«Der Meinungskorridor war schon mal breiter. Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen, wenn sie Informationen gewichten und einordnen.» Nicht nur Außenminister Frank-Walter Steinmeier wundert sich über den «Konformitätsdruck in den Köpfen von Journalisten». Glaubt man einer Meinungsumfrage für ZEIT Online vom Dezember 2014, dann glauben 47 Prozent der Deutschen, dass ihre Medien einseitig berichten. Viele haben inzwischen den Eindruck, dass sie überall dasselbe lesen. Uwe Krüger geht dem Mainstream-Effekt auf den Grund und zeigt, wie Lobbynetzwerke,vertrauliche Hintergrundkreise, die soziale Herkunft der Journalisten sowie die dramatisch verschlechterten Arbeitsbedingungen der Branche das Meinungsspektrum einengen.
Seit einiger Zeit ist „Lügenpresse“ ein häufig auftauchender Begriff, Mainstream-Medien ein Schimpfwort und das Vertrauen in die öffentlich-rechtlichen Medien stark gesunken. Warum dies so ist, beleuchtet Uwe Krüger in seinem Buch sehr gut. Das Buch ist hervorragend geschrieben, die Seiten lassen sich verschlingen und trotzdem bekommt man sehr viele Informationen.
Der Autor schreibt über den Katalysator dieses Vertrauenseinbruches, die Ukrainekrise und die Diskrepanz zwischen den Lesern und den Medien. Er erläutert auch die Gründe, warum viele Journalisten Gleiches schreiben und warum die Medienvielfalt nachgelassen hat. Man erfährt, warum die Qualität der Berichte aufgrund von Zeitdruck leidet, wie die Minuten vom Arbeitsalltag verbraucht werden und wie auch Außenmitarbeiter vor Ort selten zum Recherchieren kommen.
Sehr gut ist beschrieben, aus welchem Milieu die Journalisten kommen und warum daher dabei schon die Meinungsvielfalt begrenzt wird. Uwe Krüger erläutert weiterhin, wie die Medien sich ihren eigenen Nachwuchs „heranzüchten“ und wie sich dieser mit der Wirtschaft und Politik gutstellen muss, um an den Quellen für Nachrichten zu bleiben. Dabei erhält man Hintergrundwissen, wie Unterredungen mit Politikern ablaufen und wie diese versuchen die Journalisten zu steuern.
Als einziger Wermutstropfen ist mir aufgefallen, dass nur über die öffentlich-rechtlichen Medien, dem „Mainstream“ geschrieben wird. Ich hätte gerne noch ein Kapitel über kleinere Medien oder Blogger gelesen im Vergleich zum Mainstream. Auch wenn das Buch durch den Titel gleich aussagt, dass es sich mit dem Mainstream beschäftigen wird, fehlt mir noch die Alternative. Aufgrund dieses Fehlens bekommt das Buch von mir daher nur 4 Punkte. Trotzdem gibt es von mir eine Kaufempfehlung, da das Buch sehr interessant und sehr gut geschrieben ist. Sehr positiv ist auch, dass das Buch relativ neutral geschrieben ist und Uwe Krüger keine extreme Position bezieht.
Mit "Mainstream" legt der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Krüger eine unbequeme Analyse des deutschen Journalismus vor, in der er u.a. den hohen Anpassungsdruck und die zu geringe Zeitkapazitäten für die journalistische Arbeit moniert. Beachtlich ist zudem, dass Krüger - selbst eher ein Linker - anerkennt, dass die weltanschauliche Homogenität des journalistischen Milieus (eher links, kosmopolitisch, bürgerlich) ein Problem für die mediale Ausgewogenheit geworden ist, wodurch konservative und liberale Positionen häufig unterrepräsentiert sind. Im Ergebnis eine bessere Medienkritik als wir sie von Precht und Welzer gelesen haben
Vielleicht ist es ein ganz guter Text, wenn man die darin vorkommenden Ereignisse miterlebt hat und weiß die die Berichterstattung war. Für jemanden der das nicht miterlebt hat, ist es zu spezifisch, als dass man viel verstehen würde.
Viele wichtige Denkanstöße und interessante Aspekte. Finde die Verwendung von "Mainstream" aber problematisch. Man kann diesen Zustand beschreiben, ohne dieses Wording.