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Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück

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2014 reist der wahldeutsche Autor Robert Scheer nach Israel, um dort seine Grossmutter Elisabeth Scheer, genannt Pici, uber ihre Kindheit und Jugend zu befragen. Pici feiert in dem Jahr ihren 90. Geburtstag. Ihrem Enkel gegenuber gibt Pici Auskunft, wie sich in den 1940er Jahren durch den Nationalsozialismus die Lage fur die judische Bevolkerung in Ungarn verschlechterte. Sie berichtet uber ihre furchtbaren Erlebnisse in den Ghettos Carei und Satu Mare, im Konzentrationslager Auschwitz, im beruchtigten Aussenlager Walldorf, im Konzentrationslager Ravensbruck und im mecklenburgischen Rechlin, bis sie 1945 im mecklenburgischen Malchow befreit wurde. Pici's Eltern, ihre Schwestern, ihr Bruder, ihr Schwager und ihre kleine Nichte wurden im Holocaust ermordet. Ihre detailreichen Erinnerungen machen es den Leserinnen und Lesern leicht, sich das Leben in der damaligen Zeit vorzustellen, in der es Alltag und Familie gab, spater dann Unmenschlichkeit und Vernichtung und nur vereinzelt auch Mitgefuhl und Solidaritat. 2015 stirbt Pici mit 91 Jahren. ... jetzt, zuruckdenkend, gab es in meinem Leben reichlich erschutternde Momente, aber irgendwie fand ich immer einen kleinen Schutz, einen Strohhalm, womit ich aus der Grube heraussteigen konnte, um weiter zu schreiten und um zu hoffen."

228 pages, Paperback

Published March 22, 2016

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About the author

Robert Scheer

51 books34 followers
Robert Scheer is an American journalist who writes a column for Truthdig which is nationally syndicated in publications such as the San Francisco Chronicle and The Nation. He teaches communications as a professor at the University of Southern California and is Editor in Chief for the online magazine Truthdig.

Scheer was born to immigrant parents. His mother, a Russian Jew, and his father, a German, both worked in the garment industry. After graduating from City College of New York with a degree in economics, he studied as a fellow at the Maxwell School of Syracuse University, and then did further economics graduate work at the Center for Chinese Studies at UC Berkeley. Scheer has also been a Poynter fellow at Yale University, and was a fellow in arms control at Stanford, the same post once held by Secretary of State Condoleeza Rice.

While working at City Lights Books in San Francisco, Scheer co-authored the book, Cuba, an American tragedy (1964), with Maurice Zeitlin. Between 1964 and 1969, he served, variously, as the Vietnam correspondent, managing editor and editor-in-chief of Ramparts magazine. He reported from Cambodia, China, North Korea, Russia, Latin America and the Middle East (including the Six-Day War), as well as on national security matters in the United States. While in Cuba, where he interviewed Fidel Castro, Scheer obtained an introduction by the Cuban leader for the diary of Che Guevara — which Scheer had already obtained, with the assistance of French journalist Michele Ray, for publication in Ramparts and by Bantam Books.

During this period Scheer made a bid for elective office as one of the first anti-Vietnam War candidates. He challenged U.S. Representative Jeffrey Cohelan in the 1966 Democratic primary. Cohelan was a liberal, but like most Democratic officeholders at that time, he supported the Vietnam War. Scheer lost, but won over 45% of the vote (and carried Berkeley), a strong showing against an incumbent that demonstrated the rising strength of New Left Sixties radicalism.

In July 1970, Scheer accompanied as a journalist a Black Panther Party delegation, led by Eldridge Cleaver, to North Korea, China, and Vietnam. The delegation also contained people from the San Francisco Red Guard, the women's liberation movement, the Peace and Freedom Party, Newsreel, and the Movement for a Democratic Military. The purpose of the delegation was to "express solidarity with the struggles of the Koreans" and to "bring back to Babylon information about their communist society and their fight against U.S. imperialism," according to the Black Panthers' publication.

