Was uns wirklich bedroht und wie wir richtig damit umgehen Nahezu täglich bringen uns die Medien neue steigende Kriminalität, Vogelgrippe oder Elektrosmog. Wird unser Leben nicht immer gefährlicher, unsicherer, risikoreicher? Ortwin Renn, international anerkannter Risikoforscher, nein. Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt beständig, in vielerlei Hinsicht geht es uns immer besser. Wie fürchten uns, so Renn, vor "falschen" Gefahren, verschließen aber die Augen vor Risiken, die uns und unsere Nachwelt erheblich bedrohen. Renn zeigt, welches diese sind, warum wir sie unterschätzen und wie wir im Sinne der Nachhaltigkeit verantwortungsvoll damit umgehen können.
Der Stuttgarter Umwelt- und Techniksoziologe Ortwin Renn erläutert in diesem Buch die Wahrnehmung und Verarbeitung von Risiken in der Gesellschaft: Sterben wir alle demnächst an Ebola? Besteht eine große Gefährdung durch Genfood? Renn macht deutlich, dass durch die mediale Darstellung von Risiken und die Art und Weise, wie Menschen intuitiv Risiken bewerten (mithilfe von ungeeigneten, evolutionär aber sinnvollen Heuristiken), bestimmte Risiken als viel bedrohlicher wahrgenommen werden, als sie eigentlich sind.
Gleichzeitig unterschätzen wir andere, sogenannte systemische Risiken, etwa mögliche Krisen des globalen Finanzwesen. Diese Risiken sind durch eine hohe Vernetzung von Teilsystemen gekennzeichnet: Ein eigentlich lokales Problem (etwa die amerikanische Subprime-Krise) löst in der Folge eine globale Kettenreaktion aus. Die Dynamik dieser Risiken ist non-linear und schon kleinste Veränderungen können schwerwiegende Folgen auslösen.
Im letzten Teil des Buchs zeigt Renn Möglichkeiten auf, in Zukunft systemische Risiken zu minimieren und die globale Wohlfahrt zu erhöhen. Er geht dabei insbesondere auf die Allmendefalle ein, also das Problem, dass gemeinsame genutzte Ressourcen immer übernutzt werden, wenn es für den Einzelnen keinen Anreiz gibt, sein Wohl dem der Gesamtheit unterzuordnen.
Renns Darstellung ist lesenswert, klar strukturiert und in einer gut verständlichen Sprache verfasst. Auch der sehr sorgsam verfasste Anmerkungsapparat und einige online verfügbare Exkurse zu bestimmten Themen verdienen Lob. Renns Tendenz zu Wiederholungen von Schlagwörtern und einige überflüssig detaillierte Erörterungen führen dazu, dass das Buch um gut zweihundert Seiten zu lang ist und dem Leser stellenweise etwas Geduld abverlangt. Nichtsdestoweniger ist "Das Risikoparadox" für alle interessant, die ihren eigenen Blick für Risiken schärfen und in Zukunft besser in der Lage sein wollen, die täglich auf uns einprasselnden Untergangsbotschafen wie auch die grenzenlose Euphorie einiger Milliardäre aus dem Silicon Valley richtig einordnen zu können.