Noch ist die Welt nicht bereit, von der Droge 'Wachstum' zu lassen. Aber die Diskussion über das Ende der Maßlosigkeit nimmt an Fahrt auf. Der Umweltökonom Niko Paech liefert dazu die passende Streitschrift, die ein 'grünes' Wachstum als Mythos entlarvt. Nach einer vollen Arbeitswoche möchte man sich auch mal etwas gönnen: ein neues Auto, ein iPad, einen Flachbildfernseher. Ruckzuck steckt man im Teufelskreis aus Konsumwunsch und Zeitmangel. Und nicht nur das: der stete Ruf nach 'mehr' lässt Rohstoffe schwinden und treibt die Umweltzerstörung voran. Dabei gelten 'grünes' Wirtschaftswachstum und 'nachhaltiger' Konsum als neuer Königsweg. Doch den feinen Unterschied – hier 'gutes', dort 'schlechtes' Wachstum – hält Niko Paech für Augenwischerei. In seinem Gegenentwurf, der Postwachstumsökonomie, fordert er industrielle Wertschöpfungsprozesse einzuschränken und lokale Selbstversorgungsmuster zu stärken. Das von Paech skizzierte Wirtschaften wäre genügsamer, aber auch stabiler und ökologisch verträglicher. Und es würde viele Menschen entlasten, denen im Hamsterrad der materiellen Selbstverwirklichung schon ganz schwindelig wird.
Zynische Menschenfeindlichkeit und abenteuerliche Problemanalyse
Ich hatte mich sehr darauf gefreut, das Buch zu lesen, da ein utopisches Nachdenken darüber, wie man eine Gesellschaft so gestalten könnte, dass sie angemessen auf drängende Probleme wie den Klimawandel reagieren kann, leider bitter nötig ist. Allerdings wurde ich von dem Buch ziemlich enttäuscht, was vor allem an zwei Punkten lag, die sich durch das ganze Buch ziehen. Natürlich hat das Buch auch einige Stärken, aber da diese in anderen Rezensionen aufgezählt werden, fokussiert sich dieser Kommentar auf die negativen Aspekte, die aus meiner Sicht deutlich überwiegen.
Zunächst einmal habe ich ein Problem mit den Problemanalysen. Ich weiß nicht, ob Paech sie an anderer Stelle noch besser und differenzierter ausführt (ich freue mich über weiterführende Empfehlungen hierzu!), aber im Buch erscheinen sie mir eher platt und äußerst abenteuerlich.
Das Ziel von Paech ist es, das Wachstum der Wirtschaft im Sinne der Umwelt zu stoppen. Um dies zu erreichen, hält er es allerdings - wie er mehrmals explizit unterstreicht - nicht für notwendig, grundsätzlich etwas an der kapitalistischen Produktionsweise zu ändern, und er streitet den inhärenten Wachstumszwang, der dem Kapitalismus innewohnt, ab. Aus seiner Sicht besteht der einzige (?!) Grund dafür, dass Unternehmen Waren nicht zum Selbstkostenpreis verkaufen und somit wachsen, darin, dass diese Unternehmen Schulden machen müssen und somit Zinsen zurückzahlen müssen, und also dazu gezwungen sind, mehr Geld zu erwirtschaften, als sie in die Produktion stecken.
Laut dem Buch sei das Allheilmittel also einfach, die Schulden und die Zinsen aus der Welt zu schaffen, und schon würden Unternehmen zum Selbstkostenpreis produzieren und die Wirtschaft würde aufhören zu wachsen. Das ist eine wirklich absurde Annahme, denn Paech abstrahiert völlig von dem in der kapitalistischen Logik völlig verständlichen Gewinnstreben. Wieso sollte in einer kapitalistisch organisierten Welt überhaupt noch ein Unternehmen das Risiko eingehen Waren zu produzieren, die es vielleicht nicht verkaufen kann und somit potentiell Geld verlieren würde, wenn es nicht darauf hoffen kann, Gewinn zu machen? Und damit will ich nicht sagen, dass nicht eine Welt denkbar wäre, in der Waren nicht primär aus Gewinnstreben produziert werden, allerdings nicht unter kapitalistischen Verhältnissen, die Paech nicht grundsätzlich kritisieren möchte. Stattdessen liefert das Buch lediglich eine Pseudokritik der Wirtschaftsverhältnisse, die zwischen gutem (schaffendem) Kapital und bösem (raffendem) Kapital (also den Zinsnehmern) unterscheidet, wobei zweiteres ersteres gegen dessen Willen zum Profitmachen und zum Wachsen zwingt. (Selbstverständlich benutzt Paech nicht genau diese Worte, und selbstverständlich identifiziert er das raffende Kapital nicht mit den Juden! Jedoch scheint es mir eine strukturelle Ähnlichkeit der Argumentationen der Wirtschaftskritiken zu geben, auch wenn Paech seine Kritik selbstverständlich in ganz anderer Absicht äußert als damals die Nationalsozialisten.)
