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Frohburg

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FROHBURG ist ohne Zweifel das opus magnum von Guntram Vesper, zugleich für den Autor der Ausgangspunkt von allem: Der Ort seiner Geburt 1941, Jugend, Aufwachsen und Erwachen, die Flucht der Familie 1957, das umliegende Land die Folie der Geschichtsbetrachtung einer deutschen Epoche. Hier werden ein Land und eine Zeit gültig festgehalten, Kultur und Politik, Krieg und Nachkrieg, ein umfassendes, großartiges Portrait deutschen Lebens im zwanzigsten Jahrhundert; ein gewaltiges Prosawerk, das neben die großen Bücher von Peter Kurzeck, Walter Kempowski und Uwe Johnson zu stellen ist. FROHBURG ist ein Füllhorn an Geschichten, zumeist aus eigenem Erleben grundiert, eine große autobiographische Erzählung, ein Welt-Buch im Überschaubaren, ein Geschichts- und Geschichtenpanorama, wie wir schon lange keines hatten.

1008 pages, Hardcover

First published January 1, 2016

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About the author

Guntram Vesper

14 books2 followers

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Community Reviews

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8 (32%)
4 stars
8 (32%)
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2 stars
3 (12%)
1 star
2 (8%)
Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Hendrik.
440 reviews111 followers
September 24, 2021
Der Begriff Erinnerungsarbeit beschreibt wohl am besten, worum es Guntram Vesper in Frohburg ging. Das vorliegende Buch ist gleichermaßen das Ergebnis einer lebenslangen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, wie auch ein Dokument seines Entstehungsprozesses. Keinem chronologischen Aufbau folgend, aus unzähligen ineinander verschachtelten Geschichten bestehend, erzählt es vom Versuch einer Annäherung an das, was als historische Wahrheit bezeichnet werden könnte. Denn die Erinnerung wird vor allem durch ihre Lücken und blinden Flecken bestimmt. Der Einzelne steht folglich vor der schwierigen Aufgabe, aus den verbliebenen Bruchstücken das Ganze zu erraten. Das am Ende daraus entstandene Bild, entspricht aber in der Regel nie dem tatsächlich Gewesenen. Es ist schlichtweg unmöglich, die Vergangenheit in ihrer Gesamtheit darzustellen. So legt jeder sich die Geschichte nach seinem Geschmack zurecht, die aber nicht weniger wahr ist als jede andere. Ganz wahr ist keine …, heißt es an einer Stelle im Buch.
Fragen ohne Ende, mit jeder Antwort stellten sich andere, neue ein und führten mich, trieben mich weiter, hinein in gestaffelte verdeckte Einzelheiten, Rätselhaftigkeiten, Geheimnisse, erzeugt nicht nur durch Zurückhaltung, Vorsicht und Mißtrauen, sondern auch durch Verlust und Mangel, Verlust an Wissen, Mangel an Blickfeld.
An diesem Punkt setzt die Erinnerungsarbeit an, die mittels Rekonstruktion und Nacherzählen die Möglichkeit eröffnet, eine Art kollektives Gedächtnis entstehen zu lassen. Einen identitätsstiftenden, gemeinsamen Raum geteilter Erfahrungen. Guntram Vesper greift dafür auf Material aus ganz unterschiedlichen Quellen zurück. Neben Fakten aus Archiven, Büchern und dem Internet, sind das vor allem die innerhalb der Familie erzählten Geschichten. Über die Generationen weitergetragen, manche verbürgt, andere wiederum auf reinem Hörensagen basierend. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das sächsische Frohburg. Eine Kleinstadt am Rande der Leipziger Tieflandbucht, in der Vesper 1941 geboren wurde und bis 1957 gelebt hat.

Ausgehend von den eigenen Kindheits- und Jugenderlebnissen, führt die Spurensuche in Folge weit über den privaten Kreis hinaus. Es sind die irren Wendungen des Lebens, Zufall und Schicksal, die Vesper interessieren. Die Verstrickungen des Einzelnen in das Riesennetz der Geschichte. Beispielsweise berichtet er, wie er im Alter von anderthalb Jahren an Polio erkrankt ist. Der behandelnde Arzt in der Leipziger Kinderklinik war Prof. Werner Catel, ein Experte auf dem Gebiet der Kinderlähmung. Gleichzeitig war Catel im Rahmen des Euthanasieprogramms für die Tötung von mindestens 500 schwerstbehinderten Kindern verantwortlich. Nach dem Krieg setzte er seine Karriere unbehelligt fort. Bis zur Emeritierung 1962 war er Direktor der Universitätskinderklinik in Kiel. Lapidar hält Vesper fest: "Zu Dank verpflichtet ich."

