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Hell und Schnell: 555 komische Gedichte aus 5 Jahrhunderten

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Wer immer die düstere und weltweit verbreitete Ansicht teilt, die Deutschen hätten keinen Humor, der wird durch dieses Buch schnell eines Helleren belehrt: Das komische Gedicht ist seit Jahrhunderten der deutsche Königsweg zur Hochkomik. Über Jahre hinweg haben Robert Gernhardt und Klaus Cäsar Zehrer in ihren privaten Sammlungen gestöbert, in Bibliotheken recherchiert und in Archiven geforscht, um die besten komischen Gedichte in einem Band zu versammeln. 555 Gedichte aus 5 Jahrhunderten von über 200 Autoren bestanden die strenge Aufnahmeprüfung in den Palast der komischen Dichtung. Seine prunkvollen Säle – Ehrenhalle, Galerie, Spiegelkabinett, Spielsalon, Konzertsaal und Wunderkammer – eröffnen einen einzigartigen Einblick in sämtliche Spielarten komischer Poesie.
Es kommen nicht nur alle wohlbekannten Klassiker, wie Heine, Busch, Morgenstern, Ringelnatz, Tucholsky, Brecht und Jandl, zu Wort, es ertönt zugleich ein vielstimmiger Chor von unbekannten und wiederentdeckten, vergessenen und neu hinzugekommenen Stimmen, die eines gemeinsam haben: Sie alle jonglieren meisterhaft mit Reim und Metrum, Wort und Klang, Sinn und Unsinn. Den Leser erwartet ein mitreißendes und erhellendes Vergnügen: Die umfangreichste und vielfältigste Anthologie poetischer Hochkomik von den frühen Meistern bis zu den heutigen Könnern.

624 pages, Hardcover

First published January 1, 2004

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About the author

Robert Gernhardt

181 books8 followers
Robert Johann Arthur Gernhardt war ein deutscher Schriftsteller, Dichter, Zeichner und Maler.

Im Dezember 2008 stiftete die Landesbank Hessen-Thüringen im Andenken an Robert Gernhardt den beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst angesiedelten Robert-Gernhardt-Förderpreis (heute: Robert-Gernhardt-Preis). Er wird seit 2009 jährlich an je zwei hessische Autoren vergeben, um sie darin zu unterstützen, ein besonderes literarisches Projekt zu verwirklichen.

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Klaus Mattes.
716 reviews10 followers
December 21, 2024
Eine kleine Enttäuschung, diese Gedichteanthologie. Warum? „Zehn Thesen zum komischen Gedicht“ stellt Robert Gernhardt - statt eines Vorworts - auf. These 7:

Das komische Gedicht ist zeitverfallen. Komische Gedichte wurden zu allen Zeiten verfertigt, ohne daß wir Heutigen sie durch die Bank belachen könnten.

Genau dieses dürfte das Problem sein, wenn man enzyklopädische Fülle anstrebt und vergangene Epochen historische Gerechtigkeit angedeihen lassen möchte. Wie Gernhardt und Zehrer, die beide auf eine sechsstellige Zahl gelesener Gedichte zurückblicken, bevor sie sich an die Herausgabe dieser Komiklyrikbibel machen. Wo das beabsichtigt unbeabsichtigte Sich-Versprechen eines Werner Finckh bei Gelegenheit der Machthaber des Dritten Reiches heute überhaupt nur noch über historische Erläuterungen vermittelt als „früher mal saukomisch“ rekonstruiert werden kann, wie sollte da irgendwer Adolf Glaßbrenners Sich-Versprechen angesichts der 1848-er Revolution noch unmittelbar wirken?

Und die Censoren! Müßte nicht
Man ihnen, die den freien
Gedanken schlachten, in’s Gesicht
Spa .. spe .. spi .. spo .. spu .. spött ..spötteln: Wir sind Denker,
Und ihr des Geistes L .. enker!