II
Auch die Unterbreitung der weitergehenden Lösungsvorschläge erscheinen mir zum Teil wenig differenziert. Da er ohne es so wirklich zu begründen Schulden der Individuen, Unternehmensschulden und Staatsschulden in einen Topf wirft (auch hier freue ich mich über Hinweise, ob er an anderer Stelle genauer ausführt, wieso das legitim sei), schießt er sich im Folgenden auf Staatsschulden als das große Übel überhaupt ein. Ich hätte gerne gelesen, warum er glaubt, dass die große Anzahl der FDP-nahen Wirtschaftswissenschaftler:innen falsch liegen, die Wachstum als das erstrebenswerteste Ziel des Wirtschaftens erachten, die aber ebenso wie Paech für eine Schuldenbremse eintreten, weil sie davon überzeugt sind, dass diese für ein Wirtschaftswachstum nicht abträglich sei.
Noch abenteuerlicher wird es allerdings bei seinem Plädoyer für Schwundgeld. Schwundgeld ist ein Konzept, mit dem versucht worden ist, Wirtschaftskrisen zu begegnen, indem Geld eingeführt wird, das in kurzer Zeit deutlich an Wert verliert. Die Hoffnung der Initiatoren von Schwundgeld lag darin, dass Menschen Geld nicht mehr horten und sparen würden, sondern es so schnell wie möglich wieder ausgeben würden, bevor es an Wert verliert, um so die Wirtschaft anzukurbeln und sie zum Wachsen zu bringen. Es bleibt mir nach dem Lesen des Buches völlig unverständlich, warum Paech diese Idee, die extra dafür erschaffen worden ist, um mehr Wachstum zu erreichen, plötzlich als Zaubermittel gegen Wachstum ansieht. In einer kapitalistischen Gesellschaft mit Schwundgeld wäre es doch völlig rational von Unternehmen und Menschen, alles Geld, was sie einnehmen, möglichst sofort wieder auszugeben, was Paechs Ziel eines Wachstumsstopps ja total entgegenläuft.
III
Noch mehr erschrocken hat mich allerdings eine zynische Menschenfeindlichkeit und ein Hass auf die Zivilisation und auf ein wie auch immer geartetes gutes Leben, die aus ganz vielen Textstellen herauszuklingen scheinen.
Versteht mich nicht falsch, es ist notwendig darüber nachzudenken, wie Gesellschaften vernünftigerweise einzurichten sind, so dass die über acht Milliarden Menschen auf der Welt auf eine Art und Weise leben können, in der wir nicht unsere eigene Lebensgrundlage zerstören, die für ein gutes Leben notwendig ist. Allerdings schießt Paech dabei völlig über das Ziel hinaus und denunziert im höhnischen Tonfall von Grund auf jeglichen Wunsch nach einem guten Leben.
So kritisiert Paech Menschen scharf dafür aus egoistischen Gründen (wie zum Beispiel Selbstentfaltung) ihren Wohnort zu wechseln und nicht einfach in der Gemeinschaft weiterleben, in die sie nun mal reingeboren worden sind - auch wenn das mitunter anstrengende “Anpassungsleistungen” mit sich bringen würde. Eine solche Forderung ist blanker Hohn für all die Menschen, die es schaffen einer Zwangsgmeinschaft zu entfliehen, in die sie hinein geboren worden sind und unter der sie leiden. In aller Konsequenz würde aus Paechs Ausführung zum Beispiel die Forderung folgen, dass eine junge lesbische Frau, die vielleicht andere Träume vom Leben hat als an Heim und Herd gefesselt zu sein, allerdings das Pech hat in einer reaktionären und homophoben Dorfgemeinschaft aufgewachsen zu sein, ihren Egoismus gefälligst zurückzustellen habe und sich halt an die Gemeinschaft anpassen solle und sich um Mann, Heim und Kind kümmern sollte, anstatt solange es noch geht den Verhältnissen zu entfliehen.
Auch wenn Paech diese Forderung (hoffentlich!) nicht so unterschreiben würde, folgen solche Schrecklichkeiten, wenn man seine vielen Gedanken zu Ende denkt, die teilweise vor Gleichgültigkeit dem Leid und dem Wohlergehen von Individuen nur so strotzen. Eine solche Gleichgültigkeit kommt nicht nur an einzelnen Stellen zum Vorschein, sondern gefühlt auf jeder zweiten Seite, so dass ich gar nicht alle schrecklichen Stellen aufzählen kann. Deshalb hier nur noch ein weiteres Beispiel:
"Aber über eines lässt sich nicht hinwegtäuschen: Das Preisniveau der resultierenden Lebensmittel, die diesen Namen verdienten, wäre deutlich höher, sodass Ernährung einen höheren Einkommensanteil beanspruchen würde. Ähnliches gilt für Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Wasser, Verkehrssysteme, Energie, Abfallentsorgung, Kommunikationsinfrastrukturen, bestimmte Kulturangebote und andere vermeintliche Selbstverständlichkeiten. Gemäß landläufiger Auffassung sind auch deren Preise vom Fiskus niedrig zu halten, damit der moderne Bürger sich nicht mit deren Finanzierung oder Bereitstellung herumschlagen muss, sondern sein davon verschontes Einkommen auf die schönen Dinge des Lebens konzentrieren kann. Die Spielarten einer kollektiven Bereicherung, welche indirekt zur Staatsverschuldung beitragen, sind unerschöpflich."
