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Y

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„Ich versuche ständig, mit der Fremde warm zu werden. So wie ich nicht anders kann, als mit der Wärme zu fremdeln.“ In Deutschland lernen sie sich kennen. Im kriegszerstörten Kosovo können sie nicht zusammenbleiben. Nur ihrem Sohn gelingt es, die alten Grenzen hinter sich zu lassen. Jan Böttcher hat einen großen europäischen Roman geschrieben: die Geschichte einer ungleichen Liebe zwischen Nord und Süd, Heimat und Fremde, Schicksal und Selbstbestimmung. »Ein Roman, der grenzübergreifend relevant sein wird.« Saša Stanišić »So spannend wie erhellend – dieser Roman ist ein Tanz der Lebenslust in Todesnähe. Und eine der traurigsten Liebesgeschichten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe!« Moritz Rinke

255 pages, Hardcover

Published February 12, 2016

14 people want to read

About the author

Jan Böttcher

15 books2 followers
German author and musician.

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Displaying 1 - 7 of 7 reviews
510 reviews16 followers
September 15, 2020
Brauch oder Bruch

(Titel nach S. 244)

Die Handlung beginnt damit, dass wir von einer Vater-Sohn-Beziehung aus Sicht des Vaters als durchgängiger Ich-Erzähler lesen – Benji ist vierzehn, pubertierend, die Eltern schwanken zwischen Laissez-faire und Regeln, der Sohn schwankt dazwischen, den Vater als peinlich zu empfinden, wie ein Kind vom Vater die Lösung aller Problem zu erwarten, zu trotzen oder sich zu entziehen. Dann wechselt der Fokus (wirklich?) über einen Freund Benjis namens Leka (für „Alexander“), der sich für einige Tage einquartiert, dann verschwindet. Der Vater Benjis begegnet Lekas Vater, Jakob – und macht sich mit Benji auf die Suche. Benjis Mutter ist die Albanerin Arjeta, ursprünglich mit ihrer Familie während des Jugoslawien-Konfliktes nach Deutschland geflüchtet, jetzt wieder wohnhaft in Kosova, das wir meist als Kosovo kennen. Es empfiehlt sich (ganz kurze) Recherche: Kosova hat sich unabhängig erklärt, Serbien versteht das Gebiet weiterhin als Teilregion. Die Bewohner sind zum großen Teil Albaner, natürlich mit regionalen Unterschieden.

Jan Böttcher schreibt über Zerrissenheit und Zugehörigkeit, über Fremde – über das Suchen?

Die Beziehung zwischen Jakob und Arjeta war von Anfang an nicht geprägt von großer Zukunfts-Hoffnung. Arjetas Leben ist in Deutschland das der Fremden, mit einem Vater, der mehr in der Wahrnehmung des fernen Krieges lebt. Wieder in der Heimat, läuft Arjeta durch die Straßen: „Ihre Kindheit suchte sie und wurde das Gefühl nicht los, dass die Kindheit bis gestern gewartet hatte, aber heute nicht mehr.“ S. 60 Der Ich-Erzähler- Vater von Benji ist Schriftsteller – hier wird eindeutig mit dem Leser aus Autorensicht gespielt, ab S. 47 wird der Leser sogar in unregelmäßigen Abständen direkt angesprochen:
„Bitte nicht, rief der Schriftsteller hinter ihm.
Ich verwahre die Briefe für dich, rief er.“ Anders als bei einigen anderen Büchern wird hier für mich keine künstliche Distanz aufgebaut, ich empfinde eher ein Gefühl von Authentizität, von Autobiographie-Haftigkeit.

Man liest vom Scheitern von Beziehungen, im Kleinen wie im Großen, bei den politischen Provisorien im Kosovo. Böttchers Personal wirkt realistisch – so sein möchte man als Leser trotzdem nicht. Alle handeln wie die Fliege, die dauernd gegen die Glasscheibe fliegt, nur wissen sie im Gegensatz zum Insekt meistens, dass dort kein Durchkommen ist. Jakob schickt dem Vater von Benji ein von ihm geschriebenes Computerspiel, bei dem man wählen kann zwischen dem Weg nach Norden, ohne Hindernisse und ohne Spielhandlung, oder dem Weg nach Süden – mit Spielaktion, aber einem zwingenden Tod der Spielfigur nach exakt je 5 Minuten. „Ja, Jakob hatte mir zeigen wollen, dass man auf dem nördlichen Korridor entlanggehen konnte, aber dass man dann alles verpasste, was Spielen wie Leben ausmachte. Denn erst zwischen Hindernissen begannen wir, an unsere bisherigen Wege zu denken, an Neugier und Ängste, Liebe und Kummer, wir dachten an die Wände, vor die wir gelaufen, und an die Menschen, denen wir noch rechtzeitig ausgewichen waren.“ S. 240

