Die romantische Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies und die Gefährdung des Menschen auf der Suche danach sind Gegenstand dieser Erzählung. In vielfältiger, oft symbolischer Weise erscheint dieses Verlangen nach der "schönen alten Zeit": Der junge Dichter Florio begegnet auf der Reise nach Lucca Fortunato und Donati, die die erlösende und die dämonische Kraft der Poesie symbolisieren. Im nächtlichen Garten einer Herberge entdeckt er ein Marmorbild, das in ihm eine unbestimmte Sehnsucht weckt; auf der Suche nach der Erfüllung dieser Sehnsucht gerät der junge Poet auf einen Maskenball, auf dem ihm Fortunato die Göttin Venus in der Gestalt der Bianka zuführt; die Verwirrung erreicht ihren Höhepunkt im Palast der Göttin. Aus der dämonischen Bezauberung rettet Florio nur das in der Ferne gesungene Lied Fortunatos. Florio erkennt seine wahre Bestimmung.
Joseph Freiherr von Eichendorff (March 10, 1788 – November 26, 1857) was a German poet and novelist of the later German romantic school.
Eichendorff is regarded as one of the most important German Romantics and his works have sustained high popularity in Germany from production to the present day.
Romantik in ihrer reinsten Form, naturverbunden, italoafin, alles gar lieblich und hold, vollgepackt mit Adjektiven und so richtig nicht wissend, was Traum und Wirklichkeit ist. Eichendorffs Lyrik mag ich ja ganz (auch aufgrund ihrer Kürze), seine Novellen wollen mir dagegen recht schauerlich erscheinen. Wie gut das ich aus dem Alter draußen bin, hierüber eine Interpretation schreiben zu müssen.
Kurz zum Inhalt: Der unerfahrene und junge Florio zieht los und sammelt Erfahrungen in der Welt. Es wird viel gesungen und er begegnet interessanten Frauen und weiß oft nicht, ob er seinen Sinnen trauen kann.
Eines der zentralsten Motive im Text ist die Religion. Dabei werden parallel die antike Religion (Helena/Helenen-Darstellungen bzw. auch Venus) und die christliche Religion (Marien-Darstellung) gegenübergestellt. Florio befindet sich selbst im Zwiespalt und muss sich zwischen zwei Frauen, diesen Linien entsprechend, entscheiden. Der phantastische Text macht es einem wirklich schwer beide Linien klar zu trennen, da beides oftmals so stark verflochten ist, dass es sich kaum trennen lässt. Dies macht auch die Reiz der Erzählung aus.
Der Text ist sowohl in die literarische Phantastik als auch in die Romantik einzuordnen. Durch diese Parallelen der Epoche und Gattung sowie die inhaltlichen Übereinstimmungen und Anspielungen kommt man nicht daran vorbei, den Text mit Ludwig Tieck zu vergleichen. Da ich persönlich Tiecks Stil wirklich liebe, muss ich allein deshalb Eichendorff etwas schlechter bewerten😅
Aber auch objektiver bewertet finde ich, dass Tieck besser darin ist, eine unheimliche Atmosphäre zu erzeugen, v.a. durch seine Art der Naturbeschreibungen. Bei Eichendorff wirkt es teils etwas überzogen und schwärmerisch, wodurch diese subtile Schwingung des Unheimlichen etwas verloren geht. Auch das viele Singen ist irgendwie nicht mein Fall. Dies soll aber vermutlich an die vergangene Antike anknüpfen (=> Chor) wie auch die Marmorstatuen und -säulen.
Grundsätzlich finde die Bearbeitung von Tiecks Vorlage, anderen Bezugstexte und die Konzeption der Helenen- und Marienthematik interessant und innovativ gestaltet. Auch die Pole, die man hier an vielen Stellen klar gegenübergestellt erkennen kann, sind gründlich herausgearbeitet und zeigen, dass der Text mit viel Sorgfalt und durchdacht kreiert wurde.
Gesamt: 4,7🌟
---------- English version:
Briefly about the content: The inexperienced and young Florio sets off to gain experience in the world. There is a lot of singing and he meets interesting women and often doesn't know whether he can trust his senses. One of the most central motifs in the text is religion. Ancient religion (depictions of Helena and Venus) and Christian religion (depictions of the Virgin Mary) are contrasted in parallels. Florio himself is in a conflict and has to decide between two women along these lines. The fantastic text makes it really difficult to separate the two lines clearly, as the two are often so intertwined that it is almost impossible to separate them. This is also what makes the story so fascinating.
The text can be categorized as both literary fantastic and the Romantic period. Due to these parallels between the era and genre, as well as the similarities and allusions in content, there is no getting around comparing the text with Ludwig Tieck. As I personally really love Tieck's style, I have to rate Eichendorff somewhat lower for this reason alone😅
But I also objectively find that Tieck is better at creating an eerie atmosphere, especially through his way of describing nature. In Eichendorff's work, it sometimes comes across as a little exaggerated and effusive, which means that this subtle vibration of the uncanny is slightly lacking. All the singing is also somehow not my cup of tea. However, this is presumably intended to hark back to antiquity (=> choir), as are the marble statues and pillars.