Als wäre es keine Errungenschaft, dass viele Menschen in Deutschland relativer Sicherheit leben können, ohne einen gewaltsamen Tod fürchten zu müssen, und als wäre nicht der zu beklagende Skandal, dass zum Beispiel hunderttausende Menschen in Deutschland obdachlos sind und somit auch vor Übergriffen auf ihr Leben ungeschützt auf der Straße übernachten müssen, und als gelte es nicht zu fordern, dass eine vernünftige Gesellschaft diesen Missstand abschaffen müsste! Doch Peach skandalisiert lieber, dass der Staat Geld überhaupt für die Schaffung von "einer vermeintlichen Selbstverständlichkeit" wie Sicherheit ausgibt.
Als wäre es keine Errungenschaft, dass in Deutschland Menschen, auch wenn sie arm sind, medizinisch versorgt werden und deshalb viel weniger Menschen an heilbaren Krankheiten sterben, als es ohne staatlich bezuschusstes Gesundheitssystem möglich wäre. Und als wäre es nicht ein Skandal, dass an so vielen Orten auf der Welt 2024 noch abermillionen Menschen einen vermeidbaren Tod an heilbaren Krankheiten sterben müssen, weil sie nicht das Geld für eine adäquate gesundheitliche Versorgung haben. Und als wäre nicht für eine Welt zu kämpfen, in der möglichst wenige Menschen an heilbaren Krankheiten sterben. Aber Peach skandalisiert lieber, dass das Retten von Leben in Deutschland eine zu große Belastung für den Staatshaushalt ist und somit zu Schulden und Wirtschaftswachstum führen würde.
Als wäre es keine Errungenschaft, dass wir nicht den ganzen Tag ums Überleben kämpfen müssen, sondern auch Zeit und Ressourcen auf die schönen Dinge des Lebens verwenden können. Und als wäre es nicht der eigentliche Skandal, wie viele Menschen auf unserer Welt im Jahre 2024 in so krasser materieller Not leben, dass sie wirklich nur ums blanke Überleben kämpfen müssen und es ihnen nicht oder nur ganz begrenzt möglich ist, ihren Interessen nachzugehen und sich frei zu entfalten. Als gelte es nicht für eine Welt zu kämpfen, in der es möglichst jedem Individuum möglich sein kann, ein angenehmes Leben zu führen! Aber nein, Peach skandalisiert lieber, dass der Staat es Menschen durch finanzielle Entlastungen ermöglichen würde, sich zumindest zeitweise auf die schönen Dinge im Leben zu konzentrieren.
IV
Zusammenfassung: Mir ist es ein Rätsel, wieso dieses Buch von so vielen Menschen, die sich als politisch links sehen, geschätzt wird. Es verbindet plumpe und kaum in die Tiefe gehende Analysen mit Vorschlägen, die genau so auch von Befürwortern von Wachstum kommen (Schwundgeld, Schuldenbremse), und mit jeder Menge unverhohlenem Hass auf jegliche Annehmlichkeiten, die ein Leben jenseits von Subsistenzwirtschaft zu bieten hat.
Die ersten drei Kapitel des Buches sind ein philosophischer und moralischer Kommentar bezüglich unserer Wertvorstellungen und des auf stetigen Wachstum ausgerichteten Systems. Dieser Teil des Buches war zwar inhaltlich relevant, allerdings war mir der aggressive Schreibstil zu anstrengend beim Lesen und ich hatte nicht das Gefühl, gut reinzukommen. Die Argumentation ist teilweise unstrukturiert, sodass ich manchmal nicht genau wusste, worauf der Autor eigentlich hinaus will mit einigen Aussagen.
Plötzlich, als sich Niko Paech der ökonomischen Analyse widmet und seinen Gegenentwurf vorstellt, war ich sehr begeistert von der prägnanten Argumentation und es war deutlich zu sehen, wo die Stärken des Autors liegen. In diesem zweiten Teil des Buches finden sich viele interessante Anregungen und Ideen und aufgrund der Gesamtlänge des Buches empfand ich es nicht als störend, dass das Konzept der Postwachstumsökonomie nur in den Grundzügen vorgestellt wird, zumal dies offensichtlich auch der Anspruch des Autors ist. Das Buch kann ich definitiv weiterempfehlen, weil es wichtige Werte vermittelt und vor allem die zweite Hälfte gut verständlich und relevant für jede*n ist.
Ich bin kein Ökonom oder so, ich kapier´ nicht alles, wenn ich so ein Buch lese ("Befreiung vom Überfluss" würde ich jetzt nicht als populärwissenschaftliches Werk einordnen), aber einige Umstände, Missstände erscheinen auch mir so sonnenklar, dass man sich schon wundern muss, warum wir es weiterhin schaffen, so easi über diese hinwegzusehen. Bin total dankbar für den Impuls, den mir das Buch gegeben hat. Wer sich für Wachstumskritik, nachhaltige Ökonomie, Nachhaltigkeit interessiert, hat mit Niko Paech einen kompetenten, renommierten und unabhängigen Ökonomen an der Hand, dem es lohnt zuzuhören. Bin da tatsächlich bisschen in den Kaninchenbau gefolgt, mir einige Interviews und Diskussionen dazu angehört, besonders witzig fand ich, wie Harald Welzer gegen ihn abgeschmiert ist (der Typ hat ein Ego so groß wie unser endlicher Planet), aber als zugängliche Empfehlung fand ich das Jung&Naiv-Interview aus dem Jahre 2019 geeigneter. Eigentlich auch der Hauptgrund für meine Rezension, weil inhaltlich gehen andere Reviews hier viel besser auf das Buch ein, als ich das hinbringen könnte. Mega wichtiges Thema, das mehr Aufmerksamkeit verdient.