After several years freelancing for magazines, including New Times and Playboy, Scheer joined the Los Angeles Times in 1976 as a reporter. There he met Narda Zacchino, a reporter whom he later wed in the paper's news room. As a national correspondent for 17 years at the Times, he wrote articles and series on such diverse topics as the Soviet Union during glasnost, the Jews of Los Angeles, arms control, urban crises, national politics and the military, as well as covering several presidential elections. The Times entered Scheer's work for the Pulitzer Prize 11 times, and he was a finalist for the Pulitzer national reporting award for a series on the television industry.

After Scheer left the Times in 1993, the paper granted him a weekly op-ed column which ran every Tuesday for the next 12 years until it was canceled in 2005. The column now appears in the San Francisco Chronicle and is distributed nationally by Creators Syndicate. He is also a contributing editor for the Nation magazine.

Scheer can be heard weekly on the nationally syndicated political analysis radio program "Left, Right & Center" produced at KCRW in Santa Monica and syndicated by Public Radio International.

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Displaying 1 - 9 of 9 reviews
Profile Image for JoBerlin.
365 reviews40 followers
May 7, 2016
Mit „Pici“ ist Robert Scheer ein wunderbares Erinnerungsbuch an seine Großmutter Elisabeth Scheer (1924 – 2015), genannt Pici (die Kleine) gelungen.
Das Buch, in schöner Ausstattung (viele Fotos, flexibler Einband) in der Reihe „Nahaufnahmen“ des ambitionierten Marta Press Verlags erschienen, basiert auf Erzählungen Picis aus dem Jahr 2014. Es beginnt zunächst mit substantieller Reflexion über Alter und Jugend. Wir lernen dann die Familie kennen - diese Beschreibungen eignen sich gut und gerne zu literarischer Verarbeitung in einem herrlichen Familienepos. Dass die weitverzweigte Familie für den Leser/Leserin nicht unübersichtlich wird, gelingt Robert Scheer spielend.

Geboren und aufgewachsen in Carei, einer Stadt, die je nach Weltenlage mal zu Rumänien, mal zu Ungarn gehörte, erfährt Pici bereits in der Schule Hänseleien und Anfeindungen, die in ihrer jüdischen Herkunft als wohl auch in ihrer Bildung und Intelligenz ihren Ursprung hatten. Doch Auszeichnungen für gute Leistungen konnte sie als Jüdin bereits nicht mehr bekommen. Für Pici ist diese Zurückweisung, diese Ablehnung bitter. Sie versteht diese Ausgrenzung nicht, ist sie nicht genauso ein Mensch, wie andere auch? „Schweig“, sagt der Vater, „ein Jude soll froh sein, wenn man ihn leben lässt“. Ahnte er schon das große Unglück, das die Familie bald erfassen sollte?

1944, ein Jahr vor Kriegsende, wird Pici in ein rumänisches Ghetto verschleppt, hier gab es „keine Tränen mehr, nur noch den täglichen Albtraum“. Und das Martyrium, die endgültige Auslöschung der Familie wurde dann in den Lagern Auschwitz, Walldorf, Ravensbrück vollzogen. Picis Erzählungen aus dieser Zeit sind eindringlich und berührend. „Uns wurde die Möglichkeit und das Recht genommen, als Menschen zu leben“. Nun lässt sich anmerken, dass ähnliche Berichte, auch in literarischer Bearbeitung, natürlich bereits publiziert wurden. Es ist aber Robert Scheers große Leistung, Picis Schilderungen ohne großes Pathos umzusetzen, die einzelnen Kapitel so anzulegen, dass man nicht müde oder der Geschichte überdrüssig wird. So wird auch Picis weiteres Schicksal prägnant und ohne je ins Uferlose abzugleiten erzählt: Sie überlebt, geht nach Rumänien zurück, 1985 emigriert sie mit ihrer Familie nach Israel. Das Trauma bleibt. „Die Überlebenden zahlen mit einer nie nachlassenden Tortur dafür, dass sie ihre am meisten Geliebten überlebt haben. Dieses Gefühl wird bleiben, solange ich lebe ...“

Schicksale wie dieses haben auf deutsche Leser, so glaube ich, stets eine besondere Wirkung. Scham, Trauer, auf jeden Fall Betroffenheit – und das im wahrsten Wortsinn. Was mich zusätzlich hier besonders beschäftigt, ist die Dokumentation Picis Kampf um Entschädigung ihrer im Konzentrationslager geleisteten Zwangsarbeit für eine deutsche Firma. Die Fotos und Briefe dazu lässt Robert Scheer unkommentiert. Was sollte, was könnte man auch dazu sagen? Scham. Bodenlos.
Profile Image for dubh.
361 reviews
June 6, 2016
Wider das Vergessen

