Der wahre Gentleman ist immer ein Junge der Tat: Thabo will eines Tages ein echter Gentleman werden. Oder noch besser: ein Privatdetektiv wie im Film. Dumm nur, dass es im afrikanischen örtchen Hlatikulu noch nie einen Kriminalfall gab. Doch dann wird im angrenzenden Safaripark ein Nashorn wegen seines kostbaren Horns ermordet. Und ausgerechnet Vusi, Thabos Onkel, gerät in Verdacht. Und weil Onkel Vusi nicht gerade ein schnelles Gehirn besitzt, liegt es an Thabo und seinen Freunden, den wahren Nashorn-Mörder aufzuspüren. Thabo von Kirsten Boie ist ein unterhaltsamer Kinderkrimi vor exotischer Kulisse.
Kirsten Boie was born in Hamburg in 1950. She studied German and English literature and wrote a doctoral thesis on a topic in the field of literary research. She worked as a secondary school teacher in Hamburg from 1978 until 1983. When she adopted a child she had to stop teaching and began to write. Her first book "Paule ist ein Glücksgriff" (1985) was very well received and won several awards.
Since then she has published more than 60 books for children and teens that have been translated into many languages. Special mention must be made of her novels for young adults that critically examine social issues and display literary innovation. In addition to the many awards she has won, her complete works have been nominated for the Hans Christian Andersen Award three times (in 1999, 2001 and 2003). Kirsten Boie lives with her family near Hamburg.
Thabo lebt in Swasiland, dem kleinen Königreich mitten in Südafrika, dessen absolutistischer Herrscher durch seine Verschwendungssucht bekannt wurde. Swasiland hat die höchste Aidsrate der Welt. Die Waisen der vielen Aidstoten werden von ihren Großmüttern oder ihren – oft überforderten - Geschwistern aufgezogen. Auch Thabo ist Aids-Waise. Er lebt bei seinem Onkel Vusi, der als Wildhüter einer Gästefarm Safaris für Touristen durchführt. Für seine Unterkunft bei Onkel Vusi arbeitet Thabo mit auf der Gästefarm. In der Realität haben Menschen wie Onkel Vusi 16-Stunden-Tage, so dass man sich als erwachsener Leser hier fragt, wie lange die Männerwirtschaft von Onkel und Neffe wohl gut gehen wird. Thabo ist mit dem weißen Mädchen Emma befreundet, deren Großtante Agatha als einer der letzter Vorposten des britischen Empire britische Lebensart pflegt. Agathas britischer Vater war Rinderfarmer und wie viele weiße Familien Südafrikas leben Emmas Eltern inzwischen vom Tourismus.
Die Miss-Marple-Filme, die Thabo mit Miss Agatha gemeinsam ansieht, haben sein Interesse am Detektiv-Spielen geweckt. In so altväterlicher Art, dass man sich den Jungen wie einen Zirkusdirektor mit Goldknöpfen und Zylinder vorstellt, spricht er Kirsten Boies Leser verschnörkelt mit „meine Damen und Herren an“. Nicht nur seit Emma im Internat ist, hat sich die Freundschaft zwischen den Kindern verändert; auch Thabos Freundschaft mit dem Jungen Sifiso leidet zunehmend unter Sifisos Eifersucht auf Miss Agatha und Emma. Sifiso und Emma möchten jeder gern Thabos bester Freund und Assistent sein. Sifisos Kindheit war mit dem Tod seiner Eltern beendet; er ist nun allein für seine jüngeren Geschwister verantwortlich. Sifisos Lebensbedingungen zeigen, dass Elektrizität in einer einfachen Hütte im südlichen Afrika so wenig selbstverständlich ist wie ein regendichtes Grasdach. Nicht alle Kinder werden jeden Tag satt. Wie lange wird der Junge seine Verantwortung für die jüngeren Geschwister überhaupt allein tragen können?
Thabo und seine Freunde sind als Spürnasen gefragt, als ein Nashorn wegen seines wertvollen Horns gewildert wird und Onkel Vusi als Täter in Verdacht gerät. Da Vusi nicht gerade der schnellste Denker ist, wäre er ohne Thabos Unterstützung aufgeschmissen. Um Vusis Unschuld zu beweisen, muss Thabo Spuren sichern und ermitteln, wer ein Motiv und wer die Gelegenheit zur Tat hatte. Sein Miss-Marple-Wissen aus alten Schwarz-Weiß-Filmen muss auf die Verhältnisse in Swasiland herunter gebrochen werden. Doch aus dem Abenteuer wird schnell Ernst. Nicht jeder Erwachsene ist vertrauenswürdig und manches Urteil der jungen Detektive erweist sich als vorschnell.
In einen für ein jugendliches Publikum sehr exzentrisch wirkenden Rahmen alter Miss-Marple-Filme setzt Kirsten Boie einen für die beteiligten Kinder nicht ungefährlichen Fall von Wilderei. Die Figuren und ihre Beziehungen zueinander sind sehr liebevoll und realistisch gezeichnet. Allein die Miss-Marple-Thematik, die Erwachsene evtl. komisch finden könnten, finde ich Kindern von heute schwer vermittelbar, unabhängig davon ob das Thema Afrika für sie nun Neuland ist oder sie selbst bereits in Swasiland gewesen sind. Für Thabos Zirkusdirektor-Pose gibt es zumindest im ersten Band noch keine Auflösung, aber ein zweiter Band ist bereits angekündigt. Die Vermittlung der Lebensbedingungen von Aids-Waisen finde ich dagegen kindgerecht, unaufdringlich und frei von populären Klischees „armer Kinder in Afrika“. Kirsten Boie gelingt es hier mit wenigen Sätzen, das Unbegreifliche begreiflich zu machen. Hilfe für Sifiso wird es langfristig nur durch Hilfe von außen geben.
Ein spannender Kinderkrimi mit schrulligem Humor für Leser ab 10, der mitten zwischen Schlangen, Fledermäusen und Raubtieren spielt.
2,5 Sterne. Es war ok...ganz ehrlich ich fand den Fall langweilig, ich hatte ebenfalls das Gefühl, dass die Autorin auch das Land nicht korrekt repräsentiert hat. Es sah aus wie eine Sammlung an Sachen die weiße Leser von einem afrikanischem Land erwarten. Vielleicht kam es auch nur so rüber. Ich war noch nie in Swasiland. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es annährend so ist wie das Land vorgestellt wird.
Thabos größter Wunsch ist es, ein Detektiv zu werden, am liebsten so wie die in den englischen Filmen, die er mit der Tante seiner Freundin Emma schaut. Denn die Engländer haben Manieren und sind Gentlemen durch und durch. Doch was macht man, wenn in der afrikanischen Einöde, wo er wohnt, nichts los ist und kein Fall zu lösen ist? Doch dann wird ein totes Nashorn gefunden, ohne Horn. Eindeutig ein Fall für Thabo und seine Freunde. Vor allem als sein Onkel, ein Ranger, verdächtigt wird. Thabo will seine Unschuld beweisen, doch das wird schwieriger als gedacht, noch dazu werden sie auf eine falsche Fährte geführt und gelangen in die Fänge von einem gefährlichen Mann...
This entire review has been hidden because of spoilers.