Es ist Abend, dunkel. Im Elbtunnel herrscht wie immer Stau. Plötzlich ein Schuss. Der Fahrer eines weißen Geländewagens sackt über dem Lenkrad zusammen. Der Täter entkommt unerkannt. Ein Amokläufer? Der Beginn eines Bandeskrieges? Alle Spuren führen ins Nichts. Und dann interessiert sich mit einem Mal ein amerikanischer Geheimdienst für den Fall. Hauptkommissar Adam Danowski gilt trotz seines jüngsten Ermittlungserfolges als unberechenbar. Auch diesmal geht er eigene Wege. Die führen in eine Neubausiedlung inmitten weiter Moorwiesen am Rande der Stadt, an verlassene Orte und düstere Geheimgänge.
Nachdem ich schon mit Treibland den ersten Fall von Adam Danowski gelesen habe und nicht wirklich begeistert war, habe ich mich dem zweiten Fall zugewandt. Es finden sich schnell Parallelen. Treibland wurde nach 330 Seiten ( von 500 ) spannend und zum Thriller, Blutapfel nach 280 Seiten ( von 470) dort ist ein Kreuzfahrtschiff der Brennpunkt, hier sind es lost Places, beide spielen in meiner Heimatstadt. Das fulminante Finale mit überraschenden Wendungen entschädigt dann aber für den mittelmäßigen Anfang.
Er ist ein netter Nachbar und er hilft wo er nur kann, Bäume beschneiden, Reifen wechseln. Aufopferungsvoll kümmert er sich um seine alt gewordenen Eltern. Wieso also wird Oliver Wiebusch im Elbtunnel mit zwei Schüssen in seinem Auto getötet. Adam Danowski nach seinem Pestschiff-Fall eigentlich auf dem Abstellgleis gelandet, muss mit seiner neuen Partnerin Meta Jurkschat nach einer Panne die Ermittlungen übernehmen. Im Kommissariat wird er wegen seiner Hypersensibilität fast schon gehänselt, sein alter Partner Finzi ist nach einer Art Alkohol-Rückfall im Pflegeheim. Danowskis Leben befindet sich im Umbruch und seine Nachforschungen führen ihn in den Untergrund Hamburgs.
Erstaunlich, was sich unter den Häusern und Straßen vieler Städte verbirgt. Ob London oder Berlin und nun eben Hamburg, irgendwie lässt sich darum immer ein spannender Krimi konstruieren. Dieses Geheimnisvolle der ungenutzten, verlassenen Gänge und Orte. Wenig bekannt in der Bevölkerung und dennoch die Neugier weckend. Was kann sich dort alles zutragen, schon die möglichen Fluchtwege regen die Phantasie an. Und wenn das auch noch das Opfer gleiche mehrere geheime Leben zu haben scheint, erwartet man gebannt eine Enthüllung nach der anderen. Diesen kommt Kommissar Danowski zwar nur langsam aber doch stetig näher, häufig mit sich selbst beschäftigt, mit seinem Ringen um Ruhe und Gelassenheit, gewinnt man doch den Eindruck, dass er zusammen mit den richtigen Partnern einfach nur Verbrechen bekämpfen möchte. Die Teilzeitschiene mag man ihm nicht so richtig abnehmen. Und so stellt er auch ein ums andere Mal mit der Ausrede des „Letzten Mals“ die Ermittlungen vor sein Privatleben.
Etwas beklemmend, was sich da nach und nach vor den Augen des Lesers entblättert. Nicht nur die vielfältigen Möglichkeiten der Nutzung des Untergrunds, auch die Vielschichtigkeit des Opfers machen Nachdenklich. Schließlich sind Räume neutral, den Menschen kann man jedoch immer nur vor den Kopf gucken. Findet man heraus, was sie alles zu verbergen haben, können sich schon mal die Nackenhaare aufstellen. Dennoch kann es einen gerechten Mord nicht geben. Zwar gibt die internationale Komponente dem Fall eine Besonderheit, wirkt aber doch ein wenig fremd. Sei es drum, Adam Danowski, Finzi und Jurkschat möchte man gerne wieder begegnen. Und auch die mit Durchblick gesegnete Chefin sollte sich das mit dem Ruhestand noch mal genau überlegen, so leicht ist sie nicht zu ersetzen.