Peach kritisiert mit diesem Buch den wirtschaftlichen Wachstumszwang und den Wunsch nach immer mehr. Auf einem endlichen Planeten mit endlichen Ressourcen ist kein unendliches Wachstum möglich - somit auch kein grünes Wachstum. Durch die hohe Spezialisierung der Industrien und Arbeitskräfte, globale Erzeugungs- und Lieferketten befinden wir uns in Abhängigkeiten. Wir sind abhängig von diesem Wirtschaftssystem, da wir kaum noch dazu in der Lage sind uns selbst zu versorgen (z.B. Lebensmittel, Reparaturen). Durch diese Verstrickungen ist auch eine hohe Mobilität vonnöten. Peach plädiert daher für eine De-Globalisierung und die Stärkung der regionalen Wirtschaft, unter anderem mit einer regionalen Währung neben dem Euro. Zudem soll die industrielle Produktion reduziert werden (20 Arbeitsstunden/Woche) und stattdessen mehr auf Subsistenz und Suffizienz (20 Arbeitsstunden/Woche) gesetzt werden.
Im Großen und Ganzen gehe ich bei vielen Punkten mit. Es wäre jedoch von Vorteil gewesen nicht nur eine kurze Literaturliste am Ende des Buches zu finden, sondern auch Verweise innerhalb des Textes. Kritisch empfand ich folgende Zeilen (S. 53) : "Lautmalerisch unterstützt wird diese Tendenz von einem digitalen Humanismus, dem zufolge jedes afrikanische Kind demnächst mit einem sogenannten >>100-DollarNotebook<< nebst Internetanschluss ausgestattet werden soll. Dies erlaubt den Blick in die Schaufenster einer bunten Warenwelt, eines bequemen Lebens, prestigeträchtiger Karrieren, attraktiver Reiseziele inklusive Onlinebuchung günstiger Flugtickets dorthin." Puh, natürlich finden sich im Internet all diese Dinge, aber das ist noch lange kein Grund Menschen von Bildung auszuschließen, da diese verführt werden könnten. Sowie diese Zeilen (S. 15): "Dieser reziproke Quasiimperialismus im Sinne einer gegenseitigen Raumdurchdringung greift auch auf individueller Ebene: Was mir vor Ort nicht zufällt, nicht gelingt, keine Anerkennung einbringt, dem Fortschritt meiner Selbstverwirklichungsansprüche nicht mehr genügt, mich langweilt oder mir mühsame Anpassungsleistungen abverlangt, ist vielleicht an einem anderen Punkt im europäischen (oder globalen) Koordinatensystem leichter zu haben." Ich möchte gerne den Wohnort wechseln können, sofern ich dort von anderen Bewohner*innen oder dem politischen System unterdrückt werde! Sofern ich einen geeigneteren Wohnort gefunden habe, spricht nichts dagegen dort sesshaft zu werden.
Niko Paech entlarvt den Wachstums-Fetisch der modernen Gesellschaften und beschreibt die Eckdaten einer Postwachstumsökonomie, die auf Subsistenz und Suffizienz basiert. Er selbst weiss, dass heute nur ein Teil der Menschheit sich überhaupt auf das Thema einlassen will, doch er selber lebt vor, dass es auch anders geht: ohne den Konsum als höchstes Ziel zu haben, sich mit Dingen zu umgeben und zum Shopping nach New York zu fliegen. Dass wir in einer Überflussgesellschaft leben ist klar, aber genauso klar ist, dass wir uns nicht damit auseinandersetzen wollen, was die wirklichen Grundlagen und Bedingungen für diesen Konsum sind. Solange das nicht passiert, wird es kein Umsteuern geben und erst ein "Knall" (das Ende bestimmter nicht erneuerbarer Ressourcen) wird uns die Augen öffnen und zur Verhaltensänderung zwingen. Dann lieber bei den First-Movern sein und sich schon heute mit dem Thema auseinandersetzen und die Abhängigkeiten reduzieren.
Das Buch war mein Einstieg in die Postwachstumstheorie von Niko Paech. Es unterfüttert das 20-Stunden Arbeitsmodell und die Transformation der Wirtschaft auf den 3 Ebenen: Globale Arbeitsteilige Industrie, regionale Wirtschaft mit Regionalwährungen und lokaler Subsistenz Wirtschaft. Durch die kürze wird an manchen Stellen noch offen gelassen wie Paech sich die Umsetzung vorstellt und erwähnt besonders zum Ende hin einzelne Beispiele nur flüchtig. Dadurch bleibt es dem Leser aber offen sich noch in die Theorien weiter zu vertiefen und selbst zu beschäftigen.