Selbstverständlich sind das späte 20. und das frühe 21. Jahrhundert in der Auswahl überrepräsentiert. Aber musste sein, dass jedem der alten Kollegen aus der „pardon“- und „Titanic“-Redaktion und vom „Raben“-Magazin des verblichenen Haffmans-Verlag pflichtschuldig Platz für seine(n) Auftritt(e) eingeräumt wurde? Robert Gernhardt natürlich, den lassen wir uns gern gefallen, aber sie alle auch noch: Matthias Beltz, Thomas Gsella, Gerhard Henschel, Ernst Kahl, Hans Kantereit, Peter Knorr, F.W. Bernstein, Simone Borowiak, Manfred Deix, Wiglaf Droste, Bernd Eilert, Max Goldt, Volker Kriegel, Bernhard Lassahn, Axel Marquardt, Helge Schneider, Klaus Stieglitz, Reinhard Umbach, F.K. Waechter, Günter Nehm, Bernd Pfarr, Thomas Pigor, Harry Rowohlt, Arno Schmidt, Ror Wolf, Klaus Cäsar Zehrer, Beat Zwicky! Uff.

Andererseits der unverkennbare Wille, Haus- und Familienbuch, zu werden Aber wie sucht man das zusammen? Man lässt sich aus Bibliotheken Vergleichbares kommen, das es früher schon gegeben hat. Zum Teil vor sehr langer Zeit. Und man schickt sich Fotokopien zu, über die man dann per Plus- und Minuszeichen abstimmt. Zwei Plus ist besser als eine schwarze Null, einmal Plus und einmal Minus heißt raus.

Aus dem Quellenverzeichnis:
Die zehnte Muse, 720. Tausend, Darmstadt 1964; Kriminalsonette, Erstausgabe 1913, Kurt Wolff Leipzig; Komm, zieh dich aus, Handbuch der literarischen Hocherotik, Haffmans 1991; Der Aeolsharfenalmanach, herausgegeben im Auftrage des Allgemeinen Deutschen Reimvereins, Berlin 1896; Von A bis Zett, elf Alphabete herausgegeben von Jochen Jung, Residenz, Salzburg 1980; Kleiner Scherz am Rande, Verlag Bert Raffman, Basel 1892; Stabreimgedichte von A bis Z, Eremiten-Presse, Düsseldorf, 2003; Deutscher Humor, Gereimtes und Ungereimtes aus alter und neuer Zeit, Piper, München 1947; Das große Endrikat-Buch, Blanvalet bei Random House; Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Versuch in Scherzhaften Liedern, 1745; Die Wüste ist aus gelbem Mehl, Groteskgedichte herausgeben von Friedrich Achleitner, Zsolnay, Wien.

Tja und so ähnlich wurde es dann. Und kleine Zeichnungen von Robert Gernhardt sind keine dabei! Es hat ein vergrößertes Hausbuch-Format, es ist gebunden, aber doch im Fischer Taschenbuch Verlag erschienen, was bedeutete, dass es kein gutes Papier dafür gab, eher schaut es nach Recycling-Toilettenpapier aus.

Über Friederike Kempner, die schlesische Gutsherrin, von der überliefert wird, sie habe nie komisch schreiben wollen, wissen die biografischen Anmerkungen im Buch: „Die erste Ausgabe ihrer Gedichte erschien 1873 und blieb praktisch unbeachtet, bis Paul Lindau 1879 in seiner Zeitschrift „Gegenwart“ ihre Dichtkunst ironisch würdigte. Fortan wurde das Werk des „schlesischen Schwans“ eifrig gekauft, teils von Freunden unfreiwilliger Komik, teils von Verwandten, die die Auflagen in ihre Hand bringen wollten, um die Familie vor Spott zu bewahren.“

Friederike Kempner: Der Kontrast

Im feinen, weißen Spitzenkleide,
Im blonden Haar Kamelienkranz,
Steht heut Madam’, ‘ne Augenweide
Macht Toilett’ beim Kerzenglanz.

Vier Hände sind bemüht zu schmücken
Ihr selig lächelnd Angesicht,
Ihr Dies und Jenes recht zu rücken,
Und auch die ihr’gen ruhen nicht.

