Eine Frau will ein Kind, aber ihr Körper versagt es ihr. Also nimmt sie den Kampf gegen sich selbst auf und macht ihre Umgebung zum Feind. Als sie sich zur Adoption eines afrikanischen Kindes entscheidet, ist ihr Versagen für alle sichtbar. Freunde werden zu Fremden, der Alltag wird zum Hürdenlauf, der auch dann nicht endet, als das Kind kommt. Die Mühlen der Bürokratie tun ihr Übriges. Ein kämpferischer Roman, ein Plädoyer für ein Leben abseits der Norm. Gertraud Klemm ist Meisterin darin, der Gesellschaft einen schonungslosen Spiegel vorzuhalten. In wütender und poetisch kraftvoller Sprache entblößt sie ihre Figuren, bis sie vollkommen nackt vor uns stehen. "Mein Embryo wird in Papier gepackt, Schicht um Schicht. Formulare sind sein Uterus, ein kaltes Knistern sein Nest. Schranken begrenzen meine Mutterschaft, Bewilligungen, rechte Winkel, Bedingungen, Befunde, Gutachten."
KLEMM, Gertraud: „Muttergehäuse“, Wien 2016 Was meint die Autorin mit „Muttergeäuse“? Das „Austragen“ eines Kindes. Alte Kulturen hatten Frauen nur als eine Art Backofen, Brutkasten zum Ausreifen von Kindern gesehen. Heute ist es mehr. Gertraud Klemm erzählt in diesem Roman die Situation eines Ehepaares, das Kinder will, aber es funktioniert nicht. Die Befruchtung kann nicht in Gang gebracht werden. Ärzte werden besucht. Das Paar muss sich vielen Fragen und Kommentaren des Freundeskreises stellen. Letztlich entscheiden sie für die Adoption eines Kindes. Der Behördenweg wird aufgezeigt. Das Kind wird ein dunkelhäutiges aus Südafrika. Schon äußerlich als Adoptivkind erkennbar. Die Mutter muss nicht nur lernen damit umzugehen, dass sie nicht die leibliche Mutter ist, sondern auch, dass es ein andersfärbiges Kind ist. Als das Kind dann ins elterliche Heim einzieht verändert sich deren Leben grundlegend. „Nichts bleibt ganz. Keine Stunde, keine Handlung. Nichts. Dein Tag: unzählige neue Pflichten. Wir sind wie halbiert, haben immer eine Hand zu wenig. Der Schlaf ist ein aneinandergereihtes Aufwachen. Neues stapelt sich. Der kleine Körper ist unendlich fragil und sehr beweglich. Man muss so viel wissen, was man zu lesen verabsäumt hat. Neues türmt sich auf und wir wanken durch die Täler dazwischen.“ (Seite 101) Viele Konflikte tun sich auf. Die Adoptivmutter muss sich gegenüber der Gesellschaft rechtfertigen und stellen, dass es eine „alternative Elternschaft“ (Seite 157) ist. Die Mutter fragt sich „Warum kann ich nicht sein wie die anderen Mütter?“ (Seite 109) Dann der Entscheid für ein zweites Adoptivkind, dessen „Anschaffung“ aber sich durch Probleme wie Kriegen und Unruhen in den „Lieferregionen“, verzögert und so der Abstand zwischen dem ersten und zweiten Kind vergrößert. Der Roman ist in kurze Kapitel gegliedert, die durch Träume abgegrenzt sind. Dadurch ist es angenehm zum Lesen.
Gertraud Klemms "Muttergehäuse" ist ein Roman, der sich mit alternativer Elternschaft beschäftigt.
Dieses Buch wird von einer Frau erzählt, die mit Anfang dreißig einen Kinderwunsch entwickelt. Leider wird dieser jahrelang nicht erfüllt, was sie verständlicherweise sehr mitnimmt und an sich zweifeln lässt. Schließlich entscheiden sie und ihr Mann sich dazu ein Kind zu adoptieren, was mit großen Hürden verbunden ist und in der Bekannt- und Verwandtschaft verschiedene Reaktionen hervorruft.
Was mir an diesem Buch gut gefällt, ist das Thema. Es ist bewegend zu sehen, wie die Erzählerin mit ihrem Schicksal umgeht und wichtig Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, Mut zu geben. Was mich einen Stern der Bewertung abziehen lässt, ist der Schreibstil, der mir persönlich nicht sehr zugesagt hat.
Muttergehäuse is a powerful, punchy, angry, cynical, dark look at motherhood and the pressures of modern society. Gertraud Klemm writes in journalistic prose that becomes quickly very personal and very emotional, yet retains throughout a no-nonsense, direct style and, through the details it reveals about the process of things like fertility tests and adoption, rings of non-fiction. On the other hand, Klemm works with stereotypes and generalisations instead of facts - she puts everyone else into the same boat and creates a me against the world bubble. Even family and partner do not escape and it becomes harder and harder to believe that everyone she knows, including the person she has chosen to adopt with and her closest friends, are so superficial, shallow, self-obsessed and insensitive.
That's not denying the strength of her writing or the effectiveness of writing about such a topic with anger and vitriol. She is deliberately exagerating and generalising to increase the impact of her story, lend it an element of dark humour and emphasise the cloud of depression that falls on her. She is perhaps also commenting on the way depression alters her perspective and makes her unable to thing in a rational, positive way about the people surrounding her. The negativity of the narrative, however, becomes tiring, especially after the success of the adoption process and the joy it brings her. She describes the arrival of her child with such moving prose, and a page later is back to doom, gloom and an almost lethargic woe is me feel.
There's plenty of truth in her writing as well, and the exageration serves well to portray the superficiality of our society and the isolated, bubble-like worlds people live in, contrasted awkwardly with social norms and expectations that people try in vain to live up to. As a father, however, in contact with plenty of young parents in a middle-class, urban environment, I struggle to thing of anyone so ignorant and shallow as all of the people in this book. Exageration as a tool has its uses, but here it is overdone and becomes too cynical and petty. Muttergehäuse is an entertaining, informative and moving account of the difficult process of wanting desperately to be a mother in a world of impossible expectations, but it would perhaps have benefited from a little less spite and a little more compassion with the rest of society, a realisation that everyone else has their own story too, some harder, some easier, but mostly genuine and heartfelt as well. 6