Basically, I find the adaptation of Tieck's work, other reference texts and the conception of the themes of Helena and the Virgin Mary interesting and innovative. The poles, which can be clearly recognized here in many places, are thoroughly worked out and show that the text was created with great care and thought.
Nach einer als Gefängnis empfundenen Kindheit zieht es den jungen Edelmann Florio in die Welt - nach Italien natürlich, wohin auch sonst? Schon bald weiß das Früchtchen nicht mehr, wo ihm der Kopf steht: Fühlt er sich einerseits hingezogen zu der reinen Bianka und bewundert den christlichen Sänger Fortunato, gerät er andererseits in den Bannkreis des unheimlichen Ritters Donati und entbrennt leidenschaftlich für eine steinerne - in seiner Phantasie belebte - Venusstatue. Natürlich wird er sich am Ende für die 'richtige' Seite entscheiden.
Eichendorffs Novelle ist künstlerisch zweifelsohne gut gemacht, nur sind mir die extremen Schwarz-Weiß-Oppositionen schwer erträglich. Gegeneinander ausgespielt werden letztlich heidnisch konnotierte, sexuelle Sinnlichkeit (was pfui ist) und christlich-anständige Liebe. Inhaltlich ist das (hoffentlich?) nicht mehr aktuell - dennoch ein durchaus lesenswerter Text.
3,5 Sterne Mal wieder eine Unilektüre, die ich halbwegs genießen konnte, jedoch hat mich der Wechsel aus Prosa und Lyrik etwas verwirrt. Ansonsten war alles sehr gut verständlich
Wir haben dieses Buch als Lektüre in der 13. Klasse gelesen und ich muss sagen, dass das die am einfachsten zu verstehende Lektüre aus einer anderen Epoche war.
The storyline didn't blow me away tbh. But I see why literature students like this book. The writing style is very floral and lush, exactly what you'd expect from a novella of the Romantic period. Which means you'll get lots of yearning in the moonlight, pearly sing-songs and skins that glow like porcelain (yes, really). Masked balls, deserted castles, moving statues. The whole jam. Interpretation-wise there is A LOT to unpack in this book, and I won't go into too much detail here, but a bit of food for thought here: - the opposition of day and night - the notion of religion; ie. Venus as a symbol for pagan beliefs - Freudian psychoanalytical reading (the character constellations really speak for that) - etc etc Rating-wise this would be a 2.5 for me, a 2 for plot and a 3 for language.
„Glaubt mir, ein redlicher Dichter kann viel wagen, denn die Kunst, die ohne Stolz und Frevel, bespricht und bändigt die wilden Erdengeister, die aus der Tiefe nach uns langen.“
there need to be less books about men falling in love with statues / dolls when they already have a real woman, because this is the third i’ve now come across in my degree
Schwache drei Sterne. Von den vier Werken, die ich vom Autor Joseph von Eichendorff las, entsprach dieses am meisten dem Vorurteil von veralteter Sprache und romantischem Getöse. Die anderen – Aus dem Leben eines Taugenichts, Das Schloss Dürande, Die Entführung – waren alle (viel) besser als erwartet, dies hier leider nicht.
Die Novelle aus dem Jahre 1818, in der viel gesungen wird, was dem alten Dichter viel Gelegenheit bietet, seine (zugegeben schönen) Verse unterzujubeln, wird als romantische Märchennovelle klassifiziert, wobei der Märchenaspekt etwas unterrepräsentiert ist.
Nun ja, es spielt ein merkwürdiger Ritter mit, eine maskierte Griechin mit Doppelgängerin und eine ganze Schar von Marmorstatuen, die zur Unzeit auch noch lebendig werden, aber alle lassen sich durch geistliche Gesänge – wie gesagt, gesungen wird reichlich – ins Bockshorn jagen. Später erfährt man, dass die Göttin Venus wieder mal auf Jagd nach testostorongeschwängerten jungen Männern war.
Und sonst so? Klar, gibt es auch noch liebestolle Jungens und schnell verliebte Mädels, aber das versteht sich ja von selbst. Oder? Ach ja, und in Italien spielt die Geschichte, im Frühling. Passt doch.
Zwei der vier Erzählungen, die ich las, spielten in Frankreich und zwei in Italien, wobei die ersteren die deutlich besseren waren. Mantel und Degen und so. Um Liebe ging es eigentlich immer.
Fazit: der gute Spätromantiker von Eichendorff kann es, oder konnte es, aber nicht immer. Wer Gedichte mag, kommt an ihm nicht vorbei. Meins sind die aber nicht so.
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Ich hab selten nichts zu sagen, aber diese Novelle hat wirklich keinerlei Gedanken in mir ausgelöst. Es war nicht schlecht schätze ich, aber morgen habe ich wohl vergessen, worum es ging.