Richard McGuires postkartengroßes Buch mit seinen Vignetten aus dem New Yorker zieren auf dem Cover zwei Büroklammern und ein Objekt aus Draht, das auch eine Büroklammer sein könnte. Hinter diesen Gegenständen hatte ich eine Geschichte vermutet, drei ungleiche Freunde, ein Projekt oder ein Beziehungsdrama. Doch es sind wohl „nur“ Objekte zum Thema „Draht“, gemeinsam mit einer altmodischen Haarklammer, einer Drahtfeder, einem Kleiderbügel und einer Klammer aus einem Bürohefter auf Vorsatzblatt und Titelseite. McGuires Vignetten scheinen eine Spezialität des „New Yorker“ zu sein. Auch wenn sie ursprünglich einmal Lückenfüller gewesen sein mögen, haben sie sich inzwischen zu einer eigenen Kunstform gemausert. McGuire erzählt mit wenigen Strichen Bildgeschichten, erzeugt dabei kleine Daumenkinos oder sammelt Ideen zu einem Thema. Jedes Bild steht für sich auf einer Seite, für das schnelle Blättern eines Daumenkinos viel zu schade! Für seine Bildgeschichten steht „Drei Freunde“, das Schicksal einer Parkuhr, eines Briefkastens und eines Papierkorbs. Die Dinge schneien ein, ein Hund pinkelt auf den Schneehügel, plötzlich lehnt da ein Fahrrad, es wird mit der Zeit demoliert. McGuires Gegenstände können sogar schwatzhaft sein, wie Rasierer, Zahnbürste und Schere in „Schwatzhafte Gegenstände“. „Berührt“ zeigt zunächst tippende, klickende und wischende Finger, bis die Emotionen hinter den Bildern deutlich werden – hier geht es um die Trennung in einer Beziehung. Auch die Freundschaft zwischen einem Quadrat und einem Parallelogramm berührt; denn hier erhalten selbst Sprache und Gedanken die geometrischen Formen ihrer Erzeuger. Thematische Sequenzen blicken in Wohnungen und auf deren Bewohner, ein Einblick in modernes Leben; sie reihen aber auch frei Vogelkäfige, Instrumentenkoffer oder Hüte aneinander.
Richard McGuire versteht Betrachter mit seinen Bildgeschichten und Einzelbildern zu berühren – so dass man sich am Ende wie der kleine Häwelmann wünscht: mehr!