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1008 pages, Hardcover
First published January 1, 2016
Fragen ohne Ende, mit jeder Antwort stellten sich andere, neue ein und führten mich, trieben mich weiter, hinein in gestaffelte verdeckte Einzelheiten, Rätselhaftigkeiten, Geheimnisse, erzeugt nicht nur durch Zurückhaltung, Vorsicht und Mißtrauen, sondern auch durch Verlust und Mangel, Verlust an Wissen, Mangel an Blickfeld.An diesem Punkt setzt die Erinnerungsarbeit an, die mittels Rekonstruktion und Nacherzählen die Möglichkeit eröffnet, eine Art kollektives Gedächtnis entstehen zu lassen. Einen identitätsstiftenden, gemeinsamen Raum geteilter Erfahrungen. Guntram Vesper greift dafür auf Material aus ganz unterschiedlichen Quellen zurück. Neben Fakten aus Archiven, Büchern und dem Internet, sind das vor allem die innerhalb der Familie erzählten Geschichten. Über die Generationen weitergetragen, manche verbürgt, andere wiederum auf reinem Hörensagen basierend. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das sächsische Frohburg. Eine Kleinstadt am Rande der Leipziger Tieflandbucht, in der Vesper 1941 geboren wurde und bis 1957 gelebt hat.
Was für ein Bild die Nachwelt von uns hat, hängt von vielen Umständen ab. Vielleicht haben wir Glück und kommen mit unserem Doppelgesicht und unseren Gemeinheiten durch, und man redet hauptsächlich gut über uns. Vielleicht haben wir aber auch Pech, und gerade unsere Unzulänglichkeiten stehen im Vordergrund und bekommen das Gewicht von Niedrigkeiten und Schlimmerem.Mit Frohburg ist Guntram Vesper ein faszinierendes Buch gelungen, dass von Form und Inhalt her, aus der großen Masse der Literatur zur deutschen Geschichte herausragt. So lautet jedenfalls mein ganz persönliches Fazit.