Eine Insel außerhalb der Zeit Die Pfaueninsel in der Havel ist ein künstliches Paradies. In seinem opulenten, kundigen und anrührenden Roman erzählt Thomas Hettche von dessen Blüte, Reife und Verfall aus der Perspektive des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Marie, in deren Lebenslauf sich die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts verdichtet. Es mutet an wie ein modernes Märchen, denn es beginnt mit einer Königin, die einen Zwerg trifft und sich fürchterlich erschrickt. Kaum acht Wochen nach dieser Begegnung auf der Pfaueninsel, am 19. Juli 1810, ist die junge Königin Luise tot – und der kleinwüchsige Christian und seine Schwester Marie leben fortan weiter mit dem entsetzten Ausruf der Königin: »Monster!« Damit ist die Dimension dieser Geschichte eröffnet. Am Beispiel von Marie, die zwischen den Befreiungskriegen und der Restauration, zwischen Palmenhaus und Menagerie, Gartenkunst und philosophischen Gesprächen aufwächst und der königlichen Familie bei deren Besuchen zur Hand geht, erzählt Thomas Hettche von der Zurichtung der Natur, der Würde des Menschen, dem Wesen der Zeit und der Empfindsamkeit der Seele und des Leibes. Dabei geht es um die Gestaltung dieses preußischen Arkadiens durch den Gartenkünstler Lenné und um all das, was es bevölkerte: Palmen, Kängurus und Löwen, Hofgärtner, Prinzen, Südseeinsulaner, Riesen, Zwerge und Mohren – und es geht um die Liebe in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen. Thomas Hettche ist das Kunststück gelungen, mit dem historisch verbürgten Personal seiner Geschichte von uns Heutigen zu erzählen. Atmosphärisch, detailgetreu und voller Lust an der phantasievollen Ausschmückung.
Hettche has achieved something quite, quite remarkable here: a symbiosis that blends an intellectually rigorous philosophical disquisition into the movements and changing currents of the nineteenth century with philosophical questions on the nature of the aesthetic, and with an exquisite personal history of Marie, Schlossfräulein on Peacock Island, an island in the Havel, bought originally by King Friedrich Wilhelm II of Prussia to complement his marble palace with a smaller summer residence at the end of a sight line.
Sight lines; vistas; perspectives. From the perspective of the dwarf Marie, brought to the island as a child of six, we see its transformation from a private Arcadian indulgence of the Prussian royal family, passing through a Romantically-inspired exaltation of Nature and the Natural to man's imagined subjugation and categorization of life through steam power to bring water to those parts that lack, through a menagerie of exotic creatures brought from faraway places (that persist in dying - and how to deal with all those corpses?), through a systematically laid out botanical garden, through a celebration of man's ability to design and breed and impose his vision, the symbol of which is the blue hydrangea, through to the first railway and steam driven ferry that bring the day trippers and tourists.
And, sometimes delicately traced, sometimes in bold, stark images, Hettche also delineates how, between the beginning of her residence on the island in 1810 and the end of her life in 1880, these changes of perspective also affect how Marie herself is perceived. The dwarf: The natural antithesis to majesty, a foil and contrast that throws its magnificence into greater relief. Accepted as one of many possible forms; dwarves as miners, smiths and gatekeepers. But here the initial encounter between Marie and Queen Louise sets the tone for a newer, far less tolerant sight line. Dwarves as freaks of nature, as monsters. A world that believes it can categorize, systematize, dominate nature can no longer recognize or acknowledge a place for the slight aberrations that do not fit in with this view, this vision of the world or how man in his hubris thinks it should be.
So. We have that most magical of beasts: a historical novel that wears its research lightly, touches our hearts with wonderful characters, and at the same time also tells us something about our own world. How we create categories in our head which are there merely to exclude those who we do not wish to belong. How we create the idea of a 'freak'. How, if we were only prepared to listen, to watch, to feel and recognize basic human dignity, we would see that the difference is minimal: one of body size, or skin tone. One of accent, or outward apparel. One of age, or conformity to some standard of beauty.
Ich war schon von Herzfaden, meinem ersten Hettche, sehr angetan. Und hier das Gleiche.
Wieder beginnt die Geschichte mit einem nahezu märchenhaften Tonfall. Eine Königin läuft beim Cricketspiel einem verloren gegangenen Ball nach und trifft im Gestrüpp auf einen Zwerg. Das klingt doch wie bei Alice im Wunderland, oder?
Aber natürlich ist vieles auf der Pfaueninsel gar nicht wunderbar, geht sie doch durch verschiedene königliche Hände, die hier ihre Phantasien austoben und zunehmend exotische Tiere in Käfige sperren und sogenannte Zwergen, Riesen, Mohre und Südsee-Indianer zur Belustigung „halten“. Ein unwirklicher Ort, dessen Schönheit zunehmend gegen die Natur erkämpft werden muss, weil Tiere und Pflanzen hier eigentlich nicht hingehören. Und wenige Meter weiter werden die Kadaver der ständig wegsterbenden Tiere in Kalkgräber geworfen und verbrannt…
Und in all dem Elend spiegelt sich die Geschichte der Kleinwüchsigen Marie, die einst aus eben diesen Gründen mit ihrem Bruder auf die Insel verbracht wurde, die lernt sich selbst als Monster zu sehen (so die Bezeichnung der Königin Luise für sie), die zum Sexualobjekt eines Königs wird, ein „Ding“ (so empfindet sie sich in solchen Situationen) und die doch genauso liebt, begehrt und hofft wie wir alle.