Ich kann „Befreiung vom Überfluss“ sehr empfehlen, als Übersichtlichen Einstieg in die Thematik. In Podcasts mit Niko Paech als Gast kann man sich noch tiefergehender einen Eindruck verschaffen.
ein sehr gutes buch, welches meiner meinung nach nachvollziehbar aufschlüsselt, warum unser wirtschaftssystem so wie es ist nicht kompatibel mit den planetaren grenzen ist und auch die orientierung weg von CO2 hin zu anderen rohstoffen wie seltenen erden nur die probleme die wir aktuell verstärkt sehen verlagert, jedoch nicht löst. seinen gegenentwurf finde ich extrem spannend und wäre sofort dabei. er macht mut sich bereits jetzt in repair-cafés und anderen orten die den "alles neu"-kreislauf durchbrechen und sich stattdessen auf die tatsächlichen bedürfnisse der menschen fokussieren einzubringen.
ich habe in den bewertungen viel kritik an seinem "aggressiven schriebstil" gelesen, der viele wohl dazu gebracht hat das buch abzubrechen. diese kritik teile ich, da es anstrengend ist zu lesen. er schreibt wütend über die probleme, die bei mir ja ohnehin wut auslösen. somit wird mir die emotion "genommen" bzw. vorformuliert.
jedoch ändert sich dieser stil nach den ersten paar kapiteln ab dem moment wo niko paech seinen gegenentwurf einer postwachstumsökonomie sowie alternative definitionen von wohlstand und glück erläutert. es lohnt sich also dranzubleiben! im zweifelsfall lesen ja eh nur menschen dieses buch, die wissen was im aktuellen wirtschaftssystem falsch läuft. mein tipp: steigt einfach ab dem gegenentwurf ein.
alles in allem: sehr spannend für alle die, die sich gerne in andere wirtschaftssysteme hineindenken und sich eine bessere welt vorstellen wollen.
Sagen wir, in den letzten 8 Jahren, seit dem Super-Sommer 2018, habe ich die Namen zweier Autoren bei den Anrufern in Diskussionssendungen mit Hörerbeteiligung gehört, wie sonst keine: Ulrike Herrmann und Niko Paech. „Das Ende des Kapitalismus“ und „Befreiung vom Überfluss“. So dermaßen in waren die beiden in dieser Zeit, da kamen keine „Grenzen des Wachstums“, „Global 2000“, Thomas Piketty, Karl Marx, David Graeber, „Selbstverbrennung“, „Small is beautiful“ dagegen an! Und jetzt lese ich das endlich auch noch selbst und denke: Ein interessanter Essay, aber Wissenschaft ist das beistimmt keine. Obwohl man bei Ökonomie ja immer drüber diskutieren kann, inwiefern das mit Wissenschaft was zu tun hat ...
150 kleine Seitchen mit großen Buchstaben gefüllt. 6 Kapitel, von denen nur das letzte endlich mal zu Potte kommt. Davor und danach auch noch Auftakt und Fazit, die einem mitteilen, es würde sich um eine epochale Schrift handeln. Ein Werk, das mit anderthalb Seiten Literaturangaben auskommt, überhaupt keine Anmerkungen, keine Statistiken, Graphen, Diagramme, nichts von dem, was es so behauptet, irgendwo gleich mit Quellen oder Beweisen belegen müsste. Augenscheinlich ein Essay, ein sehr langer Zeitschriftenartikel, eine öffentliche Rede für die demokratische Bürgergemeinschaft. Wogegen allerdings ein durchgehend akademischer Sprachgebrauch spricht. Man kann – und Kollegin Ulrike Herrmann hat das weidlich vorgemacht – solche Dinge sehr wohl so sagen, dass sie jeder versteht. Herr Prof. Paech will wohl nicht. Er will den Amtsbonus eines Hochschullehrers schon auch; die Kollegin ist nur eine Zeitungsschreiberin von der linken Seite.
Aber nee, nee, das ist im Großen und Ganzen nicht dumm und auch nicht falsch! Hat uns was zu sagen, lohnt zu lesen sich und drüber nachzudenken!
Dass er, was einer vor mir hier mal Cringe fand, sich doch wieder in den übergroßen Chor jener einreiht, die uns viele „kleine Tipps und Anregungen“ geben, damit jeder von uns den Weltuntergang für sich allein im Privatgärtchen abwendet, kann es auch nur von allen zusammen, global, nicht ohne die multinationalen Konzerne, die Banken, die militärischen Großmächte geschafft werden, liegt daran, um das endlich deutlich zu sagen, dass Niko Paech den Regierungen generell nicht traut. Für ihn haben die sich jahrelang so über die Halskrause verschuldet, dass sie gar nicht mehr aufhören können, also auch nie wollen werden. Mehr oder weniger allen (deutschen, aber woanders ist es nicht anders) Parteien kann er auch nichts zutrauen. Die wollen, selbst die Linke und die Grünen allemal, Wachstum, endlich wieder Wachstum, noch mehr Wachstum, ohne Wachstum ist alles nichts. Niko Paech will aber gerade zurück, will Schrumpfung. Wie übrigens Kollegin Herrmann auch. (Die meines Erachtens nie eine Bibel zur Überwindung des Kapitalismus geschrieben, sondern schlicht ihre Erklärungen, wie dieser funktioniert und was er zu leisten vermag, fortgeschrieben hat. Nun eben sagt, wieso er sich selbst unmöglich macht. Durchaus Marx*sch, wenn man so will, allerdings dann auch darin, dass sie kein überzeugendes Bild dessen hat, was danach dann funktionieren würde.) Wenn man ehrlich ist, ist Paech, nein, nicht AfD, wie ihm auch schon angedichtet wurde, - die wollen einfach weiterheizen, gib Stoff, Baby, kill! -, er ist die FDP, das absolut Freie für den absolut unabhängigen Einzelnen, allerdings komplett ohne Großindustrie, ganz ohne Wachstum. Also ohne FDP, nun ja R.I.P.
