1898 sticht der Schraubendampfer Valdivia mit modernster wissenschaftlicher Ausrüstung in See: an Bord führende Wissenschaftler des Deutschen Reiches, die auf der neunmonatigen Reise die Beschaffenheit des Meeresbodens erforschen und zahlreiche neue Tierarten entdecken werden.
Mit erzählerischer Verve stellt Rudi Palla nicht nur die wissenschaftlichen Erkenntnisse dieser Forschungsreise dar, sondern vermittelt durch bisher nicht ausgewertete Materialien wie Notiz-, Tage- und Fangbücher auch einen lebendigen Eindruck vom Leben an Bord. Zahlreiche Originalabbildungen zeigen, welch ungeahnte Pracht und welchen Reichtum die Tiefsee in sich birgt.
Ich muss zugeben, dass ich von manchen Büchern sehr schnell angetan bin, weil mir ihr Äußeres gut gefällt. Dies war so ein Fall: Ein ansprechendes Cover, feinkörniges Papier, das sich edel anfühlt, eine schöne, reiche aber dabei nicht unnötige Bebilderung und vor allem die Kapitel-Titelseiten fand ich so schön gestaltet, dass ich das Buch dauernd anfassen und anschauen wollte.
Aber natürlich hat zu einem großen Teil auch der Inhalt zur positiven Bewertung beigetragen. Ich habe zuvor kaum Expeditionsberichte gelesen, dieser hier hat sich aber sehr locker und angenehm lesen lassen und aus diversen Quellen offenbar einen vollständigen Bericht zusammengetragen, der nie zu viele Informationen vermitteln will und immer wieder durch die manchmal sehr entzückenden Formulierungen des Expeditionsleiters Carl Chun ergänzt wird. Die Exkurse, um das Ganze ein wenig zu kontextualisieren, kamen mir dabei nie zu lang vor, und nachdem ich mich noch kaum mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands befasst und von früheren Weltbildern nur einen eher groben Eindruck habe, fand ich es aufschlussreich, darüber mehr zu erfahren (die Besatzung machte auf ihrer Reise durch Atlantik und den Indischen Ozean mehrere Male in Afrika Halt).