Genie und Wahnsinn, sagt man, lägen dicht beieinander. Möglich, dass dieses Buch der ultimative Beweis für die Behauptung ist.
Mit Elias Hirschl hat sich die schwarze Mathematik einen Boten ausgesucht, auf den sie bauen kann. Was das ist? Elias Hirschl ist ein junger, hoffentlich aufstreb... ach so. Die 'Schwarze Mathematik'. Nun ... die ist etwas komplizierter, und in Wahrheit auch ein wunderbarer Startpunkt für meine Rezension.
Zunächst das Wesentliche: In 'Meine Freunde haben Adolf Hitler getötet und alles, was sie mir mitgebracht haben, ist dieses lausige T-Shirt' (ab jetzt: DAS BUCH) geht es um Zeitreisen. Und zwar nicht um jene Form davon, die in den meisten billigen, teuer produzierten Hollywood-Blockbustern gezeigt wird, sondern um die einzige mögliche. Wir können nämlich nicht wirklich innerhalb unserer Zeitachse gondeln. Das wäre viel zu gefährlich und wird uns vom Autor deshalb auch recht plausibel ausgeredet. Dafür allerdings machen wir uns einen Umstand zu nutze, der eine Art ... Trick beinhaltet. Das Universum ist nämlich kein statischer Ort, wie wir wissen. Es dehnt sich, und dehnt sich, und dehnt sich - und irgendwann bricht alles zusammen und beginnt von neuem.
Da dann wieder alles beim Alten ist, entwickelt sich alles auch wieder gleich - und sieht genauso aus wie bei uns. Bloß, dass es nicht wirklich unsere Welt, sondern sozusagen eine zeitlich versetzte Kopie ist. Verstanden? Ausgezeichnet, dann können wir es ja noch ein wenig komplizierter machen.
Das ganze ist übrigens auch verwaltet, sodass zwei Zeitreisende stets eigene Nachfolge-Welten zugeteilt bekommen. Das hat zur Folge, dass es plötzlich möglich ist DOCH in die Vergangenheit zu reisen - wenn auch nicht in die eigene, sondern eben in eine spätere Vergangenheit. Die Wiederholung, sozusagen. Dort kann auch allerlei Unfug angestellt werden: Thomas Bernhards Mutter besuchen um ihren Sohn diesmal richtig erziehen zu lassen, das Woodstock-Publikum infiltrieren, Banken ausrauben und Adolf Hitler töten. Letzteres ist übrigens der Volkssport #1 und ein wichtiger Faktor in der Unterhaltungsökonomie der Zukunft.
Wo war ich noch gleich? Ach ja. Das ganze Buch strotzt nur so vor Fehlern und stimmt von vorne bis hinten. Und dieser Umstand geht auf die Kappe der 'Schwarzen Mathematik', einem der wichtigsten Kontrahenten aller auftauchenden Figuren im Buch und zu vernachlässigendem Gegner der Menschheit, wie Elias Hirschl sie beschreibt.
Nicht ganz verstanden, was ich meine ? Sensationell, so soll es sein. Denn eigentlich solltet Ihr nur noch ein paar Dinge wissen, bevor Ihr Euch das Buch kauft und es anschließend auch lest (aber wirklich, hey!).
Über das Buch
Für meinen Geschmack schrammt das Buch ein wenig zu häufig an der Geschmacklosigkeit entlang. Die vielen, explizit gewalttätigen Szenen und buchstabengegossenen Mordfantasien des Autors sind keine leichte Kost - wie übrigens das gesamte Buch nicht. Auch wenn der Rest des Textes verhältnismäßig leichtfüßig und witzig daher kommt, sind Ausschnitte daraus wirklich grausam - aber nicht unpassend.
Es ist ein Buch, wie es in keinem großen Verlag dieser Welt hätte publiziert werden können. Dem Milena-Verlag verdanken wir, dass Elias Hirschl in Zukunft vielleicht noch mehr irre Ideen verwirklichen darf. Ein bisschen weniger lokal dürfte es dabei schon zugehen, dann könnte ich mir auch noch echten Erfolg vorstellen.
Beim Lesen darf man nämlich an keinem Punkt vergessen, dass das Buch von einem Wiener geschrieben wurde.
Anmerkungen
(1) Schlagobers = Sahne
(2) Wer es liest sollte sich kurzfristig in das Gehirn eines Wieners versetzen. Zur Einstimmung: Alles ist scheiße. Aber das interessiert uns nicht. Sollen sich doch die anderen darüber ärgern. Obwohl ... die haben auch keine Ahnung und können so ziemlich gar nichts. Mir wurscht. Bier?
(3) Es kommen explizite Gewaltszenen vor, auf die man sich einstellen sollte. Hitler zu töten geht auch nicht weniger dramatisch ab als unschuldige Kinder zu erledigen.