Aufgrund der vielen Namen und Sprecher, sowie unterschiedlichen Zeitebenen, fällt die Orientierung anfangs schwer. Der Faden der Erzählung reißt oft ab, um viel später an anderer Stelle wieder aufgenommen zu werden. Trotzdem entwickelt das Buch nach einer Weile einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Die Literatur spielt eine besondere Rolle in Frohburg. Vesper kommt wiederholt auf Bücher und Autoren zu sprechen, die er im Laufe des Lebens gelesen hat oder die ihn in besonderer Weise geprägt haben. Das waren u.a. Uwe Johnson, Peter Weiss oder auch Walter Kempowski. (Letzterer einmal wenig schmeichelhaft als quengeliger Collagist aus Nartum bezeichnet.) Einige Passagen bei Vesper weisen geradezu frappierende Ähnlichkeiten mit deren Werken auf. Den größten Einfluss dürfte allerdings, man glaubt es kaum, der Vielschreiber aus Radebeul Karl May gehabt haben. Sein Name taucht in den unterschiedlichsten Zusammenhängen im Buch auf. Vielleicht ein kleiner Hinweis auf die Unzuverlässigkeit des Erzählers Vesper. Der Schriftsteller ein Hochstapler, wenn er behauptet, so ist es gewesen.
Was für ein Bild die Nachwelt von uns hat, hängt von vielen Umständen ab. Vielleicht haben wir Glück und kommen mit unserem Doppelgesicht und unseren Gemeinheiten durch, und man redet hauptsächlich gut über uns. Vielleicht haben wir aber auch Pech, und gerade unsere Unzulänglichkeiten stehen im Vordergrund und bekommen das Gewicht von Niedrigkeiten und Schlimmerem.
Mit Frohburg ist Guntram Vesper ein faszinierendes Buch gelungen, dass von Form und Inhalt her, aus der großen Masse der Literatur zur deutschen Geschichte herausragt. So lautet jedenfalls mein ganz persönliches Fazit.
Profile Image for Nathan "N.R." Gaddis.
1,342 reviews1,656 followers
i-want-money
March 18, 2016
TRAN=SLATE Pleaze!

Winner of the 2016 Preis der Leipziger Buchmesse.
http://www.complete-review.com/saloon...

"Leipzig Book Fair Prize rewards three epic works"
http://www.dw.com/en/leipzig-book-fai...
""Frohburg," by Guntram Vesper, was declared the best novel. "For such a book, greater words quickly come to mind: opus magnum, masterpiece," the jury declared."
Profile Image for Wilhelm Weber.
169 reviews
March 19, 2019
"Was für ein Bild die Nachwelt von uns hat, hängt von vielen Umständen ab. Vielleicht haben wir Glück und kommen mit unserem Doppelgesicht und unseren Gemeinheiten durch, und man redet hauptsächlich gut über uns. Vielleicht haben wir aber auch Pech, und gerade unsere Unzulänglichkeiten stehen im Vordergrund und bekommen das Gewicht von Niedrigkeiten und Schlimmerem. Was soll man machen, es gibt Minuspunkte, die die Zukunft entschuldigt, und Pluspunkte, die eines Tages nicht mehr zählen. Teufelin. Oder Weichei. Harter Knochen. Vater, nicht leicht zu vergessen, sprach einmal so von mir. Zu mir. Was biete ich noch an. Verräter. Verräterin. Denk nur an Libs." (S.1002)

Ein Geschichtenerzähler von Format. Ein Teppichknüpfer, der ein beachtliches Landschaftsbild zusammengeschrieben hat. Erstaunlich wie viel in einem Jahrhundert wie dem vergangenen in solchen Landstrichen, Dörfern, Häusern und Leben geschah. Er urteilt nicht oft. Er beschreibt. Es ist mehr wie eine große Darstellung vieler kleiner Begebenheiten. Relativiert die totalitären Systeme indem er aufzeigt, wie Menschen doch überleben (zum Teil eben nicht) und Familien auch. Hier ist nicht ein Drama nachgezeichnet, sondern eher eine Rückschau gegeben auf eine ganze Lebenszeit. Guntram Vesper hat viel erlebt. Das beschreibt er eindrücklich und vielfältig. Interessant, packend, manchmal auch überwältigend. Es ist schon beeindruckend was alles geschah. Das geht auf keine Kuhhaut!
Profile Image for Gitte.
34 reviews1 follower
June 26, 2016
Ich komme aus Frohburg, daher interessierte mich das Buch besonders. Es erzählt zwar viel über "damals", die Namen und Orte sind mir natürlich meist bekannt, aber die vielen Erzählstimmen überlagern sich in einer Weise, die mir nicht ersichtlich ist und die nicht zum entspannten Lesen beiträgt. Ob ich das Buch abschließen werde können, weiß ich noch nicht.
Profile Image for Susu.
1,788 reviews21 followers
September 1, 2016
Ich habe ungefähr auf der Hälfte die Flinte ins Korn geworfen. Das mag ja ein tolles Geschichtsgemälde sein, aber mich nervt der Schreibstil unendlich.
6 reviews
January 9, 2023
Ganz ehrlich: Dieses Buch ist eine Zumutung, und man muss sich durchkämpfen, Guntram Vesper schafft es tatsächlich einmal, hundert Seiten ohne neuen Zeilenanfang zu schreiben. Ohnehin ist es vollgespickt mit Details, die man als völlig überflüssig erachten kann, unzählige Namen werden erwähnt, der fünfte Neffe der dritten Tante - und sie kommen nie wieder vor im Buch, aber nicht viel anders ist das ja im Leben. Trotzdem habe ich durchgehalten, weil mich Vesper auf irgendeine geheimnisvolle Art gefesselt hat. Frohburg ist das Ergebnis einer lebenslangen Recherche und damit auch ein Zeitdokument über eben diese Stadt und deren Umgebung und auch die DDR. Ob ich es noch mal lesen würde, wahrscheinlich eher nicht.
Profile Image for Tom K..
66 reviews9 followers
April 14, 2025
Zweifellos einer der bedeutendsten Romane der deutschen Literatur des 21. Jahrhunderts.
40 reviews
February 1, 2025
Eine beeindruckende Recherche, aber zu wenig literarisch gestaltet. Mehr Konzentration auf das Wesentliche wäre hilfreich gewesen, jedenfalls aus Lesersicht. Habe es zwar alles in allem gern gelesen, aber mich passagenweise auch durchgequält. Wirklich empfehlen kann ich es denjenigen, die sich für die Region interessieren.
Displaying 1 - 8 of 8 reviews

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