Ihre Geschichte trägt uns nicht nur durch ihre schmerzliche Biografie, sondern auch durch das 19. Jahrhundert: Mit seinen Königen, Konflikten, Seuchen, Gartentheorien. Man trifft auf bekannte Namen wie Lenné, Hegel, Hufeland, erlebt den Einsatz von Dampfmaschinen, Eisenbahn, …, macht Ausflüge in die Vergangenheit, als der Alchemist Kunckel hier rotes Glas erfand. Ebenso erfährt man, dass der Restbestand der Tiere auf der Insel zum Gründungsbestand des Berliner Zoos wurden, dem ältesten Zoos Deutschlands. Und wie Berlin um 1860 von Industrie und Wohnungselend geprägt war.
2-3 Sterne. Meine Gesamtwertung fällt deshalb so niedrig aus, weil ich trotz großen Interesses an gartengestalterischen Themen und der geschilderten Zeit (ca. 1800-1880) größte Mühe hatte, überhaupt in das Buch reinzukommen. Erst gegen Ende zog "die Geschichte" mich selbstständig weiter, vorher haben mich die häufig auftretenden, aufs Ausführlichste deskriptiven Passagen manchmal sogar gelangweilt.
Wie es der Titel schon sagt: Es ist ein Roman über die bei Potsdam gelegene Pfaueninsel. Der Schauplatz läuft dem Plot des kleinwüchsigen Schlossfräuleins den Rang ab. Auch sie eine historisch verbürgte Person, aber da es kaum Quellen über sie gibt, konnte Hettche seine Fantasie spielen lassen. Das tat er auch und gerade was manche Sexszenen betrifft, stellt sich der Leserin die Frage, ob diese wirklich notwendig waren und ob Hettche damit die Figuren nicht unbewusst (?) noch mehr exotisiert. Auch darüber, ob es nötig war, so viele historische Fakten im Roman unterzubringen, lässt sich diskutieren. Immerhin kommt es bei Hettche nicht angeberisch herüber.
Ein wunderschönes Buch, dessen Inhalt dem Einband aus Leinen deutlich hinterherhinkt. Bei einer zweiten Lektüre werde ich es als "Sachbuch mit einer romanartigen Lebensgeschichte" lesen - und hoffentlich weniger enttäuscht sein.
Prätentiös. Am wenigsten zu verzeihen ist, wie blass die eigentlich hochinteressanten Figuren und Beziehungen bleiben. Stattdessen: selbstverliebte Sprache, zur Schau gestelltes aber oberflächlich bleibendes historisches Faktenwissen - und mehr als genug völlig überflüssige Sexszenen.
Berlin 1810. Die kleinwüchsige Marie und ihr ebenso kleinwüchsiger Bruder Christian leben als Teil des Hofes auf der Pfaueninsel, Marie ist offiziell ein “Schlossfräulein”. Eine Begegnung der beiden mit Königin Luise – und deren Reaktion – wird sie ihr Leben lang prägen. Marie lebt in der Familie des Hofgärtners Fintelmann und verliebt sich in dessen Neffen Gustav. Dieser erwidert ihre Liebe durchaus, doch mit ihrer Kleinwüchsigkeit kommt er nicht zurecht. Während der König die Pfaueninsel in eine Menagerie verwandelt, wird Marie immer mehr bewusst, dass auch sie ein Kuriosum ist, ein Überbleibsel einer vergangenen Epoche, als es noch Hofzwerge gab. Und die Veränderungen um sie herum nehmen kein Ende.
Thomas Hettche ist ein Meisterwerk gelungen, das nehme ich gleich vorweg. Auch wenn ich die anderen Bücher, die für den Deutschen Buchpreis nominiert waren, einschließlich des Siegertitels, nicht gelesen habe, ich kann mir kaum vorstellen, dass sie besser sein sollen. Historische Themen, die sich nicht mit dem 20. Jahrhundert beschäftigen, haben es nicht leicht, auch wenn sie in der wunderbarsten Sprache geschrieben und hochaktuell sind – weil sie uns die Vergänglichkeit und das, was uns zum Menschen macht, gekonnt vor Augen führen. Denn das ist Marie, ein hochempfindsamer Mensch, auch wenn Gustav es nicht schafft, sie als solchen anzuerkennen.
