Erstmal vielleicht ein Lob: dafür, dass es ein Erstroman, geschrieben im Alter von 19 Jahren, ist, ist er wirklich gut. Aufgrund der Tatsache, dass ich bei Borns Tod und auch bei der eigentlichen Geschichte über Jespers Vaters Tod fast weinen musste, wollte ich erst 4 Sterne geben, aber ich habe auch einiges an Kritik.
Zum einen fand ich es doch wirklich etwas anstrengend, dass anscheinend am Ende die halbe Story nur halluziniert war, das fand ich etwas zu viel des guten. Zwar hab ich schon während des Lesens der Entführungsszene durch Juri und Jan damit gerechnet, dass dies wohl alles nicht so real sein könne, aber meiner Meinung nach war das alles dann trotzdem ein bisschen weit hergeholt. Es hätte irgendwie "phantastischer" sein müssen, wenn es eine Halluziantion war, irgendwie ein bisschen bizarrer, da hätte man noch einiges rausholen können und den Fakt, dass es nicht real ist, für ein paar spannende Kuriositäten ausnutzen können.
Mein nächster Kritikpunkt Jespers extrem unauthentisch wirkende Anhänglichkeit bezüglich Miri. Also sich so schnell etwas vergucken, okay, kann ich verstehen, aber nach der kurzen Zeit schon von Liebe zu sprechen fand ich unerträglich kitschig. Da hab ich dann auch Miris Reaktion nicht verstanden, die trotz seiner extrem überflüssigen und aufdringlichen Liebesgeständnisse noch "als Freund nicht verlieren" wollte. Völlig unglaubwürdig, ich denke nahezu jede Frau hätte sich an dem Punkt so schnell wie es nur geht aus dem Staub gemacht, nachdem jemand mehrere "neins" einfach ignoriert hätte.
Auch diese ganze Geschichte mit Hanna, come on. Schönes Mädel will ihn nicht, Mädchen von nebenan schon, er sieht es aber nicht, bis zum tollen happy end, wo er endlich das unscheinbare Mauerblümchen wahrnimmt. Echt? Sehr schade, dass dieses Klischee mal wieder zum 42736486348623746238 in einem Buch ausgeschlachtet werden musste, diese ganze Liebesgeschichte hätte sich Herr Wells sparen können, darunter hätte der Roman nicht gelitten.
Auf der Rückseite meiner Ausgabe steht: "Benedict Wells findet starke Worte für die Orientierungslosigkeit seiner Generation. Ein wunderbares Buch über die Angst vor dem Erwachsenwerden, teilweise brüllend komisch." (Lilo Solcher) Ich finde das so nicht korrekt. "Unsere" Generation wird immer wieder gern als orientierungslos abgestempelt und ein chaotischer Roman über einen 20-Jährigen kommt da natürlich gerade Recht, um das Klischee erneut zu umarmen. Ich finde aber, dass das mit Spinner überhaupt nichts zu tun hat. Ich denke es geht um Depressionen, um die Entfremdung von geliebten Menschen, um Verzweiflung und vor allem um das Phänomen, dass all das dem betroffenen gar nicht auffällt. Es geht hier nicht um eine bestimmte Generation, nichtmal zwangsläufig um das Erwachsenwerden. Es geht darum, dass man manchmal im Leben Hilfe benötigt und sich nicht schämen muss das zuzugeben. Jedenfalls sehe ich das so, sorry Lilo.