Immer wenn ich zu einem Zeitzeugenbericht, einer Autobiographie oder einer Lebensgeschichte aus der Zeit des Dritten Reiches greife, bin ich froh, dass ich noch einige dieser Menschen, die all das unvorstellbare Leid erlebt haben, erleben konnte und durfte. Schon in jungen Jahren habe ich Verantwortung empfunden, mich mit diesem Thema zu beschäftigen und vor allen Dingen den Mund gegen rechte Tendenzen aufzumachen.
Robert Scheer hat den Mund aufgemacht und in eindrucksvoller Art und Weise seiner Großmutter und ihrem Leben ein Denkmal gesetzt.

Zu ihrem 90. Geburtstag reist der Autor zu seiner Oma Elisabeth Scheer, die Pici genannt wird, nach Israel. Während seines Besuchs erzählt Pici ihrem Enkel ihr Leben - von ihrer Kindheit in Rumänien, wie sich die Zustände für die jüdischen Menschen dort zusehends verschlimmerten, von ihrem Leben in zwei Ghettos und ihrer Deportation in zwei Konzentrationslager und verschiedene Außenlager. Darunter Auschwitz - das Synonym für den industriellen Massenmord der Nazis. Pici wird all das überleben - im Gegensatz zu ihren Eltern, ihren Geschwistern, ihrer kleinen Nichte und anderen Familienmitgliedern. Was Menschen in den Vernichtungslagern erleben mussten, lässt sich auch heute nicht begreifen - trotz aller Dokumentationen und einer Vielzahl an Literatur und Dokumenten. Umso verständlicher, dass Pici über ihre Erlebnisse, das Grauen und ihren enormen Verlust nicht so berichten kann, wie über ihre Kindheit mit ihren Geschwistern und dem väterlichen Holzhandel. Präziser, knapper werden die Schilderungen - angesichts der Tatsache, dass sich das Erduldete kaum in Worte fassen lässt, wirklich nicht verwunderlich.
Pici ist nicht allzu lange nachdem sie mit ihrem Enkel, einem Wahldeutschen, ihr Leben erzählt hat, gestorben. Ob sie ihre Geschichte und die ihrer Familie einmal erzählen musste? Auf jeden Fall ist sie in meinen Augen eine bewundernswert starke Frau, die Robert Scheer ein wichtiges Buch, ja, ein Zeitzeugnis ermöglicht hat. Ihre ruhige Art, ihre Erinnerungen zu schildern, haben bei mir sehr stark nachgewirkt - nicht nur angesichts dessen, wie sie das alles überleben konnte, sondern auch, weil sie ihr Leben, das mit einem solch tiefen, allgegenwärtigen Trauma beladen war, so gelebt hat. Sie ist ihren Weg gegangen, hat trotz allem Hoffnung gehabt und Liebe erlebt und schenken können. Vielleicht der allergrößte Trost - dass Menschen diese Barbarei überlebt haben und sich nicht ganz haben zerstören lassen.

Angesichts der heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland und Europa ist das Buch wichtiger denn je. In Zeiten, in denen sich Teile der Gesellschaft, die sich zunehmend durch Hass, Angst und Mitleidlosigkeit leiten lassen, wieder verrennen. Nur, dass wir heute mit Gewissheit sagen können, wo so etwas enden kann...

Vielleicht sollte man noch wissen, dass es sich um keinen reinen Fließtext handelt, denn diesem Buch liegt ein Gespräch, ja, ein Interview des Enkels mit seiner Großmutter zu Grunde. Dennoch lesen sich Picis Erinnerungen sehr gut - aber sie gehen richtigerweise unter die Haut. Hinzu kommen Bilder, die gemeinsam mit der Lektüre noch einmal ganz besonders ergreifend sind.