Ich habe dieses Buch sehr genossen, wirklich genossen, die leicht altertümliche Sprache, die an die Zeit angepasst ist, gehört zu dem schönsten, was ich je gelesen habe. Gleichzeitig liest sich diese Sprache jedoch absolut flüssig, ist für mich keineswegs “schwer”. Dazu kommt die wunderbare Ausstattung, der königliche Garten, in dem Alchimisten tätig waren, das Exotische einer Menagerie, in der nicht nur Tiere leben (und leiden) und von den Besuchern bewundert werden, sondern auch Menschen wie eben “Zwerge”, “Riesen” (wohl Überbleibsel der langen Kerls), “Mohren” und der Hawaiianer Maitey. Wie Thomas Hettche ganz richtig auf der Buchmesse äußerte, können wir überhaupt wirklich akurat Geschichte erzählen? Die Zeit, die Umstände, das Selbstverständnis, alles war so anders, dass jeder Versuch, über Geschichte zu schreiben, in gewissem Maße immer Fiktion sein muss. Können wir überhaupt einschätzen, wie ein Mensch dieser Epoche eine solche Menagerie und das Kuriosum einer Hofzwergin wahrgenommen haben muss? Der Glaubwürdigkeit der Charaktere des Romans tut dies keinen Abbruch. Insbesondere Marie ist für mich “hundertprozentig”, ich kann glauben, dass sie genau so war und sie ist mir äußerst sympathisch.
Dass die Handlung stellenweise etwas behäbig fortzuschreiten scheint, hat meinen Lesegenuss überhaupt nicht gestört, wie ihr wisst, bin ich keine Freundin von Action. Am Ende des Romans bindet Hettche Maries Schicksal besonders geschickt in das der Pfaueninsel und der historischen Ereignisse ein, tatsächlich ein sehr gelungenes Ende. Marie ist tatsächlich, wie alle anderen Charaktere auch, eine historische Figur, die wirklich auf der Pfaueninsel gelebt hat, von der uns aber außer ihren Lebensdaten nichts bekannt ist.
Auf die Gefahr hin, zu sehr ins Schwärmen zu geraten, dieses Buch ist einfach wunderbar, mein Highlight des Jahres, genau das, was ich lesen möchte.
Nach Herzfaden war dies mein zweites Buch von Hettche und auch wenn ich es sprachlich wirklich schön fand, haben mich die Figuren hier weniger berührt.
Positiv herauszuheben sind für mich die Sprache und die Atmosphäre des Buchs. Ich war vor ein paar Jahren auf der Pfaueninsel und habe mich direkt zurückversetzt gefühlt, auch wenn sich im Laufe der Zeit viel dort verändert hat. Insgesamt ließ sich die Geschichte recht flüssig lesen und hat mich in eine andere Zeit eintauchen lassen.
Man merkt, dass Hettche ausführlich recherchiert hat. Das schlägt sich sowohl positiv in Atmosphäre und Sprachgebrauch als auch negativ nieder: Leider zitiert er einige Passagen so ausführlich, dass es wirkt, als wolle er auch noch dem letzten Deppen klar machen, dass er historische Quellen studiert hat. Da wird schonmal eine ganze Seite aufgezählt, welche Tiere es auf der Insel gibt und wie viel sie gekostet haben. Das hätte ich nicht gebraucht, da es die Geschichte immer wieder zum Stocken bringt.
Die Figuren wirken über weite Teile unheimlich flach auf mich, als hätte der Autor eigentlich lieber ein Sachbuch über die Geschichte der Pfaueninsel schreiben wollen, aber sich aufgrund des Genres irgendwie doch mit den Figuren rumschlagen müssen. Zum Ende hin habe ich dann aber zu Marie doch eine gewisse emotionale Verbindung aufbauen können. Die angeschnittenen Themen von Ausgrenzung und sexueller Selbstbestimmung wären mit mehr Liebe zum Detail vielleicht glaubwürdiger gewesen.
Insgesamt habe ich das Buch ganz gerne gelesen, bin aber auch ein bisschen enttäuscht.
Ich weiß auch Monate danach noch immer nicht, wie ich über dieses Buch denke. Der Autor hat eine unfassbar schöne Sprache, die melancholische Atmosphäre schwebt wie Nebel über jeder Seite. Aber es gibt einfach viele Momente, bei denen mir der Blick eines Able-bodied cis white male Autoren aus der Perspektive dieser Geschichte Probleme bereitet. Marie, die kleinwüchsige Protagonistin des Romans, leidet die gesamte Geschichte unter dem Blick der Welt auf sie, die Andere, das Monster. Und doch wächst Marie der Charakter selten über ihr Dasein als Spiegel der Gesellschaft hinaus und wird so vom Autoren selbst wieder zu dem Objekt gemacht, das sie nicht sein will. Es ist ein lesenswertes Buch, das in atmosphärischer und lyrischer Sprache den düsteren Fetischismus des Exotismus beleuchtet. Die "exotischen" Menschen und Tiere werden zur Schau gestellt und den Reichen und Schönen präsentiert, zu Dingen ohne eigenen Wert gemacht. Aber leider gelingt es dem Autor nicht immer, diesem Blick nicht selbst zu verfallen.
"Wir sagen, die Zeit vergeht, dabei sind wir es." Die Pfaueninsel entfaltet sich als ein bewegender, gut geschriebener Roman. Er erzählt von der Unvermeidbarkeit der Veränderung, die sich manchmal als Fortschritt tarnt. Es ist ein Buch über die Gefahren, die entstehen, wenn wir die Welt zwingen wollen, sich unseren menschlichen Wünschen anzupassen.
