Worum geht’s?
Nach Jahren in den USA, wo sie eine Familie gegründet hat, kehrt Lumme Hansen zurück auf ihre Heimatinsel in der Nordsee. Die Meeresbiologin hat sich bereiterklärt, für ein Jahr die Leitung des Inselaquariums zu übernehmen, um nach dem Tod ihrer Mutter ihrem Vater beizustehen. Lumme hat die Insel und ihre artenreiche Tierwelt schon immer geliebt, deshalb ist sie schockiert über den Plan eines schwedischen Konzerns, vor der Küste einen Windpark zu bauen. Als ihr und ihrem Assistenten Henning dann auch noch ein seltenes Seepferdchen ins Netz geht, nimmt Lumme entschlossen den Kampf um die Zukunft der Insel auf. Während die Meeresbiologin sich darum bemüht, die Öffentlichkeit für ihr Anliegen zu mobilisieren, wird sie gleichzeitig immer mehr von ihrer Vergangenheit eingeholt…
Meine Meinung
Das Cover dieses Romans verspricht leichte, unbeschwerte Strandlektüre, tatsächlich hat „Im Herzen das Meer“ aber eine Menge Spannung und Tiefgang zu bieten. Die Handlung nimmt zwar recht langsam Fahrt auf, doch sobald der Kampf um die Insel einmal ins Rollen gekommen ist, wird die Geschichte zu einem echten Page-Turner. Die Zerstörung der Meere, wie sie hier angeprangert wird, ist leider jedoch alles andere als Fiktion, sondern traurige Realität. Ich hoffe sehr, dass Romane wie dieser Menschen aufrütteln und sie dazu motivieren, sich für Umweltschutz und Artenerhalt einzusetzen. Die Kontroverse um Windenergie stellt die Autorin sehr eindrücklich dar, hier sind selbst Lumme und ihr Vater unterschiedlicher Meinung.
Die ansonsten wirklich enge Beziehung der beiden und ihre gemeinsame Trauer fand ich sehr berührend. Wenn man die beiden zusammen erlebt, würde man gar nicht denken, dass Lumme jahrelang weg war. Gut gefallen hat mir auch, wie ihre Zerrissenheit zwischen der Insel einerseits und ihrer Familie in den USA andererseits dargestellt wird. Dieser Aspekt hätte aber noch ein bisschen öfter aufgegriffen werden können, manchmal habe ich fast vergessen, dass es Todd und Josh auch noch gibt. Das Happy End war mir persönlich dann ein bisschen zu zuckersüß und zu dick aufgetragen. Besonders gestört hat mich, dass sich sämtliche Konflikte mehr von selbst in Wohlgefallen auflösen statt wirklich aufgearbeitet zu werden.
Ein großer Pluspunkt für den Roman ist dagegen Karen Bojsens toller, bildhafter Schreibstil. Die Autorin findet treffende und außergewöhnliche sprachliche Bilder und vermittelt so sehr eindrücklich die Gefühle ihrer Protagonistin. Absolut gelungen sind auch die Beschreibungen der Insel, deren reales Vorbild Helgoland ist. Mir wäre es auf einer Nordseeinsel auf die Dauer viel zu kalt, aber Bojsen bringt die raue Schönheit der Landschaft wirklich wunderbar rüber.
Lumme passt mit ihrer Leidenschaft für die zerklüfteten Küsten und die raue See so gut auf die Insel, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie sie es jahrelang in Kalfornien ausgehalten hat. Mir war die Protagonistin von Anfang an sympathisch, entschlossen und tatkräftig setzt sie sich für ihre Überzeugungen ein. Ihr Assistent Henning ist ebenfalls eine ganz wunderbare Figur – ein bodenständiger, liebenswerter und verlässlicher Wassermann. Ohne seine freundschaftlichen Schlagabtäusche mit Lumme wäre der Roman wohl nur halb so unterhaltsam geworden.
Fazit
Ein wirklich gelungener Roman mit ganz viel Gefühl und starker Botschaft! Die Story ist spannend, die Protagonistin sympathisch und der Schreibstil wunderbar anschaulich. Nur das Happy End ist ein bisschen zu süß geraten.