Jan Böttcher hat mit „Y“ so ein Buch geschrieben, das mehrere Bücher in einem ist. Dabei wechselt der Fokus zwischen tragischer Liebesgeschichte, Entwicklungsroman(en) und Einblick in den Kosovo, wobei mir die Haupthandlung das Thema Vater-Sohn-Konflikt/Familiengeschichte(n) zu sein scheint, man bemerkt das nur nicht sofort, weil nach dem Beginn mit Benji und seinem Vater die Handlung dann vermeintlich zu einer anderen (dem Liebesroman) wechselt. Sprachlich war ich angetan vom Buch, das sich zügig lesen lässt, häufig, aber nicht zu oft, bildhaft ist und auch ausreichend Denkansätze bietet; mich störte jedoch dieser mir nicht ausreichend klar erkennbare Fokus, wobei dieses Gefühl erst ab Teil II das erste Mal auftauchte (vorher wähnte ich mich in der Liebesgeschichte mit Fokus auf Jakob), dann wieder abflachte (mit der Konzentration auf die Sicht von Arjeta und die Gegenwart der vierzehnjährigen Söhne – ah, die andere Seite!), sich dann noch verstärkte - mit dem, mit Verlaub, Lamentieren des Autors über die Defizite seines eigenen Heranwachsens. Allerdings ist es für mich ein wenig „zu viel“ in einem Buch. Der Ich-Erzähler meckert über das Elternhaus in seinem Kleinbürgertüm, seiner Selbstgenügsamkeit, Sättigung und Selbstzufriedenheit; ohne Offenheit gegenüber der Fremde und den Fremden mangels Erfahrung. Er kontrastiert hier seine eigene Familiengeschichte mit der Realität der Kosovaren: „Was meine Großeltern hatten erleben dürfen, war der Wiederaufbau ganzer Industrien gewesen, eine Zeit, in der jede antidemokratische Regung von den Amerikanern rigide unterbunden wurde, einfach weil sie ein Interesse daran hatten, eine stabile Demokratie im Zentrum Europas zu schaffen.
Kosova 1999 war dagegen realpolitisch nicht mehr als ein Militärstützpunkt gewesen….“ S. 237

Zum Nachsinnen gefielen mir in diesem Zusammenhang die Parallelen zwischen Computerspiel und Leben, ebenso die Gedanken über das „Provisorium“ und den Bezug zum Romantitel, wobei es zwischenzeitig sogar zu einem inneren Frieden beim Vater Benjis kommt , als der seinen Sohn fragt:
„Empfindest du einen großen Unterschied zwischen Lekas Zuhause und unserem Zuhause?“
„Nein“
„Dachte ich mir“
„Ist das schlimm?“
„Alles andere als schlimm.“

In gewisser Weise empfand ich „Y“ als eine Art Antithese zu „Vom Ende der Einsamkeit“, weil die Hauptpersonen nach der Erfüllung in den Beziehungen suchen, sie hier aber von dem Gegenteil ausgeht, von der Fremde:
„Ich versuche ständig, mit der Fremde warm zu werden.
So, wie ich nicht anders kann, als mit der Wärme zu fremdeln.“ S. 246
diese letztendlich aber überall findet „Es gibt nämlich gar kein Defizit an Fremde. …. Weil Fremde immer schon da ist.“ S. 247
Wells Personal hofft immer auf ein halb volles Glas – Böttchers Figuren reiben sich an einem Glas, das einfach immer halb leer sein MUSS.

44 reviews
October 10, 2021
Der Autor beschreibt die Verflechtung eines Autors in in die Geschichte des Spieleentwicklers Jakob Schütte, welcher sich in eine, aus dem Kosovo stammende, Mitschülerin verliebt und mit ihr einen Sohn bekommt. Schütte wird von Arjettas Familie abgelehnt und als die Familie wieder in die Heimat Kosova zieht, kann er dort nicht Fuß fassen.

Die Ablehnung verarbeitet er ein einem Computerspiel, dass später von seinem Sohn gespielt wird. Dieser kann die Emotionen des Vaters nicht verstehen und ist daraufhin selbst vor den Kopf gestoßen.