Im Mittelpunkt steht Marie, eine Protagonistin, die exemplarisch für die Verletzlichkeit derer steht, die nicht ins Bild passen. Ähnlich ergeht es den Pflanzen und Tieren, die auf die Insel gebracht werden. Auch wir Menschen werden in diese Welt geboren, ohne gefragt zu werden, und manche Menschen sind besser angepasst, während es für andere von Anfang an bergab geht.
Doch trotz allem gedeiht die Liebe überall. Sie ist ein wesentliches Thema der Geschichte und bietet Hoffnung selbst inmitten von Verlust und Veränderung. Der Autor führt uns gekonnt durch die Geschichte der Pfaueninsel und lässt uns die Freuden und Leiden ihrer Bewohner mitfühlen.
Ein Schlossfräulein, ein Riese, ein Südseeinsulaner - Hettches Roman über das 19. Jahrhundert, erzählt aus Sicht der Bewohner der Pfaueninsel, ist voll mit ungewöhnlichem Personal. Dabei illustriert Hettche nicht den Zauber des Exotischen, sondern vor allem das Grauen des Exotismus. Unter der Ägide der preußischen Könige werden auf der Havelinsel zwischen Berlin und Potsdam Menschen, die nicht der Norm entsprechen, zur Schau gestellt, ebenso wie fremdländische Tiere, die fern ihres natürlichen Habitats eines nach dem anderen zu Grunde gehen. Es ist ein "künstliches Paradies" für die Besucher der Insel, nicht jedoch für jene, die dort als Attraktionen ihr Dasein fristen. Entsprechend ist die im Zentrum der Erzählung stehende Liebesgeschichte zwischen der kleinwüchsigen Marie und dem Neffen des Hofgärtners zum Scheitern verurteilt. Aus der Historie der wirklich existierenden Pfaueninsel (und Hettche hat diese sorgfältig recherchiert) könnte ein interessantes Buch entstehen.
Dieser Roman ist dann auch handwerklich sehr gut konstruiert, aber ziemlich blutleer. Es ist erstaunlich, wie ein Buch mit einem so ungewöhnlichen Thema sprachlich und erzählerisch dermaßen konventionell sein kann. Zum einen scheint Hettche fest entschlossen, um die im Zentrum stehende Liebesgeschichte herum sämtliche Details auszustellen, welche er über die Insel in Erfahrung bringen konnte. Der Duktus, der wohl an Geschichten aus der erzählten Zeit gemahnen soll, macht es nicht besser. Und der Kritiker Hubert Winkels ist zwar eigentlich ein Spitzentyp, aber diese Sexszenen in seiner ZEIT-Rezension mit Bataille zu vergleichen, das hat der arme Bataille ja nun wirklich nicht verdient.
Darüber hinaus hat mich besonders eine Sache gestört: Die Hauptfigur des Romans, Marie, leidet sehr darunter, aufgrund ihrer Kleinwüchsigkeit als Ding, Tier oder gar "Monster" gesehen zu werden. Leider ist Marie aber als eine Art Spiegel angelegt: Wieder und wieder sehen wir durch ihre Augen, wie ihre Umwelt ihr als Kleinwüchsiger begegnet und lernen, welche Gefühle das in ihr auslöst. Doch darüber, was Marie als Menschen ausmacht, erfahren wir: Nichts. Selbst wenn sie erklärt, sie lese gerne, dann mag sie Bücher über exotische Inseln und Robinson Crusoe, also Bücher, die ihr Leben spiegeln. Aber wer ist diese Marie? Was definiert sie über ihre Kleinwüchsigkeit hinaus? Was sieht sie in Gustav? Warum liebt sie ihn? Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Auch durch den Erzähler wird Marie also funktionalisiert, sie ist die "empfindsame Zwergin", sie leidet, um die herrschenden Verhältnisse zu illustrieren. Aber einen klar erkennbaren Charakter, eine eigene Persönlichkeit hat Marie nicht.
Fazit: Vor schaurig-schöner Kulisse zieht das 19. Jahrhundert vorbei. Richtig schlecht ist das nicht, aber mir ist das alles zu lauwarm.
„Eine Königin? Was ist das ? Eine Märchengestalt, denken wir, und doch: dieser hier pulste das Leben am Hals und flackerte über die Wangen, hier, in der schwülen Enge der Bäume, eng um die junge Frau herumgelegt wie jenes Wort sie zu bezeichnen (..) Alles ist Märchen oder doch nichts. Wenn wir heutigen auch noch nicht einmal zu sagen vermögen, was denn ein Märchen ernsthaft gesprochen überhaupt sei. Alles ist Märchen, oder nichts..“
Wir folgen den Spuren der kleinwüchsigen Marie, die auf der Pfaueninsel zwischen den Befreiungskriegen und der Restauration, zwischen Palmenhaus und Menagerie, Gartenkunst und philosophischen Gesprächen aufwächst und der königlichen Familie bei deren Besuchen zur Hand geht, Thomas Hettche erzählt von der Zurichtung der Natur, der Würde des Menschen, dem Wesen der Zeit und der Empfindsamkeit der Seele und des Leibes – und nicht zuletzt von die Liebe in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen.
Die Pfaueninsel liegt in der Havel im Südwesten Berlins und gilt als Weltkulturerbe auf der Liste der UNESCO. Die Pfaueninsel ist eng verbunden mit wichtigen Ereignissen und Personen der brandenburgisch-preußischen Geschichte.