Es ist alarmierend, sollte endlich auch mal geglaubt, nicht dahergelabert werden, dass der von allen so grandios empfundene Produktivitätsfortschritt im Wesentlichen eine Auslagerung in ferne Räume (Vietnam) wie auch ferne Zeiten (Schulden) ist und eine Ersetzung menschlicher Arbeit durch „Energiesklaven“, wie er das nennt. Es wird nichts wirklich gespart. Die Gaben des Erdballs werden immer weiter, leider unumkehrbar, geplündert. Stimmt schon, wie auch Herrmann sagt, Marx hat sich geirrt, der wachsende Reichtum beruht, jedenfalls mittlerweile, nicht mehr auf der Ausbeutung der Arbeit von abhängig Beschäftigten durch Arbeitgeber, er beruht in großem Umfang auf Technik, die es aber ja immer nur mit dem Verbrauch von Energie gibt, die aber auch Natur verbraucht. Somit sieht Herr Paech kaum Differenzen zwischen Unternehmern, die Urlaubsflüge, e-Autos, Tablets, Handys, Filmstreams verkaufen, und den angeblich „ausgebeuteten“ Konsumenten, die das alles zu „brauchen“ meinen.
Er macht die Vision auf von einer Familie in dem - Agrarland versiegelnden - Einfamilienhaus (mit der Infrastruktur, die das dann immer voraussetzt, der Staat stellt sie bereit, für Paech: „Subventionswahnsinn“), das in jedem Zimmer einen Flachbildschirm hat, in jedes Tasche zwei bis drei Handys, draußen oder drunter einen schnellen Flitzer für jegliches Familienmitglied, abends nach dem Popkonzert in der Gemeinschaftshalle auch ein paar Taxis, e-Bikes, Mietroller. Es werde, behauptet Paech, nie und nirgendwo was abgebaut, wenn was Energiearmes hinzu-kommt. Mehr Windkraft und Photovoltaik heiße, dass man weniger Acker, mehr Starkstromleitungen, mehr Müll habe. Von dem noch immer nicht bekannt sei, wo er letztlich lande und was die irgendwann durch die Kreisläufe in die Körper wandernden Chemikalien auslösen. Mehr Ökostrom, also müssen, - wir erleben das gerade -, noch mehr Gasverbrenner-Kraftwerke her. Paech nimmt sich heraus, die tatsächliche Sperrung sowie den anschließenden Rückbau von Autobahnen, Shoppingmalls, den um sie herum die Landschaft zierenden Parkzonen zu verlangen!
Klingt erst mal gut, wenn man ein Besorgter ist, der einen Wandel „wirklich“ will. Aber, was er danach als Utopie auspackt, ist nur Pipifax. Weil im Kapitalismus momentan das Geld nicht von den Staaten, sondern von den Banken (und dann immer für Schulden, die sie vergeben) geschaffen wird (stimmt übrigens, dazu vielleicht auch noch U. Herrmann lesen) und weil schon darum das Wachstum zu einem Zwang wird, - niemand ist bereit, Geld für neue Investitionen zu Preisen einzukaufen, die er in der Zukunft zurückzuzahlen nur bereit sein wird, wenn er dann noch viel mehr verdient -, weil Paech nicht nur den Parteien und den Regierungen, sondern auch Banken und dem Geld nicht traut, fordert er ein (exklusiv vom Staat geschöpftes) „Vollgeld“, das von Tag zu Tag an Wert verliert, sodass die Leute davon absehen, es aufbewahren oder anlegen zu wollen, es ganz schnell für irgendwas wieder ausgeben.
Das alles nur noch regional, kleinräumlich. Wie möglichst alle Produkte nur noch käuflich sein sollen, wenn sie in der Region irgendwo aus regionalen Ressourcen von regionalen Leuten gefertigt wurden. Klingt nett, gell? (Mir wurden neulich Taschenlampen und Tabletten aus China und Äpfel aus Marokko angeboten, „Freunde“ aus den USA.) Dann liest man sein Beispiel: Paech findet es denkbar, dass man in unmittelbarer Nähe Leute kennt, deren Bastelgeschick einem hilft, Radios, Laptops, Rasierer, Toaster, die man so hat, doppelt so lange laufen zu lassen. Dann hätten wir alle unser Gärtchen, in dem wir was zu essen ziehen. Das Geld spielt jetzt weniger die Rolle; wir zahlen den „Nachbarn“ für seine „Hilfe“ (mehr Kontakt, mehr Gespräch, mehr Lebenssinn, mehr Glück) mit unserer Zeit. Mit Zeit. Meine Zeit, meint Paech, geht in die Karotten hinein. Und für Karotten macht der Nachbar das Laptop wieder heil. Zeit scheint es uns beiden wert zu sein. Wir verrechnen das schon irgendwie. (Ach Geld, war vielleicht zu was nütze, damals.)
