Der Klingenrausch ist eine Söldnertruppe aus den besten Kriegern, die für Schätze zu kaufen sind. Doch Gold ist nur ein Teil ihrer Bezahlung. Ihr Stahl dürstet nach dem Blut der Gegner, und ihre gierigen Herren verbrennen Seelen im Dämonenfeuer.
Als der Anführer des Klingenrauschs fällt, droht die ruhmreiche Einheit zu zerfallen. Eivora, seine Tochter, bildet einen Rat aus den erfahrensten, kühnsten und gerissensten Offizieren und führt ihre Banner zum Sturm auf Ygôda. Niemand hat die Mauern dieser Stadt jemals überwunden. Wird Eivora die Söldner zu Glorie und Reichtum führen - oder ihrem Vater in die Flammen ungnädiger Dämonen folgen?
Der Klingensturm ist eine legendäre Söldnerlegion aus der Söldnermetropole Rorgator, dort wo die Söldner nicht nur ihre Kontrakte schmieden, sondern auch Bündnisse mit Dämonen. Doch die besten Zeiten der Legion scheinen vorbei zu sein, als der Anführer Kester, der Flammenbringer, bei einer Eroberung und Plünderung überraschend getötet wird.
Nicht nur Eivora, Kesters Tochter, steht nun vor einer unsicheren Zukunft. Söldner drohen abzuspringen, Machtkämpfe brechen im Hintergrund aus und als auch noch ein Anschlag geschieht, fasst Eivora einen verzweifelten Plan. Wenn sie die Legion ihres Vaters erhalten will, muss sie dessen einstigen Untergebenen dazu bringen zusammenzuarbeiten. Und was eint eine Legion besser als ein Auftrag? Als Prinz Gonter im Auftrag seines Vaters den Klingensturm für die Eroberung der als uneinnehmar geltenden Stadt Ygôda anwerben, kommt er Eivora gerade recht.
Meine Meinung:
Das Setting:
Definitiv nichts für schwache Nerven kann ich da nur sagen! Gleich die ersten Seiten des Dark Fantasy-Romans und Reihenauftakts zur "Schwertfeuer-Saga" entführen uns Leser in die raue Welt der Söldner. Wir erleben einen "harmlosen" Überfall und im nächsten Moment Plünderung, Vergewaltigung, Folter und Mord. Wer Gewaltbeschreibungen nicht ertragen kann, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Es wird zum Glück aber nicht alles detailliert beschrieben. Dennoch gab es auch für mich als erfahrene Dark Fantasy-Leserin 1-2 Momente, die mich haben schlucken lassen.
Dennoch hat diese brutale und düstere Welt auch etwas ungemein Faszinierendes an sich. In der Welt der Söldner sind Männer und Frauen gleich, alle werden nach Verdiensten beurteilt, es gibt auch Freundschaften, Loyalität und ein Zusammenhaltsgefühl in der Legion.
Dass der Roman etwas Einzigartiges hat, verdankt er aber seinem Dämonenaspekt. Sie sind die Verbündeten der Söldner von Rorgator und bieten ihnen wertvolle magische Unterstützung wie das Schwertfeuer, den Marsch durch das Feuer oder die Avatare, die direkt mit der Welt der Feuerdämonen und Geister in Verbindung stehen. Besonders der Avatar, ein Homunkulus, der sich in die Schulter seines Trägers bohrt, mit diesem teilweise verschmilzt, ist erschreckend und interessant zugleich. Immer wieder erhaschen wir im Roman Einblicke in diese Welt und für mich ist es der Aspekt des Buchs, über den ich im nächsten Band "Weißes Gold", der im Januar 2017 erscheint, unbedingt mehr erfahren will.
Auch die Stadt Ygôda ist gut durchdacht und interessant beschrieben. Es gibt Situationen, da habe ich gestaunt oder musste schmunzeln. Das Obere und Untere der Stadt fand ich gut eingefangen. Die Karte zu Anfang des Buchs hilft, sich die Stadt und ihre Lage sowie die Positionen der belagernden Truppen besser vorstellen zu können. Die Karte, gezeichnet von Timo Kümmel, ist wirklich sehr gelungen und für mich ein wichtiger Bestandteil des Romans beim Lesen gewesen.