Das Buch von Thomas Hettche kann ich euch nur wärmsten empfehlen. Es ist literarisch einzigartig und hat mich auch beim reread wieder rief berüht. Aufgrund des histoischen Hintergrundes ist es für mich gleich doppelt wertvoll und interessant, so dass ich die „Insel“ ganz bestimmt einmal besuchen werde. Marie, Christian, Gustav und all die erwähnten Personen werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben.
Top Leseempfehlung, man kann es nicht oft genug sagen 🌸🥰🌸
Totally overrated and respectless toward the book's disabled protagonists. I had the impression the author's aim was revulsion (towards the installment of the royal park on the island) instead of compassion (for the characters viewed as and reduced to "attractions"). Which is understandable, given that historical settings like this one as those are too often glorified in fiction; EG, the island could've easily be written as some man-made paradise by another insensitive author. But this reversal is not achieved by further hurting marginalized people.
The writing style is also unpleasant; especially the sexual content (just why? and why so much?) is abhorrent. It's like the author just wanted to show off his research and it sounds as dry as a Prussian officer's report. Hettche might've intended this to make it more "historically accurate", but it only amplifies my idea he saw the characters as mere props instead of human beings, thus playing into the same problem of them being dehumanized and gawked at that the characters (who actually lived on this island!) struggle against.
"Pfaueninsel" lokalisiert in Potsdam ist die Insel Mittelpunkt der Geschichte eines Lebens. Die Kleinwüchsige Marie wird als Kind mit ihrem Bruder auf die Insel gebracht und verbringt dort ihr Leben als Schlossfräulein. Dabei steht jedoch ihre "Eigenartigkeit" immer zwischen ihr und einem normalen Leben. Lieben die Leute um sie herum sie zwar, so können sie jedoch nie darüber hinweg sehen. Die Geschichte umfasst das ganze Leben, also mehrere Jahrzehnte. Leider haben die Charaktere es nicht geschafft, mich abzuholen. Teilweise ist das Buch schön geschrieben, teilweise war der Stil aber auch belanglos. Ich fand es sehr schade, dass mich das Buch so gar nicht abgeholt hat, ich hätte es gerne gemocht.
Ein besonderes Buch über ein besonderes Schlossfräulein, eine Lustinsel für den Hof und ein scheinbares Paradies, geschrieben in einer nahezu poetischen, altertümlichen Sprache, die auch noch die alte deutsche Rechtschreibung nutzt. Das Buch ist ein leises Drama, lenkt den Blick auf das Schöne, aber auch das Andersartige... 08/10 Punkte.
Ein tolles Buch! Solltet ihr alle lesen XD Es geht um die Lebensgeschichte einer Zwergin, die am preußischen Hof lebte mit allen Hoffnung, Ängsten und der großen Liebe. Ein historischer Roman der toll gecschrieben ist und auf einer wahren Person beruht. Beim Lesen lernt man viel über die Hohenzollern, die Pfaueninsel und auch über sich selbst :)
Im Endeffekt nicht so gut, wie ich gehofft hatte, aber immer noch ein sehr besonderes Buch! Am liebsten würde ich mir die Pfaueninsel direkt mal in echt anschauen wollen! :)
Man bleibt ein bisschen ratlos zurück auf der Pfaueninsel von Thomas Hettche. Ausgehend von einem erhaltenen Grabstein und den Lebensdaten (1800-1880) erzählt der Autor die Lebensgeschichte des Schlossfräuleins Marie Strakon. Sie ist kleinwüchsig, Waise und der König von Preußen nimmt sie und ihren ebenfalls kleinwüchsigen Bruder Christian in sein Kuriosenkabinett, das auf der Pfaueninsel entsteht, auf.
Zeit ihres Lebens versucht Marie dem Urteil der Königin, die "Monster!" ausruft, als sie ihr begegnet, zu entkommen. Doch Schicksalsschläge rauben ihr den den Bruder, die große Liebe, das einzige Kind und letztlich auch die Insel, die am Ende verwahrlost zurückbleibt. Während Maries Leben verstreicht, dessen Dramatik und Hoffnungslosigkeit von Beginn an zu erwarten war, erlebt der Leser mit, wie die Pfaueninsel unter Friedrich III. ein außergewöhnliches Beispiel für Landschaftsgärtnerei und anderer Moden des 19. Jahrhunderts wird. Kritisch wird der Aufbau einer exessiven Menagerie auf der Insel geschildert, bei der Marie mit den Tieren mitfühlt, die da aus aller Herren Länder dem König geschenkt werden und die oft schon auf dem Weg dorthin oder nach kurzer Zeit verenden. So wird die Pfaueninsel für eine Phase zu einer Attraktion für die Berliner und Gäste des Königs, nach dem Tod Friedrich III. werden die Mittel gekürzt, was zur Aufgabe der Menagerie und dem Verfall von Teilen des Gartens führt.
