Als der junge Hans Hölzel damals 1981 in Horst Borks Büro mit einem schwarzem Anzug inklusive Hut gekleidet kommt, in der einen Hand hält er Mozartkugeln, die er vor dem Treffen brav verteilt hat, in der anderen trägt er einen Plastikaktenkoffer mit sich, mit Songsdemos, weiss wohl niemand, dass dieser junge Mann mal ganz oben in den US-Charts landen wird.
Denn als er das Demo auflegt ist Bork weniger begeistert „Helden von heute“ ist nett anzuhören aber wohl kaum ein Hit mit dem man auch Stimmen aus dem Ausland gewinnt. Ungern will er den jungen Wiener nach Hause schicken, da dieser den langen Weg von Wien nach Hamburg zwei Tage lang mit seinem alten kleinen Käfer gefahren war um bei ihm aufzukreuzen. Etwas verlegen fragt er nach einer B-Seite, Hans zögert einen Moment, antwortet dann, ja aber es geht um Kokain, sowas will doch kein Mensch hören... Horst Bork besteht drauf und als die Textzeilen aus dem Lautsprecher kommen „Drah di net um, der Kommisar geht um...“ ist er sicher, das wird ein neuer und ganz grosser Hit. Die beiden schlagen ein und bei einem darauffolgenden Abendessen überzeugt er Hans vom zukünftigen Hit, wobei das „Sie“ gegen ein gegenseitiges „Du“ ausgetauscht wird.
Ab hier beginnt eine lange Reise geprägt von vielen Tiefs, jedoch ist es auch der Beginn einer langjährigen Freundschaft.
Ich bin ehrlich ich war ziemlich kritisch gestimmt als ich dieses Buch zum ersten Mal in den Händen gehalten habe, was war das für ein „Freund“, der ein Buch über Wahrheit schreibt und dabei private Sachen Preis gibt? War wohl die erste Frage, die mir durch den Kopf ging.
Nun ich habe mich auf das Buch eingelassen und ich wurde positiv überrascht.
Horst Bork schreibt neutral dennoch komplett ehrlich, kein unnötiges Drumherum, es ist die ungeschminkte Wahrheit über Falco mit der er mich persönlich quasi ins kalte Wasser schmiss.
Falco, der Größe Popstar, ist schließlich nur eine Kunstfigur, die sich Hans Hölzel ausgedacht hat und die er zum Leben erweckt hat mit Wiener schmäh, Humor und Charme. Jedoch sieht es hinter der Bühne anders aus, Hans‘ Persönlichkeit wird von Zerrissenenheit, Unsicherheit und Selbstzweifeln geprägt.
Je mehr Zeit vergeht desto mehr Druck lastet auf ihn und während er in der einem Moment noch charmant und makellos in die Kamera lächelte, schmettertet er im anderen Moment schreiend ein Glas nach dem anderen an die Wand.
Horst Bork lässt einem selbst in diese Welt eintauchen, mit seiner neutralen Sicht auf die Dinge gibt er einem eigenen Raum sich seine eigene Meinung über alles zu bilden. Er schildert klar und deutlich die Erlebnisse und nur manchmal gibt es von ihm selbst kleine Anmerkungen und Kommentare. So auch über die Probleme, die von Jahr zu Jahr immer größer werden, die Balance zwischen Freund und Manager zu finden.
Fazit: ich würde dieses Buch auf jeden Fall weiterempfehlen an alle die, die Person Falco näher kennenlernen und mehr erfahren wollen, auch verstehen wollen warum.