Raging Jack, Swingin Jazz & der American Dream. USA, 1933, gegen Ende der Prohibition. Jack Doyle ist zum Gossenboxer verkommen, der sich bei schäbigen Provinzkämpfen bereitwillig für ein paar Dollar niederschlagen lässt. Theo Egan, sein ehemaliger Promoter, will ihn überzeugen, wieder nach New York zurückzukommen. Dort soll er Harry Walker herausfordern, einen Rivalen, den er bei seinem letzten Kampf vor fünf Jahren K.o. geschlagen hat. Fünf lange Jahre, während derer er sich beständig fragte, ob der Kampf manipuliert war. Doyle akzeptiert und kehrt zurück in die Stadt, die ihm einst Ruhm, Geld und Frauen schenkte. Zusammen mit seinem ehemaligen Coach, der mittlerweile einen Snack führt, versucht er, an seine vergangenen Erfolge anzuknüpfen. Den Soundtrack dazu liefert das Dante’s Lodge, ein Speakeasy, in dem Jack sich bei coolem Jazz nach seinen Kämpfen zu entspannen pflegt.
Blue Note von Mathieu Mariolle und Mickaël Bourgouin ist ein unglaublich schöner und interessanter Comic, der mit einem Boxer und einem Bluesmusiker zwei faszinierende Protagonisten nutzt um die hochspannende Epoche der Prohibition in den USA näher zu beleuchten. Schauplatz ist das Milieu der Bluesclubs und der Halbwelt in New York. Die beiden Geschichten der Charaktere werden nacheinander erzählt und fließen trotzdem ineinander, Nebencharaktere und Gegenspieler wiederholen sich und gewinnen dadurch an Tiefe. Das gezeigte Milieu ist äußerst interessant und nachvollziehbar dargestellt. Grafisch ist Blue Note ein wirklicher Leckerbissen. Der Zeichenstil changiert zwischen harten, realistischen und klaren Zeichnungen der Lebenswirklichkeit und immer wieder aufflammenden Spotlights in besonderen Momenten, gerade in den Boxkämpfen und wenn Musik gespielt wird. Auch die berauschende Wirkung der Großstadt wird grafisch immer wieder hervorgehoben. Blue Note war für mich in jeglicher Hinsicht ein Highlight und dazu trägt auch der wunderbare dicke Band des "Splitter Doubles" bei, der mir die ganze Geschichte in die Hand gibt und nicht, wie bei frankobelgischen Comics sonst häufig üblich, nach 48 oder spätestens 56 Seiten endet. Zweimal 72 Seiten voller Geschichte, Enegie, spannenden Charakteren und Musik sind da wirklich eine andere Hausnummer und haben mir herausragend gut gefallen. 5/5