Die Figuren:
Auch hier gibt es Licht - oder eher Graustufen, denn ohne Fehl und Tadel oder Schwächen ist in diesem Roman niemand - und Dunkel. Mit einigen Figuren wie Eivora und Prinz Gonter konnte ich mich sehr gut identifizieren.
Beim Avatar Chastro-Ignuto schwankte ich zwischen Abscheu, Entsetzen, Mitgefühl und düsterer Faszination. Und in einem Leser diese Emotionen wecken zu können, zeigt, mit welcher Meisterschaft Robert Corvus hier seine Figuren entwickelt hat. Das Auf und Ab der Emotionen betrifft fast alle der Figuren einmal. Einen strahlenden Helden, mit dem sich die Leser durchgängig identifizieren, bietet uns der Autor nicht. Stattdessen zwingt er seine Leser, über die Figuren nachzudenken und seine ursprüngliche Einschätzung immer wieder zu hinterfragen.
Eine weitere Figur, die im Roman eine wichtige Rolle spielt, ist Fiafila, eine Priesterin des Windgottes Basäon, deren Weg den des Klingensturms kreuzt. Sie hebt sich von den restlichen Figuren des Romans ab, auch wenn ich persönlich mich nicht mit ihr identifizieren konnte. Erst als sie eine Entwicklung durchläuft, wird sie für mich nach und nach interessanter.
Fazit:
Der Roman hat mir insgesamt gut gefallen. Da ich ihn im Rahmen einer Leserunde gelesen habe, habe ich ihn langsamer gelesen, als ich sonst Bücher lese. Doch in den einzelnen Leseabschnitten steckten so viel Gesprächsstoff und so viele Themen und Fragestellungen, die man sich als Leser stellen konnte, dass das langsame Lesetempo sehr sinnvoll war. Es gab vieles, mit dem ich mich bei der Lektüre intensiv auseinander gesetzt habe: die Welt der Dämonen, der Avatar, die Legion, die Figuren, Gut oder Böse, etc.
Und manchmal, ich muss es zugeben, brauchte ich nach einem besonders heftigen Abschnitt auch eine Verschnaufspause. "Rotes Gold" ist kein leichter oder heiterer Fantasyroman - und das soll er gar nicht sein. Er soll zum Nachdenken anregen, dennoch ist er gleichzeitig sowohl spannend, mitreißend durch seine Figuren und faszinierend durch seinen außergewöhnlichen Weltenentwurf. Die Beschreibung der Figuren und ihre Entwicklung ist gut von Robert Corvus umgesetzt, sodass man sich als Leser auch hier immer wieder traut, die komplexn Charaktere kritisch zu hinterfragen und sich nicht auf anfängliche Sympathien und Antipathien zu verlassen.
Ich vergebe 4,5 Sterne (aufgerundet auf 5) für diesen Roman und bin schon gespannt, wie es mit den Figuren im 2. Band weitergeht.
Eine grimmige, aber leider auch sehr zähe Leseerfahrung für mich.
In "Rotes Gold" steckt zweifellos ein gewisser Ideen-Reichtum. Die Welt, die hier rund um die Söldnerkompanie des Schwertfeuers geschaffen wird, ist von allerlei Magie, Dämonen und bizarren Riten geprägt. Der Autor nimmt sich auch viel Zeit, diese liebevoll auszugestalten. Auch die zentralen Figuren sind definitiv herausstechend. Die Söldnerin Eivora dank ihres kleinen Salamanders, der sie stetig begleitet, und insbesondere Chastro-Ignuto, der eine völlig verrückte wie grausame Kreation darstellt.
Was die Brutalität dieses Dark-Fantasy-Romans angeht, so wird hier nicht im Geringsten zurückgehalten. Einige Akte, die hier beschrieben werden, sind geradezu barbarisch und gnadenlos fies. Ich hatte beim Lesen jedoch nie den Eindruck, dass es sich hier um Gewalt zum Selbstzweck handelt. Stattdessen nährt sie den Eindruck einer Welt, die sich nicht um Fairness und Gerechtigkeit schert, und wo grausame Tode allgegenwärtig sind. Das ist in meinen Augen sehr gelungen.