Teils sind die Ausführungen Hettches zur Pfaueninsel, insbesondere aus der Sicht Maries geschildert, die selbst zu den "Ausstellungsstücken" der Insel gehört, interessant, bieten sie doch einen besonderen kulturgeschichtlichen Einblick. Die Protagonistin jedoch bleibt einem fremd - vielleicht gewollt in ihrer Andersartigkeit - und auch die übrigen Gestalten, allesamt besonders und beachtenswert, bleiben blass. Einige des Ausführungen haben zudem Längen und Sexualität bekommt einen seltsamen Platz in der Geschichte, der nicht dazu passen will. Irritierend fand ich auch den Erzähler, der sich besonders gegen Ende in seine eigene Erzählung einschaltet und unter anderem ankündigt, das man bald am Ende sei - mit der Geschichte und mit Maries Leben.
Insgesamt habe ich für das nicht sonderlich lange Audiobook sehr lange gebraucht. So fällt mein Gesamturteil eher schwach aus, auch wenn es dieses Buch 2014 auf die Short List zum Deutschen Buchpreis schaffte.
Was für ein glücklicher Flohmarktfund! Der Schreibstil ist so einfach und doch an jene Zeit in der die Geschichte spielt, angepasst, dass ich sie in fast einem Rutsch durchgelesen habe. Mitunter waren mir, besonders zu Anfang, die unschönen Ausführungen (Inzest, Objektivizierung, Darstellung von Behinderung u.ä.) fremd. Im Rahmen der Zeit der Geschichte macht all dies natürlich (außer vielleicht die inzestuöse Geschwisterbeziehung) Sinn. Das historische Wissen was sich jedoch in den Zeilen befindet ist bemerkenswert, wenn sich auch manchmal die Frage aufdrängt wie nötig all jene Details für die Geschichte wirklich waren. Doch je länger man liest, desto mehr zeichnet sich ein prächtiges und dann zerfallendes Bild der realen Pfaueninsel und ihrer Bewohner:innen. Trotz der Härte mancher Themen ist es eine leichte Kost, die trotzdem schwer im Magen liegt, wenn man erkennt: Das Monster ist nie Marie gewesen (das ist natürlich zu Beginn schon klar), sondern alle anderen. Eine schillernde Gesellschaft, die bei näherer Betrachtung im Vergleich zum Schillern der realen Pfauenfedern, verblasst. Zurückbleibt die Grausamkeit der Menschen gegenüber Marie, diese hat jedoch anders als alle "normal Großen" wahre Größe bewiesen wie sie ihr geschlagenes Schicksal für sich nutzen kann. Das Ende ist dabei keinesfalls überraschend, daf��r aber versöhnlich.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Puh. Ziemlich deprimierend letztlich, das ausweglose Schicksal der Hauptperson und die zunehmend morbide Atmosphäre hat mir doch zugesetzt. Berührend geschriebene Prosa, ja, aber ich kann nicht sagen, dass ich die Geschichte "genossen" hätte. Toll fand ich die historischen Zusammenhänge - ich war als Kind auf der Pfaueninsel und wusste überhaupt nicht, dass die Anlage in der Vergangenheit so ein "big deal" war.
"Wie erzählt man, wenn Zeit erzählt werden soll?", fragt sich die kleinwüchsige Protagonistin Marie Strakon, die als Kind zusammen mir ihrem Bruder Christian zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf die Berliner "Pfaueninsel" gebracht wird. Im gleichnamigen Roman erzählt Thomas Hettche ihre Lebensgeschichte und webt gleichzeitig beinahe philosophische Ergüsse über die Zeit, die Liebe, und die Schönheit in die Geschichte mit ein. Diese fallen meiner Ansicht nach einmal zu oft so abstrakt aus, dass sie zu weit von der Prosa wegführen. Auch verliert der Roman vor allem gegen Ende derart an Fahrt, dass sich sogar die Sprecherin Dagmar Manzel zu langweilen beginnt. An sich macht "Pfaueninsel" aber Lust auf weitere Romane von Hettche.
Sie liegt wie ein Relikt aus vergangener Zeit im Wannsee - die Pfaueninsel. Erst war sie vor allem ein Liebesnest, doch dann gab es eine durchaus wechselvolle Geschichte der Nutzung. Von der landwirtschaftlichen Bereitstellung von Obst und Gemüse das ganze Jahr über hin zum Vorläufer des Berliner Zoologischen Gartens mit der Menagerie und der Sammlung von Menschen, die aus der Norm fallen und ebenfalls dort mehr oder weniger ausgestellt wurden.
Hettche erzählt hier das fiktive Schicksal des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Maria Dorothea Strakon. Dieses Schlossfräulein hat tatsächlich auf der Pfaueninsel gelebt - aber außer, dass sie 80 Jahre alt wurde, ist kaum etwas über sie bekannt.
Das Schicksal, das Hettche ihr hier andichtet, ist also fiktiv. Und da kommen wir schon zum Hauptgrund meines Unbehagens.
Es ist bei Romanen, die in der Vergangenheit spielen und historische Persönlichkeiten mit einbinden klar, dass nicht alles, was hier erzählt wird, der Realität entspricht. Hier tauchen naturgemäß sehr viele Personen auf, die wir alle aus der Geschichte kennen; im großen und ganzen wurde auch, soweit ich das beurteilen kann, darauf geachtet, dass die Fiktion nicht zu weit von der Realität abwich.
