Cave Canem
Eigentlich. Eigentlich will Psychotherapeutin Iris Forster nur ihrer Freundin Ulrike, der Freundin ihres guten Freundes Johannes, einen Gefallen tun. Deren Cousin Sebastian leidet an schwerer Prüfungsangst. Doch Sebastian hat diese nur erfunden, um einen Termin bei Iris zu erhalten – ihn Wirklichkeit plagen ihn ganz andere Probleme und sie scheinen mit seiner Kindheit zu tun zu haben, mit dem Tod seiner Eltern. Bald gibt es Zweifel an deren Todesursache. Gleichzeitig häufen sich seltsame Todesfälle junger Mädchen, die einander ungewöhnlich ähneln. Die ersten Fälle waren als Unfalltode deklariert worden, doch daran gibt es immer mehr Zweifel. Plötzlich rückt Sebastian in den Fokus der Ermittlungen und Iris sieht sich in dem Umfeld ihres erst kürzlich mit Freund Tobias erworbenen Eigenheims starken Anfeindungen gegenüber. Doch kann es ein „Mörder-Gen“ geben?
Wow, das war wirklich ein Pageturner. Das, was Fiona Limar hier als dritten Band der Reihe abliefert, hatte ich schon einmal als „Psycho-Krimi“ bezeichnet: spannend wie ein Psychothriller, ohne Ekelfaktor durch irgendwelche sadistischen Übergriffe oder Folterszenen, dabei so geschrieben, dass man als Leser jederzeit mit ermitteln kann wie im klassischen Krimi, ohne aus dem Hut gezaubertem Täter. Zum Einstieg in die düstere Atmosphäre wählt sie diesmal eine Art Traumsequenz, danach gibt es wenig Gelegenheit zum Atemholen. Was mir in Band 2 ein wenig zu kurz kam und schon in Band 1 toll war, kommt hier wieder ausgiebig zum Tragen: dabei zu sein bei diversen Behandlungen in Iris‘ Praxis, nicht nur bei denen, die mit dem Fall zusammenhängen (die Autorin ist aus der Branche, das merkt man positiv, aber vollständig Laien-geeignet).
Dazu hat sich Frau Limar einen geschickten Trick einfallen lassen, damit der Leser wirklich bei den komplizierten Familienverhältnissen von Ulrike und Sebastian durchsteigt: sie lässt einfach Iris‘ Mentorin Ruth, mit der Iris in Praxisgemeinschaft arbeitet, nochmals dazu nachfragen, so dass Iris alles zusammenfassen kann (das wäre mal ein Tipp für Nele Neuhaus…). Auch, dass die junge Psychotherapeutin erneut in einen Kriminalfall verwickelt wird, finde ich hier nachvollziehbarer als in Band 2. Dafür fehlen hier fast vollständig die sonst für die Forster-Krimis typischen Hinweise zu Sehenswürdigkeiten, von den Eifelausflügen abgesehen, auch das Sagen- und Mythenthema wird diesmal eher kurz abgehandelt – ich erwähne das nur der Vollständigkeit halber, das Fehlen störte mich nicht, die Verwendung dieser bisherigen Charakteristika hatte aber auch bei Band 1 nicht gestört. Dafür spielt ein sehr lieb gewonnener besonderer Helfer aus Iris' Umfeld dieses Mal eine ganz wichtige Rolle. Die Bücher kann man übrigens auch komplett einzeln lesen, da sie zwar chronologisch nacheinander handeln, aber nicht zwingend aufeinander aufbauen.
Insgesamt hatte ich das Gefühl, hier genau richtig zu sein: 5 Sterne. Her mit dem letzten Band.