Insgesamt war es interessant mal den eigenen Horizont zum Thema Südosteuropa zu erweitern, aber mit dem Setting bin ich leider nicht warm geworden. Es wird zu viel Zeit im Computerspiel verbracht bzw. dieses erklärt. Dafür waren einige sehr schöne Sätze enthalten wie zum Beispiel dieser: "Lieber provozierte er seine Mitmenschen, also dass er sich auch nur eine halbe Stunde unter ihnen Langweilte". Mit diesem und ähnlichen Sätzen hat der Autor sehr passend die Inkompatibilität verschiedener Menschen beschrieben.
Profile Image for Burkhard Schirdewahn.
71 reviews1 follower
October 8, 2022
Hamburg, Berlin, Pristina & London sind die Schauplätze dieses kurzen Bildungs- & Entwicklungsromans, den der Autor aus Versatzstücken einer interkulturellen Liebesgeschichte, einer Künstler-Novelle & einer Patchwork-Familiengeschichte zu einem gelungenen Ganzen fügt. Mit leichter Hand erzählt Böttcher vom Krieg, von familiären & ökonomischen Kämpfen um Anerkennung & ums Überleben, von persönlichem Scheitern und (auch) vom Glück. Hinter dieser vordergründigen Leichthändigkeit verbirgt sich gleichwohl ein reflektierter Autor, der sein Personal & die Story stets kontrolliert: ein feines, leises Buch & eine uneingeschränkte Empfehlung.–
Profile Image for yexxo.
909 reviews27 followers
April 19, 2016
Vordergründig erzählt dieses Buch von einer Liebe, die daran scheitert, dass das Paar in völlig unterschiedlichen Lebensumständen aufwuchs, auch wenn beide eine gewisse Zeit in Lüneburg gemeinsam zur Schule gingen. Während Jakob in einer gutbürgerlichen Familie groß wurde, kam Arjeta zusammen mit ihrer Familie als Bosnien-Flüchtlinge nach Deutschland. Sie verliebten sich, als sie sich einige Jahre nach dem Abitur zufälligerweise wieder trafen und erst zu diesem Zeitpunkt realisierte Jakob den familiären Hintergrund seiner Freundin, der ihr Leben immer noch in großem Maße bestimmte.
Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern kommt teilweise verwirrend wie auch vielschichtig daher. Der Ich-Erzähler in der Gegenwart ist ein Mann in Jakobs Alter, der seinen 14jährigen Sohn Benji mit dem ihm bisher unbekannten Freund Leka auf seinem Balkon vorfindet. Der Junge verschwindet ebenso unbemerkt wie er kam, was Benji ziemlich erschüttert, sodass sein Vater sich auf die Suche nach Leka macht. Dabei findet er den Vater des Jungen, Jakob, der ebenfalls auf der Suche nach seinem Sohn ist. Dieser erzählt ihm von seiner Liebe zu Lekas Mutter Arjeta. Nun wechseln Gegenwart, verschiedene Stufen der Vergangenheit wie auch die Perspektiven. Denn irgendwann fliegt der Ich-Erzähler mit seinem Sohn Lekas Spuren nach, wo sie unter anderem auf Arjeta treffen, die ihm ihre Sicht der Ereignisse schildert.
Merkt man, wie ich mich schwer tue mit einer Art von Zusammenfassung? Denn ausser der Liebesgeschichte von Jakob (der nebenbei ein erfolgreicher Computernerd und Spieleprogrammierer ist und das Leben eher wie ein Spiel betrachtet) und Arjeta kommen die erbärmlichen Verhältnisse im heutigen Bosnien zur Sprache, die Machtlosigkeit der Bevölkerung gegenüber den mafiosen Strukturen, die Perspektivlosigkeit der Jungen, der Krieg der noch lange nicht vergessen sein wird. Dann das Verhältnis von Leka zu seinen Eltern bzw. umgekehrt, denen ihre Arbeit wichtiger ist als ihr Kind, wobei es ihnen nicht unwichtig ist. Das Wohlstandsgefälle zwischen Deutschland und dem Balkan, die bei uns herrschende Saturiertheit - ach, je mehr ich über das Buch nachdenke, desto mehr fällt mir ein.
Und als ob all das nicht schon ausreichen würde, verlangt auch der Sprachstil Jan Böttchers Aufmerksamkeit. Nein nein, es sind keine komplexen Satzgebilde, die einen 'zwingen', dabei zu bleiben. Sondern Bilder für Gefühle und Stimmungen, die der Autor in ungewohnter Weise in Worten zusammenfasst. Ein Beispiel dafür ist der Abend, als Arjeta mit ihrer Familie wieder nach Prishtina zurückkehrt:
"Der erste Abend war eine Aufzählung: Großvater Naim, Großmutter Gladiola, Onkel Xherdan...
Der erste Abend war eine Abstellkammer. Sie warfen alles hinein, was dort für Jahre noch aufbewahrt werden sollte. Die Erzählung von den Lebenden und Toten, von der albanischen Unbeugsamkeit, von den verschwundenen serbischen Henkern, vom befreienden Einmarsch der Amerikaner....
Was der erste Abend auch war: Lammfleisch über dem Feuer, drei Flaschen Raki Rrushi...
Der erste Abend war das Fehlen ihres Onkels Jeton, der in der Schweiz geblieben war. Und der linke Unterschenkel von Arjetas jüngstem Bruder, der fehlte auch."
Ein ungewöhnliches Buch, ein anstrengendes Buch - aber auch ein Buch, das einem scheinbar weit Entferntes plötzlich nahe bringt.
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
March 21, 2016
Sein Sohn Benji – mitten in der Pubertät und nicht gerade zum Reden mit den Eltern neigend – hat einen neuen Freund: Leka. Nur wenige Tage später ist der Junge mit dem seltsamen Namen scheinbar spurlos verschwunden. Vater und Sohn machen sich auf die Suche und stoßen bald auf eine komplizierte Familiengeschichte, die sich – je nachdem, wer sie erzählt - so oder ganz anders darstellt. Der Vater, Jakob, von den Schwiegereltern verachtet und verstoßen, liebt Arjeta, die Mutter, abgöttisch. Die Schwangerschaft führt nicht zu einer Familie, sondern zur Flucht auf den Balkan. So zerstört wie der Kosovo ist auch Lekas Familie und er selbst, hin- und hergerissen zwischen Menschen und Kulturen. Im Spiegel dieser Geschichte muss sich auch der Erzähler die Frage stellen, wie es ihm ihn und seine Familie steht.