Fazit: Ein wichtiges Buch wider dem Vergessen, das mich sehr berührt hat!
Profile Image for KruemelGizmo.
503 reviews5 followers
June 2, 2016
Der Autor Robert Scheer reist 2014 nach Israel um seine Großmutter Elisabeth Scheer, Pici genannt, zu besuchen und um sie über ihre Kindheit und Jugend zu befragen. 2014 feierte Pici ihren 90. Geburtstag und ihrem Enkel gegenüber gibt Pici Auskunft über ihr Leben in den 40 er Jahren als der Nationalsozialismus die Lage der jüdischen Bevölkerung in Ungarn verschlechterte und lebensgefährlich machte. Sie berichtet dabei über ihre furchtbaren Erlebnisse in den Ghettos Carei und Satu Mare, sowie in dem Konzentrationslager Auschwitz, im Außenlager Walldorf, im Konzentrationslager Ravensbrück und im mecklenburgischen Rechlin, bis sie 1945 in Malchow befreit wurde. Pici's Eltern, ihre Schwestern, ihr Bruder, ihr Schwager und ihre kleine Nichte wurden im Holocaust ermordet. Durch ihre Erinnerungen wird dem Leser/in die damalige Zeit näher gebracht. 2015 stirbt Pici mit 91 Jahren.

Durch die Biografie seiner Großmutter Pici schafft es der Autor Robert Scheer ein Stück Geschichte lebendig zu halten, welches nicht vergessen werden darf.

Elisabeth Scheer, genannt Pici, wurde am 11. März 1924 in Carei geboren. Mit drei älteren Schwestern und einem jüngeren Bruder wurchs Pici in eine glückliche jüdisch-orthodoxe Familie auf. Ihre Kindheitserinnungen nehmen viel Raum ein in diesem Buch, dadurch hatte ich als Leser wirklich das Gefühl sie näher kennen zu lernen. Man merkt schnell wie wichtig ihnen der familiäre Zusammenhalt und ihre Religion ist, aber schon im Kindergarten spürt Pici das sie durch ihre Religionszugehörigkeit einen anderen Stellenwert hat, als die anderen. Im Laufe der Jahre treten immer mehr Anfeindungen zu Tage und mit der Einführung der Judengesetze verändert sich das Leben der Familie grundlegend. Ihnen wird der Lebensunterhalt entzogen und so lebt die Familie von der Hand in den Mund um schließlich ins Ghetto zu müssen.

Die bisher doch recht fließend von Pici erzählte Geschichte fängt nun an immer stockender zu werden. Teilweise fehlen Pici die Erinnerungen, wahrscheinlich weil sie verdrängt wurden um die Seele irgendwie zu beschützen, teilweise wirkt die Erzählung nur noch wie Momentaufnahmen. Man merkt mit jedem Wort wie schwer es Pici fällt über diese Erinnerungen zu sprechen, umso mehr berührten und erschütterten sie mich.

Fotos während der Erzählung und vor allem im Anhang verstärkten dieses Gefühl bei mir und verstärkten das Grauen, welches mit so einer Erinnerung einhergeht. Auch dienen die Fotos und Dokumente im Anhang dazu Pici Geschichte zu belegen.

Über diese Rezension habe ich mir lange den Kopf zerbrochen, denn wie kann man die richtigen Worte finden um diese Geschichte zu beschreiben, die mir so unter die Haut geht und mich erschüttert. Dieses Buch zog mich vor allem durch die Art wie Pici erzählt in seinen Bann.

Der Autor Robert Scheer hat mir durch die Erzählungen seiner Großmutter einen Einblick in eine grauenvolle Zeit ermöglicht, aber auch das Bild einer starken Frau gezeigt die unvorstellbares erlebt und überlebt hat.

Mein Fazit:
Mich hat diese Geschichte tief erschüttert und berührt. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen der sich mit diesem Thema auseinander setzen möchte.
Profile Image for WarmerSommerregen.
144 reviews
August 10, 2016
So beeindruckend, dass mir die Worte fehlen!