Hm ja, aber wissen Sie – und um auch Ulrike Herrmann noch sprechen zu lassen, wenn alle Geräte doppelt so lang halten und wenn man sie nur ein Hundertstel so weit transportieren muss, werden auch die Hälfte aller Industriearbeitsplätze flöten gehen, möglicherweise nur in Taiwan, Malaysia, aber irgendwo schon. Und bei uns die ganzen Brummikapitäne! Die müssen aber doch weiter die Mittel haben, ihren Schamott weiter zu bestellen (amazon), sonst geht das mit dem Zusammenbruch weiter wie das Lauffeuer (Deflation). Und wir essen schön bunt immer diese Karotten, Tomaten, Paprika, Himbeeren. (Die wir für solche Texte wie diesen hier überreicht bekommen. Oder jedenfalls der Stromanbieter.) Und diese verschönern sich in der Gefriertruhe dann nicht wirklich. Nee, nee, in Wirklichkeit essen wir zwar kein Fleisch, Wurst, Fisch, Käse, Quark, Joghurt, Kellogg's Frosties, obwohl Paech das nirgendwo geschrieben hat, ist aber mitgemeint. Wir essen, was wir im Mittelalter und der Renaissance (geniale Kunst, Philosophie) auch taten, säckeweise Gerstengrütze, Weizenbrot, Haferpuffer, Buchweizensteaks, seitenweise Dinkelmüesli, hm, lecker, lecker, lecker. Alles aus einem Hinterhof-Gärtchen ohne Dünger (CO2, Energieschleuder), ohne Mähdrescher, kein Traktor in Panzerbreite, ohne Silo, keine Industriemühlen und Autobahntransporte. Alles aus unserem Handbetrieb, von den Freunden Tür an Tür.
Hm, jo wägerli, wie man in meiner Heimat bisweilen sagte.
Niko Paech has written a wonderful and convincing book, in which he makes the case for a society grounded on the values of sustainability and guided by the principle of post-growth.
There has been some criticism that with his set of ideas and proposals Paech wants us to return to the level of welfare of the Middle Ages, but I don´t see it that way. Paech has written a book of ideas and one should regard his proposals as a "verbal" model. Economic models, as Dani Rodrik insists, are attempts to shed light on one aspect at a time of social reality. You can complement it with others if you wish to. And, make no mistake, there are plenty of followers who will translate his ideas into mathematic models.
In the bottom line I believe that Paech is right; without the set of proposals that he presents in this book we won´t avoid planetary destruction stemming from climate change. But I do believe that the current wave of technical change - particularly in the realm of renewable energy - is going to transform the planet for the better and could have avoided climate change had it only started 30-40 years ago. The paradox is that in half a century we won´t need Paech´s vision accomplished, but we´ll have to live with the fact that ours will be a devastated planet. By then, can geoengineering reverse it? Will we able to "reterraform" our planet? No one knows...
Bei 14% aufgegeben: interessante und wichtige Ideen, aber unlesbare Sprache.
Die Ideen sind zwar wichtig und interessant, aber bei 14% basta. Nicht einmal die Übersetzungen "Das Unbehagen der Geschlechter" (Butler) oder "Das Sein und das Nichts" (Sartre) muten einem zu, mit einem so verschachtelten Nominalstil zu ringen. Das Buch erinnert mich an all die Beispiele dessen, was beim wissenschaftlichen Schreiben vermieden werden soll.
Das Buch wurde mir empfohlen, aber ich muss ehrlich sagen, es erreicht nicht einmal den *Anschein*, Seriös zu sein. Ich habe schon nach 30-50% des Buches aufgehört zu lesen.
1) Obwohl es ein Sachbuch ist, zitiert der Autor keine Referenzen/Quellen für was er sagt am Anfang des Buches (was als Grundlage dienen sollte). Entschuldigung, aber die 10-20 zusammengeführten “Zitierte und weiterführende” Texte am Ende des Buches sind nicht einmal direkt/deutlich mit dem Text verlinkt, sodass es gibt keine Möglichkeit gibt zu wissen, welche Quellen der Autor für seine individuelle Behauptungen hat. Die Mischung in der Liste aus “zitierten” und “weiterführenden” Texten scheint absichtlich gewesen zu sein, um den Anschein zu geben, es sei zitiert worden, obwohl bestenfalls ist die Liste aus reiner “weiterführenden” Literatur gebildet. 2) Besonders alarmierend wegen 1), aber nicht nur 1), ist die Glaubwürdigkeit der Argumente. Fast die ganze erste Hälfte ist voll von (un)Argumenten und (un)Logik. Der Autor ignoriert sehr konsequent (oder sogar Bewusst) schwere Lücken in seinen Argumenten, die sie sonst als nicht-fundiert entlarven. Besonders schwer zu ertragen, sind die viele Logikfehler.
Wegen diesen Problemen, hat man es sehr schwer, die Behauptungen des Autors seriös anzunehmen. Leute die weitere Kenntnisse haben können sogar die Behauptungen als falsch/nicht-fundiert erkennen. Ein großer Fehler im Buch ist z.B., dass der Autor opportun ignoriert, dass heutzutage (und noch mehr in der Zukunft) die Wirtschaft großteils auf *Wissen*, nicht auf physische Arbeit und physische Produkte, basiert ist, und das dies verhältnismäßig mit sehr viel weniger Ressourcen verbunden ist. Der Autor schätzt offenkundig solche Wissensarbeit sehr wenig, er bezeichnet sie als “unsubstantiell” — ironisch, da er selber Autor und Akademiker ist.