Der Roman war für mich schwer greifbar, was nicht nur durch die nicht-linear-chronologische Erzählweise, sondern vor allem durch die Figuren begründet ist. Ob es daran liegt, dass es sich vorwiegend um männliche Figuren handelt, die dem Klischee entsprechend weitgehend verschlossen bleiben und wenig zugängliche Denkstrukturen haben, oder doch eher an der Tatsache, dass vieles über die Metapher des Computerspiels, einer mir ebenfalls völlig fremden Welt, dargestellt wird, ist schwer zu sagen.

Interessant fand ich vor allem den ersten Teil, als die Familiengeschichte um Lekas Eltern erzählt wird und die innerkulturellen Konflikte und unterschiedlichen Erwartungshaltungen dargelegt werden. Dies verliert sich im zweiten Teil mehr und mehr und der Fokus verschiebt sich. Insbesondere war hier nicht mehr nachvollziehbar, worauf der Autor eigentlich hinaus will: die komplizierten Familienstrukturen, insbesondere durch kulturelle Differenzen und die Erfordernisse der Arbeitswelt bedingt? Die Situation auf dem Balkan, nach Ende des Krieges, dem nicht geglückten Wiederaufbau? Die Sprachlosigkeit der modernen Welt, die sich nur metaphorisch in Kunst wie auch Videospielen übersetzen lässt? Die direkte Rede an den Leser am Ende hat dann völlig den Rahmen gesprengt und schlichte Ratlosigkeit zur Folge gehabt.

Ratlos hatte ich auch das Cover betrachtet, vor Beginn des Lesens für mich wenig ansprechend und weitgehend ohne Aussage. Dieses Rätsel wird jedoch durch den Roman aufgelöst und gewinnt unerwartet viel Sinn, weshalb dies eine gesonderte Erwähnung wert ist.
Profile Image for John Hatley.
1,383 reviews232 followers
November 2, 2016
I choose to call this book a story of our times, for one or two reasons. On one level it is the story of a region's struggle for independence, fraught with every danger that confronts every such struggle, the ultimate source of which can be summarized in two words: human nature. The author doesn't try to place blame on one or more "super powers". Why bother? After all, it is also human nature in its most evil manifestations that permeate the super powers in their efforts to rule the world.
On another level, it is a very personal story and - especially as regards the narrator - a wonderful father-and-son tale.
Profile Image for Tani.
4 reviews1 follower
Read
April 23, 2016
Ich glaub ich habs nicht wirklich verstanden...
Displaying 1 - 7 of 7 reviews

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