2014 besucht Robert Scheer seine neunzigjährige Großmutter Elisabeth, genannt Pici, "die Kleine", in Israel, um seine wohlmöglich letzte Chance, etwas über ihre Vergangenheit zu erfahren, wahrzunehmen. So erfährt er von der Lage der Juden, die sich in der 1940er Jahren in Ungarn zunehmend verschlechterte.
Sehr detailreich erzählt sie von ihrer Kindheit und Jugend, davon, wie schwierig es für das intelligente Mädchen war, Bildung zu erhalten, von ihren Verwandten, wie Juden immer mehr ausgegrenzt und diskriminiert wurden, Erfahrungen in Ghettos und Konzentrationslagern, Judengesetzen und vielem mehr.
So erhält der Leser einen sehr tiefen Einblick in die Erlebnisse einer Holocaust-Überlebenden, die im Holocaust ihre ganze Familie verloren hat.
Dadurch, dass der Leser direkt an dem Gespräch zwischen Pici und ihrem Enkel teilhaben kann, ist man dem Erzählten sehr nahe. Darüber hinaus spürt man beim Lesen die tiefe Verbindung der beiden, was sehr beeindruckt. Man merkt außerdem immer wieder, wie schwer es Pici, besonders im zweiten Teil des Buches, fällt, über ihre Erlebnisse zu sprechen, manchmal kommt sie ins Stocken oder hat Erinnerungen verdrängt. Besonders solche Passagen haben mich erschüttert...
Manchmal springen ihre Gedanken auch, was zunächst verwirrend, dann aber auch wieder sehr eindrucksvoll ist. Ich bin beeindruckt von ihrem guten Gedächtnis und der Offenheit, mit der sie ihre Geschichte erzählt. Robert Scheer stellt ihr dabei immer an geeigneter Stelle ein Frage, hakt nach oder motiviert seine Großmutter zum Fortfahren, sodass man sich immer gut durch das Gespräch geführt fühlt.
Gerade diese emotionale Komponente ist etwas, das vielen Büchern zu dem hier behandelten Thema fehlt; oft werden Fakten genannt, Schicksale angerissen, aber kaum Zeitzeugen über ihre Gefühle gefragt.
Sehr gelungen sind auch die vielen Fotos, die eingestreut werden, sodass man zu den Schicksalen auch Gesichter im Kopf hat oder sich unmenschliche Gräueltaten besser vor Augen führen kann. Bildunterschriften wie "Nicht arbeitsfähiges "Menschenmaterial", wie alte Menschen, Kinder, Schwangere, Behinderte wurden an der Rampe selektiert und auf den Weg in das Todeslager Auschwitz-Birkenau geschickt." (S.129), Deportationslisten oder Ähnliches bedrücken zutiefst und vermitteln ein Gefühl des Grauens. Im Anhang finden sich viele zusätzliche Informationen, die Picis Erzählungen stützen und Glaubwürdigkeit verstärken sollen.

Ich bin von diesem Werk schwer beeindruckt. Lange wusste ich nicht, was ich zu diesem Buch schreiben sollte, denn wie soll man angesichts solcher Erlebnisse die richtigen Worte finden? Auch nun werde ich das Gefühl nicht los, dem Buch nicht gerecht geworden zu sein, weswegen es mir nur übrig bleibt, jedem, der sich über den Holocaust informieren möchte, dieses Buch zu empfehlen. Sehr nahegehend, eindrucksvoll und informativ wird man durch das Leben einer durch die Jahre sehr weisen und gebildeten Frau geführt.

Von mir gibt es daher 5 Sterne und große Anerkennung.
Profile Image for CrowAndKraken.
64 reviews18 followers
May 10, 2016
Elizbath Scheer, genannt Pci, erzählt ihrem Enkel Robert von ihrem Leben in Rumänien bis zu ihrer Deportation, und von ihren Erfahrungen in den Ghettos und Konzentrationslagern. Im Laufe des Interviews verdichten sich Picis Erzählungen zu einem detailierten Bild vom leben einer jüdischen Familie in Osteuropa, bis der deutsche Judenhass in aller Endgültigkeit auch Rumänien erreicht. Im Vergleich zu deutschen, polnischen oder französischen Juden wurden die Meisels, Picis Mädchenname, relativ spät deportiert, “erst” 1944. Dass dies nichts heißt wird an Picis Geschichte deutlich. Sie verlor ihre komplette Familie – Mutter, Vater, drei Schwestern und eine Nichte – in den Konzentrationslagern und überlebte selbst nur knapp. Nach dem Ende des Kreiges kehrte sie zunächst nach Rumänien zurück und gründete eine Familie, bevor sie in den 1980ern nach Israel emigrierte und dort 2015 starb.

