Bei Büchern deutscher Autoren warte ich normalerweise einige Wochen oder Monate, bis ich mich dazu entscheide, der Geschichte eine Chance zu geben. Denn ich bin in den meisten Fällen ein Mensch, der sich sehr von den Meinungen anderer Leser beeinflussen lässt und gerne im Vorhinein weiß, wie das Buch denn nun im Allgemeinen angekommen ist. Anders als bei übersetzten Neuerscheinungen, bei denen natürlich schon Rezensionen vorliegen, wirft man sich selbst ins kalte Wasser, wenn man ein Buch liest, das noch so gut wie keine Rückmeldung genossen hat. Zur Abwechslung fand ich das jedoch sehr angenehm da mir dadurch noch nicht allzu viel vorweggenommen wurde.
Nachdem ich den Klappentext kannte -Verrückte jagen Mädchen mit Pfeil und Bogen durch den Wald- war ich sofort interessiert und wollte mich auch sofort ins Geschehen werfen. Obwohl aus dem „sofort“ dann jedoch „nach einer Woche oder so“ geworden ist, wurde Killgame relativ schnell zu meinem currently reading.
Ich gebe zu, ich hatte nicht allzu hohe Erwartungen und habe mich mehr oder weniger blind auf das Buch eingelassen und wurde überrascht. Anstatt auf der Stelle in eine blutige und brutale Szenerie hineingeworfen zu werden (was ich insgeheim befürchtet hatte), führt der Autor einen an den Anfang.
Nia, die als frische Volljährige von Zuhause flüchtet, wünscht sich nichts sehnlicher, als dem beengenden Stadtleben zu entkommen. Auf dem Weg in die Freiheit begegnet sie vielen neuen Leuten und muss selbst erleben, wie hart es doch ist, ohne Mittel in einer Großstadt zu überleben.
Währenddessen sucht Dries Torwellen nach seiner Nichte und ist ihr, meiner Meinung nach, doch etwas zu schnell auf der Spur. Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten.
Die Geschichte wirkte sehr komplex und überraschte mich auf Grund des krimilastigen Erzählstranges. Die gesamte erste Hälfte ist sozusagen der Aufbau und die Einleitung, in die zweite Hälfte, in der die Menschenjagd dann schließlich stattfindet. Obwohl die Jagd erst relativ spät anfängt, war das Buch an keiner Stelle langweilig.
Da die Story aus mehreren Perspektiven erzählt wird, hatte ich als Leser natürlich die Möglichkeit die Geschichte aus der Sicht des Opfers, aber auch des Täters, des Jagenden und des Gejagten mitzuerleben. Die Charaktere wirkten jedoch alle einzigartig und verschwammen nicht zu einem einheitlichen Gefühlsball, wie es leider oft der Fall ist, wenn mehrere Personen zu Wort kommen. Doch obwohl alle Charaktere sehr authentisch und echt wirkten, habe ich zu keiner Zeit wirklich mit ihnen mitgelitten. Nia wirkte auf mich ab und an etwas zu naiv und Dries zu sehr wie der perfekte Retter.
Außerdem gefielen mir diese mystischen Aspekte nicht wirklich und haben mich irgendwie verwirrt zurückgelassen. Die „Schatten“ und die heimgesuchte Holzpuppe waren meiner Meinung nach einfach überflüssig und auch die Sexszenen hätten nicht sein müssen.
Alles in Allem war das Buch durchaus unterhaltsam und spannend, da ich allerdings nicht besonders erfahren in diesem Genre bin, kann ich das Werk schlecht mit anderen Büchern vergleichen. Auf Grund des flüssigen Schreibstils und der überraschend komplexen Storyline, bekommt Killgame 4 von 5 Sterne von mir.