Der Titel und das süße Cover versprechen hier einen leichten Liebesroman rund um Brautmode/Hochzeiten und einem sommerlichen Feeling am Meer. Bekommen habe ich einen seichten Liebesroman, der zwischen Kühen und Farmhäusern spielt und wo unsere Protagonistin, die eigentlich Hochzeitstorten bäckt, von einem Tag auf den anderen Hochzeiten organisieren soll. Ich habe mir hier keine höhere Literatur erwartet, sondern leichte und romantische Unterhaltung - die suchte ich allerdings vergeblich.
Wo bitte ist das Meer und der Strand, der im Titel vorkommt? (ebenso im Originaltitel!) Der einzige Hinweis darauf ist die Erwähnung, dass Poppys Wohnung über den Brautsalon einen Meerblick hat, danach kommt das Wort "Meer" auf den 400 Seiten allerdings nicht mehr vor. Wäre der Roman richtig toll geschrieben..... mit berührenden Momenten, einem Hauch Romantik und humorvollen Szenen, dann hätte ich noch ein Auge zudrücken können, denn es geht ja um den Inhalt und nicht um Titel und Cover.
Aber was mich hier erwartet hat, hat mich teilweise nur den Kopf schütteln lassen: unsympathische und unrealistische Charaktere, eine sehr flache Handlung, sehr viel Alkohol, weder ein Spannungsbogen noch ein roter Faden. Tussis, die sich nur um Äußerlichkeiten sorgen und deren einzige Sorgen sind, dass der Farbton des Brautjungfernkleidchen nicht zu ihrem Teint passt...
Auch Poppy, unsere Hauptprotagonnistin, ein Stadtpflänzchen, obwohl auf dem Land aufgewachsen, aber sehr bald von dort geflüchtet, bekam von mir nicht viele Sympathiepunkte. Die etwas naive und oberflächliche Poppy hat die Trennung von ihrem langjährigen Freund und Verlobten noch nicht ganz überwunden, als sie neben ihren Job als Tortenbäckerin für die abgesprungene Hochzeitsplanerin ihrer Freundin Cate einspringen soll. Die Location für die Hochzeitsfeierlichkeiten ist ein etwas heruntergekommener Gutshof mit einem mürrischen Besitzer. Als Poppy dort aufkreuzt, teilt sie ihr Büro mit Henne Berta, die im Papierkorb ihre Eier ausbrütet. Und Poppy nimmt die neue Herausforderung natürlich mit links und verwandelt innerhalb eines halbes Jahres den Gutshof in eine hippe Hochzeitslocation...ohne Ausbildung und noch neben ihrem eigentlichen Hauptjob...eh klar! Dabei schaut sie des öfteren zu tief ins Glas und wird im kleinen Dorf gleich von zwei attraktiven Männern umgarnt.
Die besagten Freundinnen sind ziemlich oberflächlich und stereotyp. Cate gibt zu viel Geld für die Hochzeit aus, Immie wird anfangs als eher biedere Landfrau dargestellt und wird dann zum männermordenen Vamp (konnte sich die Autorin hier nicht entscheiden?), Jess, die Besitzerin des Brautladens ist eine knallharte Geschäftsfrau und Sera, die Designerin der Brautkleider, wird nur anfangs kurz erwähnt. Auch Jule, der Fotograf, entsprang dem Modejournal, sah umwerfend aus, ist aber ein Schlappschwanz.
Einzig Rafe, der grummelige Gutsbesitzer, bei dem die zukünftigen Hochzeitsfeierlichkeiten stattfinden sollen, damit etwas Geld zur Renovierung in die Kasse kommt, war mir sympathisch.
Der Großteil des Romans spielt sich auf diesen besagten Gutshof ab, wo sich Poppy um die Organisation der geplanten Hochzeiten bemüht. Statt Strand sind wir auf der Wiese oder am Bach, im Matsch vor einem Zelt oder im verstaubten Hinterzimmer. Das Rafe sehr schnell Poppys Herz höher schlagen lässt, sie sich ihre Gefühle nicht eingestehen will, ist ebenso klar, wie das ewige Hin und Her bis zum Happy End.
Zusätzlich erinnerte mich der Roman wirklich sehr an "Hinter dem Café das Meer" von der ebenfalls englischen Autorin Philippa Ashley, das von mir auch nur 2 Sterne bekommen hat. Einziger austauschbarer Punkt: statt dem Brautsalon ein Café.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist flüssig, ziemlich dialoglastig und die Beschreibung der Örtlichkeiten bildhaft. Sehr gut vorstellen konnte ich mir die Kleidung (Brautkleid, Brautjungfern, Jungesellinnenabschied), doch die Beschreibung der Charaktere war umso oberflächlicher. Diese sind sehr stereotyp, unglaubwürdig und machen auch keinerlei Entwicklung durch. Humor oder Romantik suchte ich vergebens.
Die Geschichte wird im Präsens und aus der Ich-Perspektive erzählt. Trotzdem konnten mich die Figuren nicht erreichen.
Zum kleinen Brautladen am Strand wird es noch Folgebücher geben, denn dies ist Band Eins einer Reihe rund um den Shop.
"Winter im kleinen Brautladen am Strand" erscheint im November 2018 und wird von mir definitiv nicht mehr gelesen werden.
Fazit:
Der Roman konnte mich leider gar nicht abholen, plätscherte dahin und war mir zu oberflächlich. Die Charaktere waren großteils unsympathisch und entwickelten sich nicht weiter. Romantik oder witzige Dialoge hat man vergebens gesucht. Ich werde die Fortsetzung nicht mehr lesen und kann hier auch keine Leseempfehlung abgeben.