Die Memoiren sind größtenteils von Pici gesprochen, Robert Scheer stellte ihr zwischendurch nur einige Fragen, um sie in eine bestimmte Richtung zu lenken. Anfangs ist der Stil etwas holperig und entspricht nur bedingt dem eines gesprochenen Wortes. Allerdings kann man das der Überarbeitung der Interviewunterlagen durch Robert Scheer zuschreiben, denn Erinnerungen können sehr unstrukturiert sein. Der Stil ist ansonsten leicht und flüssig zu lesen, die Kapitel sind nicht sehr lang. Im Anhang findet man weitere Familienfotos und Bilder, die Picis Erinnerungen unterstreichen.

Die Memoiren haben mich zutiefst berührt. Es sind nicht die ersten, die ich lese, und es werden nicht die letzten sein. Besonders an diesen Erinnerungen ist, dass Picis Enkel immer wieder gezielt Rückfragen stellen konnte, und seine Großmutter frei erzählen ließ. Auf diese Weise lernt man das Mädchen und die junge Frau Pici kennen, die sich trotz aller antisemitischen Widrigkeiten durch das Leben kämpfte. Sie erzählt schonungslos von ihrer Lebensmüdigkeit in den KZs, und dass nur ihre Schwestern, mit denen sie fast bis zum Schluss zusammen bleiben konnte, sie am Leben hielten. Man spürt auch den großen Verlust, den sie erlitten hat, und die tiefe Trauer, die sie seit der Befreiung begleitet. Am deutlichsten wird das in ihrer Antwort auf die Frage, warum sie die jüdischen Feiertage nicht mehr feiert:

“Der Kern der Feiertage ist die Familie, der Glaube, der warme Zusammenhalt, die Rituale, die Vorbereitung … Die Jungen…suchten ihre Verwandten und Freunde auf, die kleineren Kinder spielten im Garten der Synangoge. Sie lachten. Es gab viel Lärm. Kinderweinen… Das habe ich gesehen und erlebt, bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr. Danach fehlte mir das, was einen Feiertag zu einem Feiertag macht: die Familie.” (S.55)

Herzlichen Dank an Marta Press, die mir freundlicher Weise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben, und an Literaturschock.de, die den Kontakt herstellten.
Profile Image for Keksisbaby.
961 reviews25 followers
May 10, 2016
Ich erinnere mich, dass ich meine Oma früher auch oft gefragt habe als ich klein war, wie es war im Krieg, doch sie wiegelte nur ab und mochte darüber nicht reden. Robert Scheers Großmutter Elisabeth genannt Pici stellt sich den Fragen ihres Enkels und den schmerzhaften Erinnerungen aus der Zeit, in der die Nazis Juden als Untervolk abstempelten. Sie erzählt von ihrer fröhlichen Kindheit als die jüngste Tochter von 5 Kindern, von ihrer jüdischen Großfamilie, aber auch von den ersten Anfeindungen in der Schule. Aber auch die dunklen Kapitel in den Ghettos und schließlich in den KZ Auschwitz und Ravensbrück erzählt sie ungeschönt, so dass es mir stellenweise Tränen in die Augen trieb. Dennoch spürt man in diesem Gespräch mit ihrem Enkel, dass Pici trotz all ihrer Erfahrungen nicht verbittert wurde, sondern stets ihrem Sohn und ihren Enkeln eine liebevolle Mutter und Großmutter war.

Die Erzählungen von Pici über ihre Kindheit als Jüdin in Rumänien haben mich manchmal schmunzeln lassen, denn mein Vater hat oft einen ähnlichen Erzählstil an den Tag gelegt. Anekdoten über Klassenkameraden, über entfernte Verwandte und dann wieder ein Sprung um von einem anderen Ereignis zu erzählen. Fast fand ich mich in dem Ort wieder wo Pici aufwuchs wieder. Die Verehrung die Pici oft für ihren Vater zum Ausdruck brachte, nahmen mich sofort für ihn ein und das harmonische Familienleben stand mir bildhaft vor Augen. Aber auch der Mut mit dem die Familie den zunehmenden Anfeindungen begegnet nötigte mir Respekt ab und so war es nur zu natürlich, dass ich den Tränen nahe war, als Pici berichtete wie ihre Familie den Gaskammern zum Opfer fielen. Das einzige was mir das Leben erschwerte waren die vielen ungewohnten Namen und die Verwandtschaftsverhältnisse. Manchmal kam ich nicht ganz hinterher wer, wer war, zumal viele noch einen Kosenamen hatten, bei dem sie gerufen wurden. Die Bilder aus Picis Leben wiederrum halfen mir ein bisschen, wenigstens mir ihre Geschwister und Eltern vorstellen zu können. Damit wurden die Personen von denen berichtet wurde, weniger plastisch und für den Leser sehr viel realer.

