Ich bin ein Eliade-Fan und genau deswegen habe ich den Roman gelesen. Hat der Roman mir gefallen? Eher nicht… Würde ich ihn empfehlen? Unter gewissen Bedingungen absolut.
Der Anfang ist sehr interessant und beschreibt ein Mysterium: Cesare, der Bibliothekar, beobachtet ein sexuelles Ritual, das dazu führt (ohne zu viel vorwegzunehmen), dass er in der nahen Zukunft blind wird.
Was folgt, sollte für eine interessante Geschichte sorgen, tut das aber nicht. Die Ereignisse werden schnell langweilig und sogar langwierig. Die Diskussionen zwischen den Figuren finden in einer schwer zu begreifenden Sprache statt. Eliades Duktus wirkt auf mich künstlich und manchmal unbegreifbar. Er benutzt viele narrative Techniken, u. a. den Bewusstseinsstrom und sehr häufige Perspektivwechsel. Wenn ich ehrlich bin, ist das kein angenehmes Leseerlebnis.
Ich habe mich sogar dabei ertappt, wie ich beim Lesen manchmal das Opfer meines eigenen Bewusstseinsstroms geworden bin, was mir bei der Lektüre eines Eliade-Textes normalerweise nicht passiert. Alles in allem ist das kein einfach zu lesender Roman. Deswegen musste ich einige Passagen erneut lesen.
Habe ich den Roman genossen? Eigentlich, wenn ich darüber nachdenke… ja! Hier beobachtet man, wie die großen Themen der eliadischen Literatur entstehen: die Zeit, wie man der persönlichen oder historischen Zeit entfliehen kann (oder nicht), die Stadt ohne Namen, die Figuren mit zu oft mit „M“ anfangenden Namen (im Rumänischen von „mântuire“ – Absolution), die Zwiespältigkeit zwischen der Realität und Irrealität, vertane Chancen zur Erlösung usw.
Zwischen den Zeilen kann man den Samen dessen erkennen, was das Wesen eliadischen Literatur sein wird. Deswegen, wenn man ein echter Eliade-Fan ist, sollte man unbedingt dieses Buch lesen. Wer noch nicht fast alles, was er geschrieben hat, gelesen hat, sollte vielleicht das Lesen dieses Buches aufschieben.