzählung über einen Jungen, der die Liebe auf eine Weise entdeckt, in der sich viele Menschen wiedererkennen dürften. Hesse schildert anschaulich, wie sich das Verständnis von Liebe im Laufe der Zeit wandelt und verdeutlicht dies anhand der besonders wechselhaften Sichtweise während der Jugendjahre.
Das erste Mal, dass der Lateinschüler Karl Bauer Zuneigung für ein Mädchen empfindet, ist, als er ein hübsches Bürgermädchen erblickt, das auch bei seinen Mitschülern sehr beliebt ist. Schnell stellt sich diese vermeintliche Liebe als bloße Einbildung heraus, nachdem er beobachtet, wie das Mädchen die Avancen der Jungen später spöttisch mit ihren Freundinnen bespricht. Karl erkennt, dass eine Schwärmerei noch keine wahre Liebe ist.
Die zweite Erfahrung macht Karl, als er der Magd Tine begegnet. Diese Beziehung kann man als seine erste große Liebe bezeichnen. Wie es oft in jungen Jahren geschieht, misst er dieser Liebe eine übergeordnete Bedeutung bei. Karl verliert sich in einem überschäumenden Liebesglück und für ihn zählt nur noch Tine. Doch die Ernüchterung folgt: Seine Gefühle werden nicht erwidert, und Karl fällt in eine tiefe Krise, die auch andere Lebensbereiche beeinflusst. Schließlich gelingt es ihm, diese Phase zu überwinden, und er erkennt, dass seine Liebesgefühle naiv und nicht so einzigartig waren, wie er geglaubt hatte.
Am Ende wird er Zeuge von Tines Liebe zu einem anderen Mann, den sie nach einem Arbeitsunfall beinahe verliert. Ihr emotionaler Ausbruch beeindruckt ihn tief, und er entdeckt dadurch eine neue, reifere Art zu lieben – eine, die er fortan anzustreben scheint. Während seiner Jugend überdenkt Karl sein Verständnis von Liebe immer wieder und glaubt vermutlich jedes Mal, er habe es nun endlich wirklich verstanden. Und wem ist es noch nicht so ergangen...