Obwohl über 70 Jahre vergangen sind, machen die Gräueltaten betroffen und man mag nicht glauben, dass solch ein herzloser Umgang mit anderen Menschen möglich war. Aber damit genau das nicht aus den Köpfen der Menschen verschwindet, braucht es noch mehr Juden wie Pici, die erzählen, bevor es zu spät ist und alles dem Vergessen anheimfällt. Ich möchte Robert Scheer für die Bereitstellung des Buches zur Rezension danken und das er seine tolle Großmutter mit uns allen teilt und ihr damit ein kleines Denkmal setzt. Danke dass ich eine wundervolle Frau durch diesen Bericht kennenlernen durfte.
Profile Image for Anyah Maria.
467 reviews10 followers
May 6, 2016
Elisabeth Scheer genannt Pici wurde 1924 in Carei, einer kleinen Stadt im heutigen Nordwesten Rumäniens liegend, nahe der ungarischen Grenze, geboren. Die vierte Tochter eines Holzhändlers, ein Bruder sollte später noch folgen, verlebte ihre ersten Jahre als eine äußerst strebsame Schülerin, die das Lernen über alles liebte. Schon früh begannen Beschimpfungen gegen Juden auszubrechen, im Jahre 1934 dann musste Pici die deutsche Schule verlassen und stattdessen die staatliche, rumänische Schule besuchen. Um auf dem von ihr gewohnten Bildungslevel zu bleiben, musste das Mädchen die rumänische Sprache lernen und sich den Stoff ihrer neuen Schulklasse schnell aneignen. Sie war so sehr damit beschäftigt, dass sie die Weltenlage um sich herum gar nicht mitbekam. Das sollte sich bald ändern, eine traurige Zeit begann ...

Der Autor Robert Scheer hat 2014 den 90. Geburtstag seiner Großmutter zum Anlass genommen, sich ihre Lebensgeschichte erzählen zu lassen. Er hat die Gespräche auf Tonband mitgeschnitten und sie frei erzählen lassen, nur manchmal hat er einfühlsam Stichworte eingeworfen, um ihre Gedanken wieder in die Bahn zu bringen. Beim Lesen wird mir deutlich, dass Frau Scheer noch hätte viel mehr erzählen können und noch weitaus mehr Geschichten aus ihrem Leben hätte erzählen können. Schön fand ich auch die Episoden, wenn der Großsohn mit der Großmutter über Situationen und politische Lagen diskutiert hat. Für mich als Leserin fühlte es sich dann an, als wäre ich zum Kaffee eingeladen und könnte der Konversation lauschen. Somit ist das Buch ein wichtiges Stück Zeitgeschichte, es zeigt den Lebensweg der Elisabeth Scheer beginnend von ihrer frühen Kindheit, in der es abstoßender weise bereits die ersten Beschimpfungen gab, über das wohl schlimmste Kapitel der Menschheit, dem Holocaust, den Elisabeth Scheer überlebt hat. Elisabeth und Robert Scheer lassen uns Leser dankenswerter Weise teilhaben an einem unglaublichen und unvorstellbaren Schicksal, dessen Bewältigung und ihrem eigenen Stück Familiengeschichte.