Sie geht zum Ball’, und dreist ich sage,
Die Frau ist reizend, wunderschön,
Daß sie gefällt ist keine Frage,
Das muß ihr selbst der Neid gesteh’n!

Wenn auch nicht eingehüllt in Flimmer,
So spielt doch ganz dieselbe Szen’
Ihr Herr Gemahl im Nebenzimmer,
Der freilich etwas minder schön.

Sehr fein ist seine Toilette,
Es glänzt der Ring an seiner Hand,
Er putzt die goldene Lorgnette,
Setzt eine Cigarett’ in Brand.

Er ist schon fertig, spricht mit Würde:
„Der Wagen steht für uns bereit,
Du bist sehr schön, genug der Zierde,
Mein Kind, es ist die höchste Zeit!“

„Wie glücklich bin ich“, – ruft sie leise,
„Auch ich“, – sagt lauter ihr Gemahl,
„Es macht mich Deine Art und Weise
Sehr stolz auf meine gute Wahl!“

„Komm“– sagt er, froh an Faro denkend, –
„Dir alles, alles, herrlich steht“, –
Und seinen Kopf bedenklich senkend –
„Wir kommen wahrlich heut zu spät!“

Nur noch das Halsband von Demanten,
Nur noch die Brosche mit dem Opal,
Das Taschentuch mit den Brabanten,
Den Blütenstrauß und dann den Shawl!

Zu Ende ist die Toilette
In Wahrheit ein possierlich Bild,
Solch’ Torheitseifer um die Wette,
Stets aus beschränktem Geiste quillt.

So jung, so schön, so voller Freuden,
So voller Anmut und so reich,
So eilen nun zum Ball die Beiden,
An Eleganz sich selber gleich.

Die reichen Menschenkindchen träumen
In dem Moment von Unglück nicht,
Da sieh, sich scheu die Rosse bäumen
Vor eines Mannes Angesicht.

Ein armer Mann, die Stirn voll Falten,
Mit stierem Auge, hohler Wang’,
Mit Lippen, dünnen, bleichen’, kalten,
Die schon vertrocknet schienen lang.

Er stand an jener heiter’n Schwelle,
Verhungert und erstarret fast,
Der Mond beschien an jener Stelle
Das Elend unter seiner Last.

„Ich fleh“ – spricht er – um ein Almosen,“
Und küßt der schönen Frau die Hand,
Sein schwacher Kuß zerdrückt die Rosen,
Die an des teuren Handschuh’s Rand.

„Mein Freund“ – sagt sie mit kalten Mienen,
Erzürnt durch diese Freveltat –
„Ich habe keine Zeit zu Ihnen!
Ob Robert etwa Kleingeld hat?“

Ihr Mann zieht nun den vollen Beutel,
Wie herrlich glänzt darin das Gold!
Doch all sein Suchen war nur eitel,
Denn wen’ges war’s, was er gewollt.

„Halt, halt, gieb Etwas jenem Armen“,
– So herrscht der Herr den Kutscher an –
Des Letzteren Blick fällt voll Erbarmen
Und Grauen auf den armen Mann.

Er greift hinein in seine Taschen,
Vier Groschenstücke sind darin,
Schnell sucht er alle zu erhaschen,
Und wirft sie rasch dem Armen hin.

„Hier, Bruder, sind vier Groschenstücke,
‘s ist alles, was ich geben kann.“
„Und“– sagt er sanft, mit feuchtem Blicke:
„Fragt manchmal dort im Giebel an!“

Jetzt rollte fort der rasche Wagen,
Der Kutscher wischt ein Aug’ sich ab:
Er denkt an all’ die großen Fragen,
Die solch’ Kontrast zu lösen gab.

Profile Image for Sharon.
9 reviews4 followers
September 29, 2008
I went to the DAAD office and asked Giesela if she had any books of poems, and she gave me this one. "555 Funny Poems from 5 Centuries." It turns out that most of the poems are contemporary, with only a tiny representation from the earlier 4 centuries. They are amusing, but like most humourous poems, a little superficial. I guess I just like poems about sex and death better.
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