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Was tun? Aus Erzählungen von neuen Menschen

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636 pages, Paperback

First published January 1, 1863

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Profile Image for Felix Feliks.
45 reviews
May 25, 2020
"Was Tun?" aber nicht von Lenin. Wer ist nur dieser Tschernyschewski. Obacht, Nikolai Gawrilowitsch Tschernyschewski (1828-1889) ist vielleicht der wichtigste vormarxistische materialistische Philosoph und Revolutionär Russlands. Tschernyschewski ordnete sein ganzes Leben der Revolution unter und lebte 1/3 seines Lebens in Verbannung. Auch sein Werk "Was tun?" schrieb er in der Verbannung und wurde wegen des Inhalts des Romans zur Scheinhinrichtung verurteilt. So wie Ludwig Feuerbachs " Das Wesen des Christenthums" zur ideologischen Waffe des Vormärz wurde ("Man muss die befreiende Wirkung dieses Buchs selbst erlebt haben, um sich eine Vorstellung davon zu machen. Die Begeisterung war allgemein: Wir waren alle momentan Feuerbachianer." -Engels), so wurde Tschernyschewskis 1863 erschienener Roman für Generationen an Revolutionären im zaristischen Russland zum ideologischen Grundpfeiler. Der Inhalt des Romans entwickelt für die revolutionäre Bewegung eine enorme Sprengkraft und hatte bis ins 20 Jhr. immensen Einfluss auf die Revolutionäre, besonders die Gleichstellung der Frau welche im Roman propagiert wurde. Tschernyschewskis "Was Tun?", der Lieblingsroman von Marx, Kropotkin, Plechanow, Lenin, Luxemburg Kollontai und vielen mehr handelt von der jungen Wera Pawlowna aus einer bessergestellten Familie, welche zwangsverheiratet werden soll. Doch gemeinsam mit ihren Liebhaber flieht sie und entschließt sich mit anderen Interlektuellen und dissidenten Adligen mit der bürgerlichen Welt zu brechen und den Weg der Revolution zu gehen. Der Roman befürwortet die Bildung sozialistischer Landkommunen und die Erziehung der Bauernmassen zu Schaffung eines Revolutionären Bewusstsein. Insgesamt beschäftigt sich der Roman damit ob und wie man mit der bürgerlichen Wertegesellschaft brechen kann, wie der kommunistische Neue Mensch auszusehen hat und was es heißt Berufsrevolutionär zu sein. Besonders ein Nebencharakter wird zum Vorbild von Generationen an Revolutionären, der asketisch lebende Interlektuelle Rachmetow. Dieser verrichtet trotz seiner eigentlich hohen sozialen Stellung niedere Arbeit um die Achtung des einfachen Volkes zu erwerben. Sein Geld spendet er in Bedrängnis geratenen revolutionären Studenten und Hilfsbedürftigen. Zudem verzichtet er auf jeden Lebensgenuss, stattdessen studiert er revolutionäre Texte und arbeitet im In- und Ausland unermüdlich für die Revolution (Im Roman wird angedeutet, dass Rachmetow Marx in Deutschland besucht). Selbst eine anbahnende Liebesbeziehung lässt er fallen um sich komplett auf die revolutionäre Arbeit zu konzentrieren. Rachmetow wird für die Revolutionäre Russlands zum Idealtypus des Berufsrevolutionärs. Die Figur und der Roman wird Vorbild für die Bewegung der Russischen Nihilisten (Besonders die Gleichstellung der Frau), Vorbild für die Narodniki (Die Bildung von Landkommunen, Verrichtung niederer Arbeit und Agitation der Bauernmassen) und Vorbild für die Bolschewiki. Nicht umsonst nennt Lenin sein programmatisches Werk nach dem gleichnamigen Roman. Damit wollte er sein Vorbild Teschernyschewski ehren. Die Idee die Avantgarde des Proletariats in einer Kaderpartei aus Berufsrevolutionären zu organisieren und das Konzept des Von-außen-Hineintragen des Klassenbewusstsein sind stark vom Roman beeinflusst. Auch nach der Oktoberrevolution hatte der Roman noch einen enormen Einfluss und die Charaktere aus "Was Tun?" wurden als Vorbild betrachtet wie ein Sowjetmensch sich zu verhalten habe und wie der kommunistische Neue Mensch zu sein habe. Tschernyschewski war ein radikaler materialistischer Aufklärer und sozialistischer Revolutionär. Er stellte einen qualitativen Sprung in der Revolutionären Bewegung Russlands da und war das Bindeglied zwischen vormarxistischen und marxistischen Revolutionären. In seinen philosophischen Werken kommt er dem dialektischen Materialismus durch seine revolutionäre Intuition sehr nahe ohne es aber zu erkennen und zu festigen. Stattdessen verharrt er im feuerbachschen Materialismus und dem utopischen Sozialismus. Zu seinem Roman "Was Tun?" passt sehr gut Marx Aussage: „Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.“ Tschernyschweskis Werk und theoretisches Denken (Natürlich war er auch ein großer Praktiker seines revolutionären Denkens) wurden zur materieller Gewalt, sie wurden Vorbild verschiedener revolutionärer Bewegungen, sie wurden zu Revolutionen. Der Oktober 1917 verwirklichte den große Traum von Nikolai Gawrilowitsch Tschernyschewski: Das Zarentum wurde gestürzt und der Aufbau der sozialistischen Gesellschaftsodnung wurde begonnen. "Was Tun?" ist immernoch ein Werk was sich zu lesen lohnt, nicht nur weil es zur Weltliteratur gehört, sondern weil es nur wenige Romane gibt, die so eine revolutionäre Sprengkraft besitzen wie "Was Tun?
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