Von Herzen gerne vergebe ich dem Buch seine wohlverdienten fünf von fünf möglichen Sternen und wünsche ihm, dass es noch viele, viele Leser findet, optimal wäre die Aufnahme in die Lektüreliste deutscher Schulen, um das Vergessen dieses bitteren Abschnittes der Geschichte zu stoppen und ein Wiederholen zu verhindern. Unbedingt empfehlen möchte ich das Buch allen Lesern, die sich mit der persönlichen Geschichte von Elisabeth Scheer auseinandersetzen möchten, einer starken, tapferen Frau mit dem Herzen auf dem rechten Fleck.
Profile Image for Ritja.
621 reviews
May 2, 2016
Eine Familiengeschichte, die mich bewegt und nachdenklich zurückgelassen hat.
Pici, die Goßmutter des Autoren, hat in ihrer Kindheit und Jugend Dinge gesehen, gehört und erlebt, die kaum nachzuvollziehen sind. Sie sind nur schwer zu fassen und doch sind sie geschehen. Gnadenlose Jagd auf Menschen durch Menschen. Warum?

Das Pici den Wahnsinn und die Grausamkeiten überlebt hat, zeigt, was für einen starken (Über-)lebenswille diese Frau hatte. Sie fängt noch einmal neu an und gibt den nachfolgenden Generationen Hoffnung auf ein schönes Leben mit.

Der Autor lässt seine Großmutter erzählen und schreibt ihre Geschichte nieder. Es liest sich anders als ein Roman oder ein klasssiches Geschichtsbuch. Man ahnt die Verbindung zwischen Enkel und Großmutter und man kann phasenweise die Traurigkeit der Frau spüren. Die vielen Familienbilder und die grausemen Bilder aus den Ghettos unterstreichen das Erzählte.

Ich konnte das Buch nicht in einem Rutsch durchlesen. Ich brauchte Pausen dazwischen, um darüber nachzudenken und auch abzuschalten. Es sollte trotzdem gelesen werden, da es die Augen öffnet, Gelesenes und Gelerntes bestätigt und zum Nachdenken anregt.

Im Nachgang:
Erstens, der Titel ist aus meiner Sicht etwas unglücklich gewählt. Für mich war es eine Familiengeschichte, die von dem Leiden der einzelnen Familienmitglieder erzählt. Die Ghettos sind nicht das zentrale Thema, sondern die Familie. Zweitens, die Qualität des Druckes müsste verbessert werden, da ich teilweise an den Rändern die Schrift/Buchstaben nur schwer lesen konnte. Die genannten Punkte ändern nichts an meiner Meinung zum Buch, jedoch sind dies Faktoren, die ich erwähnen möchte, da sie den Lesefluss oder die Erwartungen der Leser beeinflussen könnten.
Profile Image for Tintenwelten.
835 reviews46 followers
Read
May 26, 2016
Elisabeth Scheer, genannt Pici, ist die Großmutter des Autoren, der ebenfalls aus Carei (Rumänien) kommt. Die Familie ist 1985 nach Israel ausgewandert. Robert Scheer lebt heute in Deutschland. Zu ihrem 90. Geburtstag besucht er Pici, welche ihm von ihrem Leben zur Zeit des 2. Weltkrieges, der Judenverfolgung und des Holocausts erzählt.

Es ist ein erschreckender Bericht einer Zeitzeugin, die alles hautnah miterleben musste. Das Buch beginnt noch relativ schön mit Anekdoten aus der Kindheit, Erzählungen über Eltern, Geschwister und die Schulzeit. Man merkt deutlich, wie nahe alle sich stehen und wie sehr Pici Halt und Kraft aus dieser Liebe zieht. Denn ihre Familie wurde schon immer anders behandelt, teilweise beschimpft oder gedemütigt und benachteiligt – weil sie Juden sind. Dies geht an einem kleinen Mädchen nicht spurlos vorbei.

Bald spitzt sich die Situation zu. Die meisten Juden dürfen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen, später kommt es zur Deportation. Sie werden in Konzentrationslager gebracht und dort systematisch unterdrückt und gequält. Es fehlt an allem: Nahrung, Sanitäranlagen, Kleidung. Sie werden wie Tiere zusammengepfercht. Picis Erlebnisse sind aufwühlend, beängstigend und menschenunwürdig.

Dies zu lesen und zu wissen, dass sie all dies wirklich erlebt hat und dies kein Märchen oder eine Geschichte ist, macht einen traurig, wütend, sprachlos. Es ist ein bedrückender und aufrüttelnder Erfahrungsbericht, der uns für unser Leben heute eine Lehre sein sollte.
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