Jedoch änderte es für mich nichts daran, dass dieser Roman sehr zäh zu lesen war. Zu häufig war mir der sehr behäbige Schreibstil ein Dorn im Auge. Unnötig lange Erklärungen und umständliche Formulierungen sorgten für ein sehr behäbiges Lesegefühl, dass selten eine wirkliche "Mitten drin"-Stimmung erzeugte. Die Dialoge schwankten zwischen rau und charmant bis hin zu blass und langweilig. Alles in Allem las es sich wie ein Roman, der definitiv noch etwas Feinschliff hätte vertragen können.
Hinzu kommt, dass die eigentliche Geschichte nicht allzu packend daherkommt. Die Söldner erhalten den Auftrag, bei der Eroberung einer Stadt mitzuhelfen. Es dauert eine Weile, bis sie an Fahrt aufnimmt, und nimmt sich auch im Anschluss Zeit, bis das Geschehen endlich ins Rollen kommt. Erst im letzten Drittel beginnt es, plötzlich spannend zu werden, mit einer schockierenden Wendung, die ich so nicht habe kommen sehen, und der Hauptfigur Eivora, die sich plötzlich nahezu auf sich allein gestellt in einer sehr brenzligen Lage befindet. Jedoch ist es bis dahin ein langer und holpriger Weg.
Wer sich an dem Schreibstil nicht stört, dürfte diesen Roman wohl eher genießen. Er ist definitiv grimmig und gnadenlos und hat so einige nette Ideen, doch ich selbst habe wirklich lange gebraucht, weil ich nicht allzu oft die Lust zum Weiterlesen verspürt habe.
Das war mein erster Ausflug in die Welt der Dark Fantasy und ich bin mir nicht sicher, ob mir das Genre zusagt. Es liegt sicherlich nicht am Autor, dass ich dem Buch nur 3 Sterne verleihe; Bewertungen sind ja auch immer vom eigenen, subjektiven Geschmack abhängig, was gefällt einem, was gefällt einem nicht.
Was ich sehr mochte, war der große Einfallsreichtum und der liebevolle Weltenbau mit all den Details wie z.B. die Architektur des Tempels des Basäon und Kleinigkeiten wie das Windspiel, das Fiafila so wichtig ist und das Chastro-Ignuto aus reiner Mutwilligkeit zerstört; ich fand das Konzept mit den Avataren spannend und mochte die Idee sehr, das Eivora einen Feuersalamander mit sich herumträgt. 4 Sterne allein für all diese Ideen und die Freude, die sie beim Lesen bereiten, denn ich mag es sehr, wenn Autoren sich auch bei Kleinigkeiten solche Mühe geben.
Was mir aber gar nicht gefallen hat - und das ist natürlich dem Genre und all den Dämonen & Co. geschuldet, denn das ist ja hier nicht die Geschichte eines Ponyhofs -, das waren all die "kleinen" Grausamkeiten, die in ihrer Beiläufigkeit so schrecklich waren. Mir fällt da z.B. das Quälen eines Kaninchens ein, oder auch recht gleich zu Anfang die Schilderung einer Vergewaltigung, die gar nicht sehr lang und auch nicht sehr wortreich war, aber einfach furchtbar in ihrer brutalen Kürze. Vielleicht liegt es an meinem Alter, vielleicht daran, dass ich eine Frau bin, vielleicht daran, dass ich selbst Haustiere habe, aber ich fand diese beiläufig eingestreuten Szenen einfach fürchterlich und sie haben mir viel Lesefreude genommen. Dafür ziehe ich einen kompletten Stern ab.
Aber: ich bin mit dem Genre noch nicht fertig und mit dem Autor schon gar nicht. In meinem Regal steht noch ein Buch von Robert Corvus und ich bin schon sehr gespannt, was er sie da ausgedacht hat. Wenn mich "Rotes Gold" auch nicht komplett vom Genre der Dark Fantasy überzeugt hat, so hat das Buch aber den Autor auf meine "Watchlist" gebracht, denn Autoren, die ihre Romane mit solcher Fantasie und Hingabe schreiben, gebe ich gern eine zweite und auch dritte Chance.
Auf jeden Fall mal reinlesen - nicht jeder ist so empfindlich wie ich!
Das Leben eines Söldners ist einfach, mag man meinen. Er dient dem Höchstbietenden und verkauft ihm sein Schwert. Einstmalige Feinde können morgen schon der neue Auftraggeber sein. In »Rotes Gold«, dem Auftakt seiner Schwertfeuer-Saga, zeigt uns Autor Robert Corvus, dass die Dinge nicht immer so leicht sind.
