Frankreich im späten Mittelalter: Ein 19jähriges Mädchen aus dem einfachen Volk hat Visionen und erhält von seinen «Stimmen» den Auftrag, dem König zur Krönung zu verhelfen und Frankreich von der englischen Herrschaft zu befreien. Sie findet bei den Mächtigen Gehör und befreit am 8. Mai 1429 mit einem Heer die Stadt Orleans. Wenig später kann der König in Reims gekrönt werden. Nachdem sie bei dem Versuch scheitert, Paris einzunehmen, wird sie im Kampf gefangen genommen und in einem Inquisitionsprozess zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt (30.5.1431). 1450 wird der Prozess neu aufgerollt und die Jungfrau rehabilitiert. Ihre Geschichte ist ein nationaler Mythos der Franzosen und durch die Jahrhunderte immer wieder ein Stoff der Weltliteratur geworden.
Leider vermisste ich bei diesem Buch ein bisschen die Struktur. Obwohl sehr viele Informationen vermittelt werden und das Buch teilweise auch tiefer in die Materie eindringt, fehlten mir die grundlegenden, übersichtlich aufgebauten Fakten.
Wenn man ohne jegliches Hintergrund- oder Basiswissen über Jeanne D’Arc und ihre Zeit in das Buch einsteigt, ist man meiner Meinung nach ziemlich schnell verloren. Mir fehlte eine klare Grundlage, auf der die weiteren Ausführungen aufbauen konnten.
Das Interessante daran ist, dass ich bei den C.H. Beck Wissen Büchern normalerweise genau das Gegenteil kritisiere. Oft sind sie mir zu sachlich und gehen mir zu wenig in eigene Reflexion oder kritische Einordnung. Hier hatte ich allerdings das umgekehrte Problem: Mir war es teilweise zu viel Interpretation und zu wenig nüchterne Faktenvermittlung.
Ich hätte mir eine bessere Balance zwischen beidem gewünscht. Gerade bei einem historischen Thema, zu dem man vielleicht noch kein umfangreiches Vorwissen besitzt, sollte meiner Meinung nach zunächst eine solide und gut strukturierte Grundlage geschaffen werden, bevor man sich stärker den Interpretationen und unterschiedlichen Deutungen widmet.
Positiv anzumerken ist allerdings, dass immer wieder Originalquellen zitiert werden. Das fand ich besonders faszinierend, da man dadurch einen direkten Einblick in die zeitgenössischen Quellen bekommt. Dadurch wurde das Buch für mich an einigen Stellen deutlich greifbarer.
Allerdings hätte ich mir auch hier eine bessere Formatierung gewünscht. Gerade bei den vielen Zitaten und Informationen hätte eine übersichtlichere Gestaltung die Leseerfahrung für mich deutlich angenehmer gemacht.