Heute uber Migration nach Europa zu reden, heisst fast immer von der -Festung Europa- zu sprechen. Ins kollektive Gedachtnis haben sich seit uber einer Dekade die entsprechenden Bilder eingespeist: uberladene Schiffe, skrupellose Menschenhandler, anonyme Massen armer Fluchtlinge. Mal werden sie voller Empathie, mal mit Ablehnung betrachtet. Selten jedoch verlassen Forscher, Journalisten oder Politiker die abgesteckten Pfade dieses Mythos und fragen, was eigentlich wirklich an der Grenze, in der Migration, aber auch in den angeblichen Zitadellen der Macht vor sich geht. Das Forschungsteam TRANSIT MIGRATION hat das Migrationsgeschehen im Sudosten Europas untersucht und liefert spannende Thesen uber eine Region, die zunehmend zur Schnittstelle und zum Brennpunkt der Aus-, Ein-, Ruck- und Durchwanderung von Migranten und Migrantinnen geworden ist. Dabei werden aus Menschenhandlern lokale Transportunternehmer, aus armen Fluchtlingen Menschen mit Planen und Strategien und aus allmachtigen Behorden Institutionen der Improvisation, die dem Geschehen gleichsam hinterherrennen."