Иозеф Винклер родился в 1953 году в деревне Камеринг в земле Каринтия на юге Австрии и описывает в произведениях свое крестьянское религиозное воспитание. Своей темой Винклер избрал смерть и ее ритуалы. Маленький мир, который его окружает, становится отражением безжалостного большого мира, а образы дает ему католическая религия, изображаемая как союзница смерти, так как она уже тысячелетия пытается лишить людей многих сторон жизни. Сам Винклер немыслим без католицизма, его гомосексуальные мечты и переживания неотделимы от мира распятий и облаток, исповедей и сладковато пахнущих плесенью молитвенников и помпезных похоронных обрядов.
Der dritte Roman von Winkler, 1982 bei Suhrkamp erschienen. Wir bleiben in Kamering, wir bleiben in der Betroffenheit um den Selbstmord von Jakob und Robert und wir vertiefen uns in die traumatisierende Kinder- und Jugendzeit des feinsinnigen Außenseiters, der außerdem noch auf der Suche nach seiner sexuellen Identität ist, schwankend zwischen Transvestiten, Homosexuellem oder doch bisexuell. Pubertierende männliche Sexualität spielt eine große Rolle. Am Ende dann die Hinwendung zur Geschichte der russischen im 2.Weltkrieg in diese Gegend verschleppte und hängengebliebene Zwangsarbeiterin, die ja eigentlich aus der Ukraine kam. Winkler wird im Folgeroman wohl mehr darüber berichten. Mit Muttersprache endet auch diese autobiografische Trilogie, die von Suhrkamp 1995 herausgegeben wurde: Menschenkind; Der Ackermann aus Kärnten; Muttersprache. Sorachgewaltig wieder, Erinnerungsfetzen und Assoziationen, keine wirklich durchgehende Erzählung, wenn auch der rote Faden, vom schwächlichen für die Bauernarbeit ungeeigneten Sohn über den mehrfachen Schulabbrecher zum Autor ersichtlich ist. Am besten kann man die Idee des Buches wohl anhand der Zitate erkennen, die Zahlen sind Seitenangaben aus der Ausgabe der Trilogie, die als Das wilde Kärnten erschienen ist: In jeder Jahreszeit versetze ich mich in die Jahreszeit meiner Kindheit und Jugend und schreibe der Vergangenheit entgegen.(523) Ich war, wie meine Mutter zu sagen pflegte, in eine falsche Welt hineingeboren worden. Ich habe nicht begreifen können, dass ich ein Bauernkind bin. Ich habe mir immer vorgestellt, dass ich einen Lehrer als Vater, die Frau eines Lehrers, die vielleicht selbst Lehrerin ist, zur Mutter habe. (534) Ans Kreuz mit ihm, er hat der Oma vom Totenbett weg Geld gestohlen, um Winnetous Erben lesen zu können, … , er hat gelesen und gelesen, während er auf den Heuaufzug wartete, er hat gelesen, während er die Rinder, Kühe und Pferde auf den uneingezäunten Feldern hüten musste, während wir Heu mit der Gabel auf die Fuhre hoben und den Schweiß von den Stirnen wischten (550) Selbst Gott will angebetet werden, man verehrt ihn mehr als die Menschen, und man verachtet ihn nicht einmal, wenn er einen Menschen sterben lässt (551) Er [der Vater] wusste nicht, dass diese mechanische Schreibmaschine mein erstes Werkzeug sein sollte, das mir half, wie ein Mineur einen Stollen zu erarbeiten, einen Berg zu durchbrechen, um an der anderen Seite ein neues Licht zu erblicken … die Schreibmaschine wies den Weg in die Freiheit, sie konstruierte den Abschied von den Eltern Anschlag für Anschlag, Zeile für Zeile, Seite für Seite, Buch für Buch. (565) Nicht befreit, neuerlich geknechtet hat mich die Beschreibung meiner Kindheit und Jugend, denke ich, (584) Ich vollende nichts, ich schließe nichts ab, was ich sage, ist immer nur fragmentarisch, Blitzlichter sollen es sein, die die Landschaft meiner Kindheit und Jugend erleuchten, aber sofort wieder ins Dunkle hüllen (592) Auf Seite 612 nimmt Winkler auf einen italienischen Doppelmord 1980 Bezug, 2 homosexuelle Freunde lassen sich von einem 13jährigen erschiessen. Dieser sogenannte Giarre Mord hat sogar einen Wikipedia Eintrag https://en.wikipedia.org/wiki/Giarre_.... Winkler sieht hier eine Parallele zum immer wieder erwähnten Doppelselbstmord der Freunde Jakob und Robert in Kamering. Die Hostie ist die größte Prostituierte Österreichs (617) Im Elternhaus habe ich Unruhe gestiftet, in den Bildungsstrafanstalten habe ich Unruhe gestiftet, immer und überall werde ich Unruhe stiften. Was ich schreibe und denke soll ebenfalls Unruhe stiften. (630) Unglaublich tolle Steigerung: Er [der Christebaueradam] hat das erstens seit Jahren vor Schmerzen geschrien, als er die beiden toten Buben vom Strick genommen hat. Die Mutter Jakobs ist mit einem Schrei auf den Lippen in Ohnmacht gefallen, … Jakobs Bruder, Vater, Schwester und Großvater haben schreiend ihre Hände zum Gekreuzigten hochgehoben … Alle Tiere blickten in den Herrgottswinkel des Stalls, als der Strick zuckte. Die Hostien im Tabernakel begannen zu bluten. Die Löwenzähne schlossen ihre gelben Köpfe. Die übrigen Kalbstricke verwandelten sich zu Kreuzottern und verließen giftsprühend den Hof. Die Selbstmörder in den Gräbern klatschten in die Hände … (698) Der Pfarrer dieses Dorfes sagte, dass es Dinge gibt, über die man nicht sprechen sollte, und ich stelle mir vor, nur mehr über Dinge zu sprechen, über die man nicht spricht, nur diese Dinge interessieren mich und nichts anderes mehr.(727) Über Literatur reden ist etwas anderes als schreiben, wie über den Tod schreiben etwas anderes als sterben ist (786) Jeden Tag trug er seine Beobachtungen in ein Tagebuch ein und sei es nur die Notiz, Heute habe ich wieder nichts gesehen, was ich hier eintragen und später lesen könnte.(808) Am Ende des Romans geht es um Warwara Wassiljewa, die ehemalige ukrainische (russische) Zwangsarbeiterin, die im Drautal blieb. In ihrem Haus hat Winkler den Roman Muttersprache geschrieben. Sie wird die Hauptfigur seines Folgeromans Die Verschleppung sein. Die letzten Sätze: Hinter der Waldgrenze pflückte er ein paar gefrorene Enziankelche, hob sein „rosenquarzfarbenes“ Kleid aus „Sonnemseide“ hoch und steckte mehrere Enzianblüten zwischen den verstärkten Rand seines glitzernden Nylonstrumpfes und seinen Oberschenkel. Als er am wasgrechten Querbalken de Gipfelkreuzes die Aufschrift, „Bleib unserer schönen Heimat treu“ las, schrie er, Hitler von Nazareth, König der Juden. Er riss das Gipfelkreuzbuch aus seiner Verankerung, las die großzügigen Unterschriften, die Berg- und Heimatlandsprüche und schrieb „Ich danke Gott für die Fehler in seiner Schöpfung“ hinein.
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