Aber hier wird ein ganzes Leben mit ganz schön grotesken Verwicklungen erfunden für einen Menschen, den es tatsächlich gab. Und das hat mich beim Lesen durchaus gestört.
Ich habe sehr gerne über die Pfaueninsel und ihre Gestaltung gelesen, über die unterschiedliche Nutzung und all das, was das auch über die entsprechende Zeit verrät. Als Rückblick auf die Zeitgeschichte hat mir diese leicht distanzierte Betrachtungsweise - auf der Insel erlebt man die Zeitenwechsel nur am Rande, man ist nicht mittendrin, das war wunderschön gelöst - ausgezeichnet gefallen.
Aber mit der eigentlichen Handlung, der Geschichte des Schlossfräuleins, mochte ich mich so gar nicht anfreunden. Ich kam beim Lesen nie an den Punkt, dass ich das Gelesene als ihre Geschichte widerspruchslos hingenommen hätte, stets war da der Gedanke im Hinterkopf, dass ich sehr viel davon - vor allem die überreichlichen Sexszenen - einfach als übertrieben und ins Groteske gesteigert empfand.
Daher bleibt bei mir ein ambivalentes Gefühl zurück - und natürlich der Wunsch, doch im nächsten Sommer mal wieder zur Pfaueninsel rauszufahren.
Thomas Hettches Roman mit dem Titel „Pfaueninsel“ mutet besonders am Anfang wie ein modernes Märchen an: 1810, Königin Luise von Preußen trifft auf einen Zwerg und erschrickt sich ganz fürchterlich. Dieser Zwerg ist allerdings nicht fantastischer Natur, sondern der kleinwüchsige Christian, der mit seiner ebenfalls kleinwüchsigen Schwester Marie auf der Pfaueninsel, dem Naherholungsgebiet des Berliner Adels, lebt. Nun lernt nicht nur er, sondern auch Marie, dass ihre Andersartigkeit in den Augen anderer wohl Abartigkeit bedeutet.
Zeitlich ist die Handlung des Romans zwischen den Befreiungskriegen und der Restauration angesetzt. Geographisch gesehen bewegt sich das Geschehen hingegen mehr zwischen dem Palmenhaus und der Menagerie der Pfaueninsel, als im aufgewühlten Europa der frühen Moderne. Marie und Christian haben ihr Zuhause auf der Insel und wissen nur zu gut, dass sie nirgendwo anders eines finden können.
Die Protagonistin Marie, die im Laufe der Geschichte zum Schlossfräulein ernannt wird, verbringt fast ihr ganzes Leben auf der Insel und erlebt ihren Wandel mit. Die Insel verändert sich stark, je nach den exotistischen Wünschen und Vorstellungen der Königsfamilien: Südländische Tiere und Ureinwohner*innen dienen zur Verwirklichung ihrer Fantasien und die Bewahrung der Schönheit der Insel wird immer mehr zu einem Kampf gegen die Natur. Marie leidet unterdessen ihr ganzes Leben lang stark unter der Stigmatisierung ihres Kleinwuchses, denn auch auf der abgekapselten Pfaueninsel fühlt sie sich, als wäre sie mehr ein Ding, als ein Mensch. Ihre Geschichte trägt den/die Leser*in nicht nur durch ihre schmerzliche Biografie, sondern auch durch das 19. Jahrhundert mit seinen Königen, Konflikten, Kriegen, Seuchen, Gartentheorien. Man trifft auf bekannte Namen wie Lenné, Hegel und Hufeland, erlebt den Einsatz von Dampfmaschinen, Eisenbahnen …
Hettche schreibt sehr nüchtern und spannend, wodurch ihm meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist, die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts an so einem wundersamen Ort wie der Pfaueninsel mit soziopsychologischen und gesellschaftskritischen Aspekten wie Ableismus, Exotismus/Rassismus und beginnender Globalisierung zu verknüpfen. Ein schöner Roman zum Wegträumen und Zeitreisen, der allerdings auch seine Längen hatte – 4/5 Eselsohren!
Ja, ich mag historische Romane. Ja, ich lebe in "Preußen" und habe also auch noch persönliches Interesse. Aber diese Geschichte einer Zwergin auf der Pfaueninsel vor Berlin war einfach schlecht. Als hätte der Autor da verschiedene Sachen reinstopfen wollen, eine "Lebensgeschichte" als Bändchen drumrum gewickelt aber es nicht geschafft, der Protagonistin genug Leben zu geben. Besonders furchtbar die ständigen Sex-Szenen, die die Protagonistin durchstehen muss und die wie aus dem Nichts immer reingestreut werden. Leider hilft das auch nicht die Protagonistin besser zu verstehen, sie bleibt einfach leblos. Obendrauf eine ordentliche Portion "echte" Vokabeln wie etwa das Wort "Citronenlimonade", damit der Leser auch ja denkt: oh, da kennt jemand die zeitgenössische Schreibweise! Anstrengend. Besonders dämlich die Episode mit dem Koch in der Oranienburger Straße, bei der ich dachte der Autor hätte die nur reingequetscht damit er noch was über Berliner Flair und Kochen um 1880 erzählen kann. Dazu anstrengende verschwurbelte deutsche Schreibweise, wie so oft in deutschen Romanen, die einen "intellektuellen Anspruch" verfolgen. Nee, danke!