Kester führt den Klingenrausch, eine der schlagkräftigsten Söldnerlegionen, seit Jahren von einer ruhmreichen Schlacht in die nächste. Doch seine Stunde hat geschlagen, er wird ermordet. Der Klingenrausch droht zu zerbrechen, und seine Tochter Eivora hat alle Hände voll zu tun, dies zu verhindern. Durch einen findigen Trick bewegt sie die Führer er Einheiten zur Zusammenarbeit, damit ihnen ein ausgesprochen lukrativer Auftrag nicht durch die Finger geht. Es gilt Ygôda zu erobern, eine Stadt, die als uneinnehmbar gilt. Für Eivora gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ein ruhmreicher Sieg oder sie folgt ihrem Vater in die Hölle der Dämonen.
Was man Corvus auf jeden Fall zugutehalten muss, ist die mutige Sichtweise. Seine Identifikationsfiguren sind Söldner, und das heißt, dass der Leser hautnah miterlebt, wie Tempel geplündert und seine Priesterinnen geschändet werden. Nicht wirklich etwas, mit dem man sich üblicherweise identifizieren kann. Das klappt jedoch insofern dennoch, als dass Eivora, eine der Hauptpersonen, als Gegenpol zu dem ausgesprochen grausamen Chastro-Ignuto steht. Sie, zwar noch immer eine Söldnerin, hat Beweggründe, die den meisten Lesern einleuchten und nachvollziehbar sind.
Chastro-Ignuto selbst ist ein sehr interessanter und gelungener Charakter. Man erfährt gleich zu Anfang, dass er ein sogenannter Avatar ist, das heißt, ein Medium für einen Homunkulus genannten Dämon, der als Parasit aus seiner Schulter wächst. Zunächst erscheint er nur als sinnlos grausamer Mistkerl, doch im Laufe der Geschichte erfährt man mehr darüber, was es mit Ignuto, dem Homunkulus, auf sich hat. Er lebt nicht nur von Chastros Körper, sondern kann sogar aktiv Einfluss auf ihn nehmen, das sogar so weit geht, dass er nahezu völlige Kontrolle über Chastros Geist hat. Chastro selbst hatte, als er den Homunkulus annahm, gedacht, dass es etwas Großartiges sei, lernte jedoch mittlerweile, dass er einen Fehler gemacht hatte. Er empfindet Abscheu vor sich und den Taten, zu denen er von Ignuto gezwungen worden war. Das ist sehr gelungen, weil das auch aus Chastro-Ignuto einen lesenswerten und vielschichtigeren Charakter macht.
Corvus hat viele schöne Ansätze für sein Worldbuildung eingeflochten. Der Homunkulus ist einer davon. Auch über den Dämonenkult zu lesen, dem die Söldner anhängen, war sehr interessant, weil das ebenfalls nicht unbedingt das ist, was man sonst in einer mehr oder weniger quietschbunten klassischen Fantasywelt geboten bekommt. Und quietschbunt ist hier herzlich wenig.
Der Blick, den der Leser auf die Welt des Klingenrauschs bekommt, ist sehr kanalisiert. Das geht damit einher, dass man nicht unbedingt so viel über die überregionalen politischen Verhältnisse, Ländergrenzen und dergleichen mehr erfährt, das passt jedoch sehr gut. Für Söldner spielen diese Dinge schließlich keine große Rolle. Wer gestern noch bekämpft wurde, kann morgen schon der neue Vertragspartner sein, um nun die Waffen gegen seinen Vorgänger zu erheben.
Das Buch bietet exakt das, was man bei seinem Klappentext erwartet. Das heißt, dass es eine gute und solide, wenn auch nicht umwerfende Handlung hat, die jedoch sehr arm an überraschenden Wendungen ist. Lediglich wortwörtlich die allerletzten Zeilen halten eine wahre Bombe bereit, die unheimlich viel Lust auf den nächsten Band macht!
»Rotes Gold« ist auf jeden Fall ein lesenswertes Buch, das einiges zu bieten hat. Vor allem die Charaktere abseits der üblichen Fantasy-Tropes stechen dabei heraus.
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