Obwohl ich sehr Ökologisch eingestellt bin, musste ich einfach das Buch aufgeben. Andere Autoren (z.B. Hartmut Rosa) haben viel bessere, *dokumentierte* und überzeugendere Argumente für eine post-Wachstum Gesellschaft gegeben; man hat besser sie zu lesen anstatt diesen Autor.
Auch wenn viele Beispiele überspitzt und übertrieben wirken, manchmal auch logisch nur in einer sehr vereinfachten Modellwelt schlüssig erscheinen, klingt sie übergeordnete Argumentation korrekt. Es kann kein unendliches Wachstum bei endlichen Ressourcen geben - und aktuelle Gesellschaftliche und Ökonomische Modell verschärfen geben aus diesem Dilemma nicht wirklich einen Ausweg sondern verschärfen es noch.
Der Schreibstil ist teilweise etwas hoch gestochen, um das Buch leicht zugänglich zu machen, wenn man noch keine Berührungspunkt mit VWL gemacht hat, ist die Hälfte wahrscheinlich nur schwer nachvollziehbar. Dafür gibt es immer wieder rhetorisch fein pointierte Vergleiche und Wortneuschöpfungen, die auch mal ein Schmunzeln aufgrund ihrer Kreativität aber gleichzeitig inhaltlichen Schräge entlocken..
Leider beschäftig sich das Buch zu 80% mit dem Problem und umreißt nur sehr kurz auf den letzten 30 Seiten den Weg zu einer Lösung. Hier werden Autoren und Denker zitiert deren Konzepte aber leider nicht wirklich erklärt werden. Die groben Züge, was zu einer Verbesserung beitragen kann werden aber auch prägnant klar und für einen Impuls ist das vielleicht auch ausreichend. Man muss es ja auch nicht komplizierter machen, als es ist...und Verzicht ist in dieser Hinsicht ein erstaunlich einfaches Konzept. Mache [es] nicht, das spart Ressourcen.
Insgesamt trotzdem ein lesenswerter Gedankenanstoß.
Nico Paechs Streitschrift Befreiung vom Überfluss ist zwar bereits 2011 erschienen, aber seine Überlegungen sind heute genauso eindringlich. Ich maße mir nicht an, alles im Detail verstanden zu haben und manche Passagen habe ich nur oberflächlich gelesen. Das Wachstum nichts ist, was in dieser Welt noch lange tragbar sein wird, ist angesichts der sich dramatisierenden Klimakrise offensichtlich. Wir leben maßlos und Paech legt den Finger darauf, dass unsere Bemühungen den Wachstum mit nachhaltigeren Technologien reinzuwaschen nur Augenwischerei sind. Gleichzeitig Konsumwahn und Zeitmangel - die Menschen werden nicht glücklicher. Der Autor skizziert einen Gegenentwurf, die Postwachstumsökonomie. Einige der Ideen sind vielleicht seit dem ersten Erscheinen des Buches schon präsenter, aber immer noch ist es eine Minderheit von Menschen, die genügsamer leben wollen, weniger ist mehr und macht vermutlich glücklicher.
Dennoch glaube ich, angesichts der heutigen Lage, dass die Wachstumsgesellschaft an einem Punkt katastrophal zusammenbrechen wird, anstatt sie, wie von Paech angedacht, Schritt für Schritt in eine ökologisch und sozial verträglichere Gesellschaft zu verwandeln. Es lohnt sich aber, darüber nachzudenken, wie zumindest eine kleine persönliche Befreiung vom Überfluss aussehen könnte.
Treffende und erkenntnisreiche Analysen, welche in ihren Schlussfolgerungen die ideologische Manege des Autors jedoch nicht verlassen können. Das Heranführen an Lösungsvorschläge ist eine einseitige Scharade; den Argumentationslinien fehlt es an Mehrdimensionalität, die ihn waghalsigen Schlüssen enden. Wie so oft mündet die Kapitalismuskritik in mittelalterliche Sehnsüchte, die mit der Realität, in der wir uns befinden, nichts zu tun haben. Der Autor skizziert eine fiktive Wirtschaftsform, welche die bisherigen und zukünftigen Entwicklungen missachtet.
Nice description of the failures and shortcomings of the current economical system and the effects on the environment. Good overview of initiatives and tools, but tough to read. Too much downtalk and ranting
Interessanter Ansatz zur Zeit nach einer Wachstums-Ökonomie. Anreiz zu weniger Konsum, mehr Gemeinschaftlichkeit und digitaler Souveränität. Ich fühl mich inspiriert.
Am Anfang kommt man etwas schwer rein, wenn einem -- wie mir -- die volkswirtschaftlichen Grundlagen fehlen. Nach der Einleitung ändert sich das zum Glück und man kann dem Inhalt recht problemlos folgen. Ein paar Absätze und Passagen musste ich trotzdem mehrfach lesen, bis ich sie verstanden habe.
Ich beschäftige mich schon eine Weile mit Postwachstumsökonomie und Postkollapsgesellschaft. Deswegen waren viele Dinge für mich nicht mehr neu, sind aber jetzt mit allerlei theoretischen Grundlagen unterfüttert. Und ein paar Ideen des Autors für die Zukunft waren auch mir neu :-)