Das Buch hat mich ungeheuer fasziniert, besonders seine unterschwelligen Themen Schönheit und Vergänglichkeit und die melancholische Atmosphäre, die der Autor rund um die Geschichte gewoben hat. Es gab einige Stellen, die ich ganz großartig fand, allerdings, so muss ich gestehen, hatte es für mich auch einige Längen. Das ist der Grund, warum es schlussendlich keine höhere Wertung von mir erhält. Alles in allem aber durchaus empfehlenswert - ein Buch, auf dessen langsames Tempo und anspruchsvollen Schreibstil man sich aber einlassen können muss. Vielleicht bin ich einfach eine etwas zu unruhige Leserin dafür.
"Wir sagen: Die Zeit vergeht. Dabei sind wir es, die verschwinden. Und sie? Ist vielleicht nur so etwas wie eine Temperatur der Dinge, eine Färbung, die alles durchdringt, ein Schleier, der alles bedeckt, alles von dem man sagt, dass es einmal war. Und in Wirklichkeit ist alles noch da, nur nicht im Jetzt, sondern zugedeckt von ihr, der Zeit, im Setzkasten der Ewigkeit." (S.32)
Das Buch liest sich angenehm weg, auch die Erzählform ist im Großen und Ganzen interessant - wo es für mich dann aufgehört hat, war bei der Fetischisierung der Protagonistin. Man könnte jetzt argumentieren, dass gerade die sexuellen Szenen handlungstragend sind, ich denke dennoch, dass man sie anders hätte gestalten können. Es herrscht ein Grundtonus, der vermeintlichen Einblick in das eher tragische Schicksal der Protagonistin geben soll, sie aber als oberflächlich, wenig intelligent und übersexualisiert darstellt. Für mich war’s im Endeffekt nichts.
The way the author writes his sex scenes really doesn´t sit right with me (e. g. the incest that comes out of nowhere. Why, just why?) It feels like the author just tried to add something gross to be "edgy" and it really hurts the story in my opinion. I really thought about DNFing this book for this reason. Which is sad, because without them this really could have become a four star rating for me.
This entire review has been hidden because of spoilers.
3,5 Die Sprache ist wunderschön, melancholisch und ermöglicht den Blick in eine längst vergangene Welt, die ich auch als faszinierend empfunden habe. Allerdings gab es ein paar Punkte, deren Darstellung keinen Zweck erfüllt haben und die ich als absolut überflüssig empfunden habe.
Mich hat schon die erste seltsame Sexszene des Schloßfräuleins mit ihrem Bruder (!) völlig abgestoßen. Warum unterstellt der Autor einer historisch existenten Person so etwas?
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber Bücher gewinnen mich sofort als Leserin, wenn sie mir versprechen, ein modernes Märchen zu sein.
Das wunderschöne Cover und die interessante Prämisse haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Allerdings habe ich lange gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen.
Der schöne Schreibstil Thomas Hettches zieht die Leser*in in seinen Bann. Er malt mit seinen Worten Bilder, lebhaft und detailliert, aber auch komplex. Denn die Sätze sind zum Teil lang und verschachtelt, einige Leser*innen mögen das und bei anderen trifft dieser Stil leider nicht den Geschmack. Mir persönlich machen diese Art von Sätzen nichts aus. Schließlich studiere ich Literaturwissenschaften und da laufen einem noch ganz andere Schreibstile über den Weg, sodass ich eine gewisse Resistenz gegenüber langen, komplizierten Sätzen entwickelt habe (siehe, der vorliegende Satz).
Ein Punkt, den ich sehr schade fand, ist die Distanz zu den Charakteren in dem Werk. Oft wird erzählt und weniger gezeigt (show don’t tell mag einigen von euch ein Begriff sein). Seltsamerweise ist das anders, wenn es um das Setting geht. Denn beim Setting werden die Leser*innen an die Hand genommen und in diese märchenhafte Welt hineingeführt.
Bewetung: Die Philosophie, die in diesem Werk mitschwingt, trägt zu der eventuellen Leseschwierigkeit bei. Wenn man als Leser*in nach anspruchsvoller, märchenhafter Literatur sucht, ist man hier richtig. Mit seinen Themen zu Natur und Mensch, ist das Buch sehr aktuell.
The audiobook ist beautifully narrated. The story though is beautiful and repealing.
I like this kind of historical literature, because i learn through a story. The characters are deep, but only sometimes. Mostly the very graphic and really non-appropriate sex scenes pulled me out of the story. In my opinion they did nothing for the plot. Also I am not sure about the historical correctness in some points, because I heard that the sources were rare. I would need to further research on that to say more about that. I enjoyed the book, with awareness in my mind.
All in all I would recommend the book, because of the beautiful language and the sensitivity, but with a warning, that the sex scenes are graphic, unnecessary and that you need to be aware. Take everything in this book with a big grain of salt (especially because it contains disabled characters and I am not a disabled person therefore I don't want to jump to conclusions in any directions. Plus always research the historical accuracy. Not everything written in a book is necessarily true!)